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Abschalten auf natürliche Art und Weise.

Urlaub, nachhaltig: Langlauf im Schnee und schlemmen im Bio-Hotel

Ob Weihnachtsferien, vorlesungsfreie Zeit oder Resturlaub – mit jedem Türchen beim Adventskalender rücken die freien Tage näher. Die einen freuen sich darauf, Kälte und Schnee zu entfliehen. Andere darauf, beides bewusst auszukosten. Zeit, Urlaubspläne zu schmieden und die Koffer zu packen.

Nachhaltig und umweltschonend in der Winterzeit verreisen.

Gesund, sportlich und nachhaltig: Langlauf glänzt mit einer positiven CO2-Bilanz. Foto: (c) Fotolia

Vor allem für Wintersportbegeisterte bricht jetzt die schönste Zeit im Jahr an. Die Saison ist frisch gestartet und läuft je nach Höhenlagen noch weit bis 2012 hinein. Aber trotz der Vorfreude schleicht sich schlechtes Gewissen ein. Darf ich als umweltbewusster Mensch noch verreisen? Die Antwort ist einfach: Ja, natürlich, da gibt es keinen Widerspruch. Niemand muss zuhause bleiben, nur weil er sich auch beim Reisen seiner nachhaltigen Verantwortung nicht entziehen will. Wer ein paar Dinge bei seiner Planung beachtet, hat bereits entscheidende Schritte für die Ökobilanz getan.

Flugzeug ist Klimakiller Nummer eins

Die Schattenseite des Fernwehs sind die Treibhausgase, die bei Urlaubsreisen entstehen. Einer Studie des World Wildlife Fund (WWF) zufolge hat die An- und Abreise ins Urlaubsgebiet mit Abstand den größten Einfluss auf die CO2-Bilanz. Vor allem das Flugzeug erweist sich hier als Klimakiller Nummer eins. Wird das Urlaubsziel nämlich auf dem Luftweg angesteuert, sind das schnell bis zu 80 Prozent an den gesamten CO2-Emissionen der Reise. Eine Anreise mit der Bahn hätte den Anteil auf knapp 25 Prozent reduziert. Ebenfalls problematisch: Bei Mittel- und Langstreckenflügen landen die Treibhausgase direkt in höheren Schichten der Atmosphäre. Dort sind sie laut Umweltbundesamt fast dreimal so schädlich wie in Bodennähe.

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Jeder verantwortungsbewusste Urlauber sollte sich daher zu Beginn seiner Reiseplanung selbstkritisch die Frage stellen, ob für den optimalen Erholungswert zwingend eine Fernreise nötig ist. Vielleicht findet sich bereits in kleinerem Radius zum Wohnort schöne Fleckchen, die gut mit Bus oder Bahn erreichbar sind. Ein guter Kompromiss ist, wenn die Entfernung zumindest in vernünftigem Verhältnis zur Aufenthaltsdauer steht. Auch Deutschland hat schöne Wintersportgebiete zu bieten. Denn mal ehrlich: Lohnt sich für einen Wochenendtrip eine Anreise über mehrere hundert Kilometer?

Bretter, die die Welt bedeuten

Apropos Wintersport: Unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten ist Skifahren leider nur bedingt empfehlenswert. Zwar verblasst langsam das negative Image vergangener Jahrzehnte, in denen der Sport in einem Atemzug mit Abholzung, Bodenerosion, Lawinengefahr und Beschneiung genannt wurde. Denn auch in den Tourismus hat der Nachhaltigkeitsgedanke Einzug gehalten. Immer mehr Reiseveranstalter bieten Angebote an, die bei all dem Service- und Dienstleistungsgedanken auch die Umwelt nicht aus den Augen verlieren. Nichts desto trotz erwarten viele Skibegeisterte noch heute eine verbindliche Schneegarantie und wollen zu den Pisten chauffiert und auf die Berge geschleppt werden. Und das verbraucht Ressourcen. Dem Bayerischen Landesamt für Umwelt zufolge gehen pro erzeugtem Kubikmeter Schnee bis zu 500 Liter Wasser und 5 Kilowattstunden Strom flöten. Von der Lärmbelästigung für die Tierwelt ganz zu schweigen. Wirbt also ein Skiort mit Schneegarantie und mit bis zu 90 Prozent beschneiten Pistenkilometern, ist er vermutlich keine nachhaltige Wahl.

