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Ökologisch Reisen ist mit dem Flugzeug ist trotz Biosprit unrealistisch.

Biosprit macht Reisen mit dem Flugzeug nicht ökologischer

Die Lufthansa hat mit einem ausführlichen Test von Biosprit in seinen Flugzeugen begonnen. Kritiker sehen das als Greenwashing an, als eine Maßnahme, um ein grünes Image zu erhalten. Denn zum Ausbau der Biosprit-Produktion müssen wieder Wälder gerodet werden und die Umwelt wird geschädigt.

«Der Einsatz von Biosprit im Luftverkehr zur CO2-Minderung ist eine ökologische Mogelpackung», kritisierte Werner Reh, Verkehrsexperte vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), anlässlich der seit dem 15. Juli angelaufenen Langzeittest von Lufthansa mit Biosprit in einem Airbus A321. Die Lufthansa wolle ihre Klimaziele fast ausschließlich mit der Beimischung von Biosprit erreichen, Geschäftsreisen und Tourismus sollen so umweltfreundlicher werden. Damit müsste jedoch der Anbau von Energiepflanzen künftig enorm ausgeweitet werden. Die damit einhergehende weltweite Zerstörung von Wäldern, der Verlust der Artenvielfalt und die Konkurrenz zu Nahrungsmitteln sei unverantwortbar, so Reh. Zumal: Da die Wälder durch legale oder illegale Brandrodung beseitigt werden, um Felder für die Biosprit-Pflanzen zu schaffen, wäre der Einfluss auf das Klima immens. Mit ihren Testflügen und dem späteren Plan der flächendeckenden Einführung im Flugbetrieb würde die Lufthansa dieser ökologisch fatalen Entwicklung den Weg bereiten. Der Weg zu einem umweltfreundlichen Tourismus würde somit das genaue Gegenteil verursachen.

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Biosprit im Flieger: Kein ökologisches Reisen

Die Lufthansa will in den nächsten sechs Monaten auf insgesamt 1 200 Flügen auf der Inlandsstrecke Hamburg-Frankfurt 25 Prozent Biosprit-Anteil tanken. Der Versuch wird von der Bundesregierung mit 2,5 Millionen Euro unterstützt. Reh vom BUND: «Die Lufthansa plant, im Jahr 2025 eine Menge von Biosprit einzusetzen, für die eine Anbaufläche mindestens von der Größe Niedersachsens benötigt würde. Hier wird der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben, und die Bundesregierung stellt dafür auch noch Steuergelder bereit. Außerdem lenkt die Lufthansa mit ihren Biosprit-Zielen von der eigentlichen Aufgabe, ihre Flugzeuge deutlich effizienter zu machen, ab. Diese ökologisch kontraproduktive Entwicklung muss gestoppt werden.» Der BUND sieht diesen Weg, Tourismus und Geschäftsreisen umweltfreundlicher zu machen, als den falschen Weg.


Biosprit im Flugzeug macht das Reisen im Flieger nicht umweltverträglicher.

Durch das Betanken mit Biosprit wird Fliegen nicht umweltverträglicher.

Statt CO2-Emissionen aus dem Flugverkehr auf Kosten der Umwelt schönzurechnen und vermeintlich umweltfreundlichen Biosprit zu tanken, müssten schnellstens effiziente Maßnahmen ergriffen werden, um die CO2-Emissionen tatsächlich zu senken. Dazu müssten an erster Stelle die zehn Milliarden an Subventionen für Flugverkehr, die jährlich in den Flugverkehr fließen, gestrichen werden. Gerade bei dem Plan der Energiewende eine heute nicht mehr zeitgemäße Investition.

Außerdem sieht der BUND Verbesserungsbedarf im europäischen Emissionshandel für den Flugverkehr. Dringend zu beseitigen sei dabei die Anrechnung von Biosprit als «Nullemission», weil dadurch der Anreiz zur Effizienzsteigerung sinke, und damit die Basis für umweltfreundlichen Tourismus mit dem Flugzeug nicht vorhanden ist.

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Informationen zu Biosprit, Waldrodung und Flugverkehr

  • Die umweltschädliche Biosprit-Produktion verursacht fast genauso viel CO2 wie herkömmlicher Kraftstoff bei der Verbrennung.
  • Die Fläche von 4,5 Fußballfelder pro Minute wird weltweit gerodet.
  • Wird mehr Biosprit erzeugt – wie für E 10 – dann werden in Zukunft auch mehr Wälder zum Pflanzenanbau zerstört.
  • Nur 1 Prozent der in den Tropen gefällten Bäume kommen in die Holz- oder Papierproduktion. 99 Prozent fallen der Brandrodung zum Opfer.
  • Durch die Brände kommt mehr CO2 in die Atmosphäre, als durch Biosprit gespart wird.
  • Ob mit oder ohne Biosprit – Kurzstreckenflüge sind immer klimaschädlich und vermeidbar.
  • Eine Bahnfahrt von Frankfurt am Main nach Hamburg verursacht einen CO2-Ausstoß von 17 kg.
  • Ein Flug verursacht dagegen 78 kg CO2, einfach. Auch mit Biosprit.
  • Klimaschutz im Flugverkehr geht nicht ohne eine möglichst vollständige Verlagerung von Kurzstreckenflügen auf die Bahn.
  • Umweltfreundlicher Tourismus derzeit mit Flugverkehr nicht möglich.
  • CO2-Kompensation ist die einzige Möglichkeit, den Flug umweltfreundlicher zu machen; ob als Tourist oder Geschäftsreisender Laut Nachhaltigkeitsbericht der Lufthansa von 2010 verbraucht eine Flugstrecke von 100 Kilometern durchschnittlich 4,2 Liter Kerosin, pro Person, bei vollbesetztem Flieger. Ein Auto der Kompaktklasse, besetz mit 2 Personen fährt sparsamer.
  • Ein A321 hat etwa 200 Sitzplätze. Das sind 840 Liter Kerosin pro 100 Kilometer; was beim Testflugzeug 210 Liter Biosprit auf 100 Km entspricht.

Quelle: www.bund.net, Text: Jürgen Rösemeier