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Food Fighter Michael Schieferstein über regionale und saisonale Lebensmittel
Die Erdbeere

Die Erdbeere: Warum regional und saisonal die beste Wahl ist

Wer mag sie nicht, die lecker-fruchtigen Erdbeeren. Gerade jetzt haben sie Saison und zu Recht ist das rote Früchtchen bei uns Deutschen beliebt. Erdbeeren sind einfach was Wunderbares und das beste Beispiel für Lebensmittel aus der Region und zur richtigen Zeit. Wirklich? Denkste!

Deutschland hat tausende von Hektar an Erdbeerfeldern, in jedem Haushalt werden Jahr für Jahr so um die vier Kilo des zweitliebsten Obstes der Deutschen verspeist. Erdbeeren sind ein tolles Beispiel für regionale und saisonal erhältliche Lebensmittel. Denkste, kann ich da nur sagen! Okay, die Früchte kommen in der Zeit von Ende Mai bis Juli, späte Sorten vielleicht noch im August oftmals tatsächlich vom deutschen Acker. Doch, nehmen wir mal dieses miese Frühjahr: Wer hat denn die letzten vier Wochen geglaubt, dass die bereits erhältlichen Erdbeeren, auf denen sogar ‚aus Deutschland‘ drauf stand auch wirklich aus Deutschland stammen?! Die Erklärung ist einfach, denn das mit der Herkunftsbezeichnung sehen die Produzenten oder Großhändler nicht allzu eng, wie uns die Europatournee von Pferdefleisch nur allzu deutlich gezeigt hat. So werden auch schnell mal Erdbeeren aus Holland oder Belgien umetikettiert.

Der Deutsche und seine Essensgewohnheiten

Auch ein Koch geht mal essen. Sehr gerne sogar. Doch was ich da oft auf den deutschen Speisekarten lese, lässt mir die Nackenhaare zu Berge stehen! Zwar wird dem Verbraucher gerne die Schuld in die Schuhe geschoben, dass er sein Konsumverhalten ändern muss, um die Lebensmittelproduktion nachhaltiger zu machen. Leider machen es aber meine Kollegen gerne vor, die Sache mit der ganzjährigen Verfügbarkeit von eigentlich regionalen Lebensmitteln. Das ganze Jahr über frisches Obst und Gemüse zu bekommen – nicht nur Erdbeeren - und das auch noch in Bio-Qualität? Da sollte man sich doch einmal Gedanken machen wo die angeblich "frischen" Sachen wirklich herkommen. Wer nicht auf die Saison warten kann, der kauft sich importierte Früchte. Diese sind immer und überall erhältlich. Doch welche Geschichte steckt hinter den importierten Erdbeeren? Es ist lohnend, sich einmal darüber Gedanken zu machen. In erster Linie schaden wir damit uns selbst und natürlich auch unserer Umwelt.

Das fängt damit an, dass Erdbeeren in bestimmten Ländern einen hohen Bedarf an Pestiziden haben, da sie anfällig für Pilzbefall sind. Diese Gifte gelangen auch ins Grundwasser. Viele Felder werden kurz hintereinander immer wieder mit Erdbeeren bepflanzt, so dass die Natur keine Regenerationszeit erhält. Dabei weiß doch jeder Hobbygärtner, dass die Erdbeeren alle paar Jahre in ein neues Beet sollen.

Die importierten Erdbeeren kommen meist aus Afrika oder Südeuropa. Aber auch aus dem weit entfernten Neuseeland werden Erdbeeren eingeflogen. Und die tiefgefrorenen im Winter? Die kommen aus China… Mehr als 30.000 Tonnen. Jahr für Jahr. Was ein Irrsinn, oder?!  Die chinesischen Erdbeeren haben übrigens letzten Herbst eine schöne Grippewelle ausgelöst, wie ich in den Nachrichten gehört habe. Hatte wohl einer `nen dicken Schnupfen in der lässig geführten Fabrik…

Die importierten Früchte haben meistens sehr lange Transportwege hinter sich wobei alles schnell gehen muss, um Druckstellen der empfindlichen Ware zu vermeiden. Nicht nur der Transport ist für die Umwelt schädlich. Auch der enorme Wasserbedarf an oftmals ungeeigneten Anbauflächen. Hier sollten wir alle ein Umdenken an den Tag legen, das letztlich auch unseren Familien und der Umwelt zugutekommt. Denn Erdbeeren sind da ja nicht alleine. Die Mango aus Peru, der Spargel aus China, die Himbeeren aus Chile, undsoweiter. Mal ganz abgesehen vom Geschmack… Denn wer mal genau ‚hinschmeckt‘ bei dem importierten Zeug wird feststellen, dass die frisch gepflückten, heimischen Früchte doch viel besser sind!