Viel leichter gestaltet sich der umweltbewusste Winterurlaub unter folgender Prämisse: sportliche Aktivität draußen in der Natur ist ein MUSS, Skifahren ein KANN. Viele Alpenorte und Reiseveranstalter bieten mittlerweile ein breites Alternativprogramm an, bei dem die Schneehöhe eher nebensächlich ist. Dazu gehören Skischuhwandern, Langlauf, Nordic Blading oder Ausflüge mit Hunde- oder Pferdeschlitten. Viele Gemeinden geben auch ihre Seen zum Eislaufen frei, sobald das Betreten gefahrlos möglich ist.

Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell

Jeder kann mit wenigen Mitteln den ökologischen Fußabdruck seines Urlaubs verkleinern. Auch wer die Organisation lieber in fremde Hände abgibt, wird fündig. Denn all diese Aspekte der Reiseplanung haben nachhaltig ausgerichtete Reiseveranstalter im Blick. Immer mehr Anbieter spezialisieren sich auf umwelt- und sozialverträgliche Angebote. Einer davon ist der Ökotourismus-Verband forum anders reisen e.V. Der Erfolg gibt ihnen Recht: Laut Geschäftsführer Johannes Reißland haben seine Mitgliedsunternehmen 2010 im Schnitt um elf Prozent zugelegt, was deutlich über dem Branchendurchschnitt liegt.

forum anders reisen e.V. ist ein Zusammenschluss von rund 130 Reiseveranstaltern. Alle haben sich einem nachhaltigen Tourismus verpflichtet, der langfristig ökologisch tragbar, wirtschaftlich machbar sowie ethisch und sozial gerecht für ortsansässige Gemeinschaften sein soll. Das gewährleistet ein umfassender Kriterienkatalog, zu dessen Einhaltung sich alle Mitgliedsunternehmen verpflichtet haben. Dazu gehört zum Beispiel, dass Flugreisen nur angeboten werden, wenn die Entfernung in einem vernünftigen Verhältnis zur Aufenthaltsdauer steht. Mehr Informationen unter hier.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgen die als BIO-Hotel zertifizierten Betriebe. Die mehr als 70 Mitglieder der im Jahr 2001 gegründeten Interessensgemeinschaft bieten ihren Gästen konsequent Bio-Speisen an. Denn wer sich mit dem Gütesiegel schmücken möchte, muss seine Küche vollständig auf Bio umstellen. Dabei sind den Häusern nur wenige Ausnahmen erlaubt, zum Beispiel bei regionalen Spezialitäten, die es noch nicht in Bio-Qualität gibt. Seit 2009 finden die Gäste der BIO-Hotels in ihren Zimmern ausschließlich kontrollierte Naturkosmetik, bis Jahresende soll das auch für die Produkte im Wellness- und Beautybereich gelten. Im zehnten Jahr seines Bestehens setzt der Verein noch ein i-Tüpfelchen obendrauf: Denn seit diesem Jahr müssen auch die angebotenen Getränke ausschließlich aus Bio-Erzeugung stammen. Außerdem führen die Häuser der Gruppe aktuell das Qualitätssiegel eco hotels certified (ehc) ein. Zu dessen Mindestvoraussetzungen zählen unter anderem die Verwendung von Ökostrom und Recyclingpapier und ein schonender Verbrauch von Wasser und Energie. Mehr dazu hier.

Wer sich genauer über seinen Reiseveranstalter oder sein Hotel informieren möchte, sollte einen Blick in dessen Zertifizierungsrichtlinien werfen. Darin steht, zur Einhaltung welcher Kriterien sich das Mitglied verpflichtet hat. Auch wer seinen Urlaub lieber in Eigenregie plant, wird darin fündig. Denn dort stehen viele nützliche Anregungen, die auch auf individuelle Reisen übertragbar sind. Bereits einfache Mittel können viel zu einem klimaschonenden Urlaub beitragen.

