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Die Schönheit der Natur auf Mallorca © SOMATUSCANI - Fotolia.com
Sanfter Urlaub

Umweltbewusst auf den Seychellen & Mallorca Urlaub machen: Ökotourismus & seine Herausforderungen

Urlaub auf den Kanaren, Seychellen oder auf Mallorca soll nicht mehr nur erholen, sondern auch gut für die Umwelt sein. Ökotourismus oder sanfter Tourismus sind im Trend und sind gut für Mensch & Natur.

Der ökologische Gedanke geht um die Welt: Während noch vor rund 30 Jahren der „Massen-tourismus“ boomte und die beliebtesten Urlaubsorte unter Hotelburgen und Tourimeilen nahezu begraben wurden, haben die Diskussionen um steigende CO2-Emissionen mittlerweile ein globales Bewusstsein geschaffen, welches den internationalen Tourismus als einen der Hauptverursacher des Klimawandels begreift. Ergebnis dieses wachsenden Problembewusstseins ist ein neues Tourismus-Konzept, das explizit den Bedürfnissen ökologischer Nachhaltigkeit angepasst ist. Darüber hinaus  beinhaltet es eine Form des Umweltschutzes, nach welcher die Anwesenheit der Urlauber den jeweiligen Naturraum nicht verändern, geschweige denn schädigen soll. Vorreiter der Idee von einem nicht invasiven, nachhaltigen Tourismus-Konzept sind die USA, wo es bereits in den 1960er Jahren entsprechende Projekte gegeben hat.

Während sich die Idee von einem „sanften“ oder „grünen“ Tourismus in den meisten Ländern zunächst nur zentralisiert durchsetzte, hat sie sich in den letzten zwei Jahrzehnten außerdem das global zertifizierte Konzept des „Ökologischen Tourismus“ entwickelt. Die 1990 gegründete „International Ecotourism Society“ (kurz: TIES) beschreibt den „Ökotourismus“ dabei als "responsible travel to natural areas that conserves the environment and improves the well-being of local people."

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Die Schönheit der Seychellen © pavlinec/iStock/Thinkstock

Die Schönheit der Seychellen © pavlinec/iStock/Thinkstock

Das Problem der Definition: Was genau ist 'Ökotourismus'?

Der Ökologische Tourismus versteht sich als der Versuch, Ökologie und Tourismus auf internationaler Ebene dauerhaft in Einklang zu bringen. Dabei geht es nicht nur um den Schutz der jeweiligen Naturgebiete, sondern speziell auch um das Wohlergehen der ortsansässigen Bevölkerung. Nach dem Bundesamt für Naturschutz handelt es sich um eine Weiterentwicklung der Idee eines umweltfreundlichen Tourismus, was jedoch nicht selten mit dem sog. „Naturtourismus“ verwechselt wird. Im Gegensatz zum Konzept des „Ökologischen Tourismus“ handelt es beim „Naturtourismus“ jedoch nicht um eine umweltfreundliche und nachhaltige Tourismus-Handhabung, sondern um eine spezielle Tourismus-Sparte, die auf Reisen in „naturnahe“ oder gar geschützte Gebiete spezialisiert ist.

Von der Definition zur Umsetzung: Was den 'grünen Tourismus' auszeichnet

Seit einigen Jahren steigt die Nachfrage nach ökologisch verträglichen Reisemöglichkeiten kontinuierlich an, sodass sich mittlerweile sowohl die Reiseanbieter, als auch diejenigen, die vor Ort vom Tourismusgewerbe leben, nach und nach den veränderten Bedingungen anpassen. Dies beinhaltet u.a., dass vor allem handwerkliche Arbeiten wie beispielsweise die thermische Sanierung von Hotelanlagen von ortsansässigen Firmen ausgeführt werden, damit die Gelder im eigenen Land verbleiben; darüber hinaus darf die Infrastruktur im Urlaubsland nicht „blind“ für den Tourismus erweitert werden. Das Verhalten der Touristen selbst ist im Idealfall der jeweiligen Landeskultur und ihren Bedingungen angepasst

Damit eine (Urlaubs)reise als ökologisch nachhaltig eingestuft werden kann, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Die An- und Abreise sollte möglichst umweltverträglich sein, d.h. auf längere Flugreisen sollte nach Möglichkeit verzichtet werden.
  • Vor Ort sollte auf „sanfte“, d.h. nicht motorisierte Mobilität gesetzt werden.
  • Die gewählten Freizeitangebote sollten die natürlichen Ressourcen nicht belasten, d.h. sie sollten u.a. auf keinen Fall in geschützten Gebieten stattfinden.
  • Die gewählte Unterkunft sollte nach ökologischen Maßstäben errichtet sein, was bestenfalls durch das sog. „Europäische Umweltzeichen“ gekennzeichnet ist.