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Warum wir Erdbeeren saisonal kaufen sollten

Abgesehen von der Umetikettierung am Anfang der Saison sind dann wirklich deutsche Erdbeeren ein tolles Beispiel für exzellente regionale wie saisonale Lebensmittel ‚Made in Germany‘. Sie haben kaum oder sehr kurze Transportwege hinter sich, deshalb können sie reifer geerntet werden, sind aromatischer und nicht oder wenig  mit Pestiziden belastet.

Food Fighter Michael Schieferstein zu regionalen und saisonalen Lebensmitteln

"Erdbeeren sind einfach was Tolles: Zur richtigen Zeit und am besten aus der Region", sagt Food Fighter Michael Schieferstein. © Thinkstock

Wer ganz sicher gehen will kann auch Bio-Erdbeeren kaufen aber aus Erfahrung weiß ich, dass der Bauer um die Ecke meistens auch ohne Bio-Siegel  seine Erdbeeren nachhaltig anbaut. Kein Wunder, denn der deutsche Erdbeerbauer arbeitet mit erhöhten Beeten und benutzt oft Stroh, sodass die Früchte ideale Bedingungen haben und gar keine Chemie benötigen.

Mein Tipp: Mal rausfahren zu den Anbietern von Erdbeeren zum Selbstpflücken! Das ist preiswert, so frisch wie nirgends sonst und Spaß macht es auch noch! 

Erdbeeren und die Haltbarkeit

Erdbeeren sind sehr druckempfindlich und werden in der Verpackung schnell matschig und schimmeln. Besonders wenn sie in den kleinen Plastikkörbchen verkauft werden. Essen Sie die Früchte deshalb möglichst an dem Tag, an dem Sie sie gekauft haben. Wichtig: Lagern Sie die Beeren nicht in der Packung, sondern bei Zimmertemperatur lose auf einem flachen Teller. Angefaulte Früchte sollten gleich aussortiert werden damit die anderen nicht auch befallen werden. Denn das passiert schnell. Angedatsche Erdbeeren kann man übrigens noch gut für einen Joghurt, das Frühstücksmüsli oder mit anderem Obst im selbstgemachten Smoothie verwenden. Wer Sie dennoch kalt mag sollte darauf achten das sich Erdbeeren nicht länger als zwei Tage im Kühlschrank lagern. Der Feinschmecker oder auch Profi wird trotzdem auf die Lagerung im Kühlschrank verzichten. Denn je länger die Früchte kühl stehen, desto mehr Geschmack verlieren sie.

Absolut Wichtig!!!!!!! Die Erdbeeren  immer erst kurz vor  dem Verzehr waschen und putzen, da sie sonst an Geschmack einbüßen. Das Grün der Erdbeere sollte erst nach dem Waschen entfernen werden da das Wasser sonst in die Erdbeere eindringen kann und den Geschmack verwässern würde. Apropos waschen: Nicht unter einem harter Wasserstrahl abwaschen, denn das ist Gift für den typischen Erdbeer-Geschmack. Legen sie stattdessen die Erdbeeren zum Waschen in ein Sieb und tauchen Sie die Erdbeeren mehrmals Kurz in ein mit Kaltem Wasser gefülltes Gefäß oder Wanne. Die gewaschenen Beeren anschließend gut abtropfen lassen. Gerne auch auf ein Blech mit Küchenrolle legen dann trocknen sie schneller.

Tipp für nach der Erdbeer-Saison

Um Weltreisen der süßen Früchtchen zu vermeiden, warum nicht für nach der Saison die frisch gepflückten, heimischen Erdbeeren selbst einfrieren? Dann kann man auch sicher sein, dass die Früchte in der Triefkühltheke nicht aus China angereist sind. Jetzt kaufen, auf ein Blech legen, damit vier oder fünf Stunden einfrieren und anschließend in Beutel füllen. Das Ganze hält dann locker zehn Monate, eben bis zur nächsten Saison, wenn die leckeren Früchtchen wieder bei uns um die Ecke wachsen. Ach übrigens, noch was zur TK-Ware: Ein Herkunftsland muss da gar nicht auf der Packung angegeben werden… Regional, saisonal und vor allem frisch ist halt einfach die bessere – und klügere – Wahl. In diesem Sinne: Eine schöne Erdbeerzeit!