Tipps für einen nachhaltigen Winterurlaub

  • Es muss nicht jedes Mal eine Fernreise sein, die nur mit Flieger umsetzbar ist. Ein Urlaub in der Region oder zumindest dem angrenzenden Nachbarstaat ist viel weniger schädlich für die Umwelt. Das optimale Urlaubsgebiet ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus oder Bahn erreichbar und besitzt ein gut ausgebautes öffentliches Nahverkehrsnetz. So ist für den Transfer zwischen Hotel und Ausflugsziel gesorgt und ein eigenes Auto überflüssig. Außerdem profitiert der heimische Tourismus davon.
  • Kommen Flugreisen in Frage, sollten sie in einem vernünftigen Verhältnis zum Reiseziel und der Aufenthaltsdauer am Zielort stehen. forum nachhaltig reisen zum Beispiel bietet Flugreisen in Regionen von unter 700 Kilometern Entfernung erst gar nicht an. Ziele im Umkreis zwischen 700 und 2.000 Kilometern sind ab einem Mindestaufenthalt von acht Tagen möglich, darüber müssen es mindestens zwei Wochen sein.
  • Fluggäste können die Klimabelastungen außerdem finanziell auszugleichen. Über www.atmosfair.de können sie freiwillig für den durch sie entstandenen Schaden bezahlen. Atmosfair leitet das Geld Solar-, Wasserkraft-, Biomasse- oder Energiesparprojekte weiter, um so die Klimabilanz wieder auszugleichen.
  • Bei der Anfahrt mit dem Auto lohnt der Blick auf den Tacho. Auf der Autobahn gilt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 120 km/h als wirtschaftlich, darüber steigt der Treibstoffverbrauch überproportional an. Ausgeschaltete Heckscheibenheizungen und Klima-Anlagen sowie geschlossene Fenster beim Fahren machen sich ebenfalls positiv im Spritverbrauch bemerkbar. Außerdem darf der Motor bei Wartezeiten eine Pause machen, das Abschalten lohnt sich schon ab etwa 20 Sekunden.
  • Skifans müssen nicht zwingend in die Ferne schweifen. Auch Deutschland hat mehr als genügend Wintersportorte zu bieten. Der ADAC SkiGuide unter www.adac-skiguide.de zum Beispiel liefert aktuelle Pisten- und Schneebedingungen und Wettervorhersagen über die Skigebiete Deutschlands – und die Österreichs, der Schweiz, Italiens, Frankreichs und Lichtensteins.
  • Für „Sonntagsfahrer“ lohnt sich meist keine eigene Skiausrüstung. Besser ist, am Urlaubsort auf einen Verleih zurückzugreifen. Das spart nicht nur Ressourcen, sondern macht außerdem den Skisarg oder der Dachgepäckträger überflüssig. Das schont ebenfalls den Geldbeutel, denn beide erhöhen den Luftwiderstand eines Fahrzeugs und damit seinen Treibstoffverbrauch.
  • Ein Urlaub ist immer auch ein Blick über den Tellerrand – sowohl kulturell, als auch kulinarisch. Schwelgen Sie in Regionalem, ganz egal, wo die Reise hinführt. Das gilt für Lebensmittel und Souvenirs ebenso wie für Dienstleistungen. Das schont das Klima und kurbelt die regionale Wirtschaft an.
  • Es wird ein warmer Winter? Dann muss es vielleicht nicht unbedingt ein Skiurlaub werden. Alternativen, bei denen man die Natur erleben und sich umweltfreundlich fortbewegen kann, gibt es genug.
  • Orientierung bei der Suche eines nachhaltig ausgerichteten Reiseveranstalters geben Gütesiegel. Eines davon ist CSR-tourism-certified. Es wird von der gemeinnützigen Gesellschaft für Zertifizierung im Tourismus TourCert vergeben. Eine Übersicht über die 55 (Stand: August 2011) zertifizierten Unternehmen gibt es auf www.tourcert.org.

Text: Inka Stonjek