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Ein Drachenbaum auf den Kanaren © Karol Kozlowski/iStock/Thinkstock

Ein Drachenbaum auf den Kanaren © Karol Kozlowski/iStock/Thinkstock

'Grün' auf die Insel: Die Gewinner in Sachen „Ökotourismus“

Vom Boom des ökologisch nachhaltigen Tourismus profitieren zwar alle, doch besonders gut ergeht es den kleineren Urlaubsländern und allen voran den jeweiligen Inseln. Aufgrund ihrer unabhängigen und geschlossenen Ökosysteme stellen Schädigungen des Naturraums bzw. überproportionale Bebauung auf Inseln ein besonderes Problem dar; zudem finden sich gerade in insularen Räumen häufig einzigartige Landschaften und eine besondere Artenvielfalt, welche die Touristen nicht selten dazu verlocken, die erlaubten Pfade zu verlassen und tiefer in geschützte Naturgebiete vorzudringen. Aus diesem Grunde sind die Regierungen vieler beliebter Urlaubsinseln dankbare Verfechter des neuen Konzepts und wenden erhebliche Mühen auf, damit ihre Inseln 'grün' werden und 'grün' bleiben.

Da in Bezug auf die An- und Abreise bei insularen Urlaubszielen meistens nicht auf eine Flugreise verzichtet werden kann, ist den Regierungen in besonderem Maße daran gelegen, den Aufenthalt der Touristen auf der Insel selbst ökologisch möglichst nachhaltig zu gestalten. Besonders interessant ist hier die Tatsache, dass die beliebtesten Inseln in der Regel auch die 'grünsten' sind.

„Ökotourismus“ auf den Seychellen

Die Seychellen gelten international als Vorbild in Sachen Ökotourismus. Von den insgesamt 115 Inseln sind nur 21 tatsächlich bewohnt und 17 werden touristisch genutzt; insgesamt stehen mehr als 60% des afrikanischen Inselstaates unter Naturschutz. Mit dem Vallée de Mai und dem Aldabra-Atoll befinden sich auf den Seychellen sogar zwei Stätten des UNESCO Weltkulturerbes. In den letzten Jahrzehnten sind hier spezielle Bauvorschriften und entsprechende Auflagen für die Wasserver- und entsorgung erlassen worden, um die Ressourcen und Naturschönheiten der Inselwelt zu bewahren. So ist das Aldabra-Atoll, welches nicht nur zum Weltkulturerbe zählt, sondern seit 1976 auch als Naturreservat ausgewiesen ist, beispielsweise nur für Wissenschaftler und eine sehr geringe Anzahl von Touristen zugänglich, die während ihres Aufenthaltes hier strikte Verhaltensregeln zu befolgen haben.

Sóller auf Mallorca - unberührt und schön © Veronika Galkina - Fotolia.com

Sóller auf Mallorca - unberührt und schön © Veronika Galkina - Fotolia.com

„Ökotourismus“ auf Mallorca

Auch in Spanien hat der Kampf für das ökologische Bewusstsein mittlerweile Tradition: Die Umweltschutzvereinigung "Grup Balear D'Ornitologia i Defense de la Naturalesa" setzt sich bereits seit Mitte der 70er Jahre für den Schutz der balearischen Inselwelt ein. Vorreiter der Baleareninseln in Sachen 'grüner Tourismus' ist Mallorca, die als größte der Inselgruppe auch den größten Schaden durch den Massentourismus seit Beginn der 1960er Jahre davongetragen hat:

Durch den jahrzehntelang ausschließlich auf Billigangebote ausgerichteten Tourismus auf der Insel hat eine Landschaftszerstörung stattgefunden, die in der entsprechenden Fachliteratur als „Balearisierung“ bezeichnet wird. Aus diesem Grund hat man auf Mallorca, wo immerhin rund 80% des Bruttoinlandsproduktes aus dem Tourismusgewerbe stammen, schon recht früh umgedacht und entsprechende Maßnahmen eingeleitet:

  • Anstelle von möglichst schnell und möglichst günstig konzipierten Hotelketten setzt man zunehmend auf umweltgerechte Bauweisen und die Nutzung erneuerbarer Energien.
  • Im Jahre 2007 wurde der Baustopp für verschiedene milliardenschwere Projekte verhängt, um eine weitere Zerstörung der Landschaft zu verhindern. Entsprechende Gebiete dürfen nicht mehr an ausländische Investoren verkauft werden.
  • Rund 40% der Gesamtfläche der Insel sind seit 2004 als Naturpark ausgewiesen; besondere Aufmerksamkeit und Pflege gilt dabei den insgesamt 41 Feuchtgebieten der Insel, die wichtiger Bestandteil des ökologischen Systems sind und sich nach einer Beschädigung im Gegensatz zu anderen Naturgebieten nicht wieder regenerieren können.
  • Erkundungstouren durch naturnahe Gebiete dürfen nur unter professioneller Leitung und unter Einsatz von Reittieren vorgenommen werden.
  • Der Handel mit Produkten tierischer und pflanzlicher Herkunft unterliegt zum Schutz der einzigartigen mallorquinischen Flora und Fauna mit über 1.500 verschiedenen Arten strengen Richtlinien.

„Ökotourismus“ auf den Kanarischen Inseln

Ebenfalls in Spanien gelegen ist mit den Kanarischen Inseln ein weiterer Vorreiter in Sachen Ökologischer Tourismus: Nachdem die „Kanarische Agentur für Nachhaltige Entwicklung und Klimawandel“ im Jahre 2011 eine Studie über den Zusammenhang zwischen steigenden CO2-Emissionen und den ungewöhnlich hohen Temperaturen während des Winters im Vorjahr veröffentlicht hatte, ist ein Energieplan ausgearbeitet worden, der sich vor allem darauf gründet, die Energieeffizienz zu gewährleisten und zu unterstützen.