School for life

Helfen mit Verstand

Vielleicht haben Sie schon einmal von der Rose von Jericho gehört. Diese Wüstenrose rollt sich am Ende ihrer Wachstumsphase ein und entfaltet sich wieder bei einer geringen Wasserzufuhr. Die braunen Äste färben sich dann dunkeloliv und diese Wiederbelebung kann unbegrenzt durchgeführt werden. Allerdings zeigt sie uns nur ihre Pracht, wenn sie keine zu hohen Mengen an Feuchtigkeit erhält. Diese sensible Pflanze erwacht also nur zu neuem Leben, wenn sie mit Verstand gehegt und gepflegt wird.

Wenn ich den Kindern der School for Life in Thailand begegne, muss ich oft an die zarte Wüstenrose denken. Die Kinder haben eine schwere Zeit hinter sich, wurden misshandelt, haben ihre Eltern verloren und kämpften schutzlos um ihr Dasein. Es ist oft ein langer Prozess, bis diese Kleinen wieder Vertrauen in ihr Leben und ihre Zukunft gefunden haben. Nur durch intensive und wohl dosierte Fürsorge begegnen sie im Laufe der Zeit den Menschen wieder mit Vertrauen und blühen im Herzen auf wie die Wüstenrose.

Ein verwaistes Kind in Thailand ©iStockphotos

Helfen zu können ist etwas Wunderbares, ein Geschenk des Himmels. Wer hilft, gibt der Welt etwas von sich und teilt mit den Hilfsbedürftigen ein Teil von Glück und Menschlichkeit. Teilen ist die Weitergabe von Dingen, die uns das Leben geschenkt hat. Eine alte chinesische Weisheit formuliert es so: „Das ist es, was der Himmel wünscht: Wer Kraft hat, soll anderen helfen, wer Weisheit besitzt, andere lehren, wer Reichtum erwirbt, ihn mit anderen teilen.“ In diesem Satz steckt enorm viel Spirit. Helfen bedeutet, das was wir erworben haben, auch Anderen zu Gute kommen zu lassen. Das kann das Zuhören sein, sich einem einsamen Menschen zuwenden und ihm sein Ohr leihen. Das kann ebenso bedeuten, einen Sterbenden bei seinen letzten Stunden zu begleiten, einem kranken Kind das Leiden zu erleichtern oder einer Kollegin Mut zusprechen, die in einer Lebenskrise steckt. Helfen kann im Kleinen beginnen und große Wurzeln der Liebe im Leben schlagen.

Helfen darf nicht abhängig machen

Helfen bedeutet jedoch auch Verantwortung übernehmen. Abraham Lincoln hat einmal gesagt: “Man hilft den Menschen nicht, indem man für sie tut, was sie selbst tun können.“

Wichtig ist, dass Helfen den Menschen fördert, ihm die Möglichkeit gibt, durch die Hilfe sein Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Und in diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal die School for Life erwähnen, die dies meiner Meinung nach vorbildlich durchführt. Die Kinder erhalten nicht nur Unterkunft, Betreuung und Essen, sondern werden auf die Führung eines eigenständigen Lebens vorbereitet, indem sie eine qualifizierte Bildung erhalten. So ist die Hilfe darauf ausgerichtet, dass sie den Hilfsbedürftigen ein autonomes Leben in der Zukunft ermöglicht.

Helfen mit Verstand zum Beispiel beim Projekt School for Life

Helfen mit Verstand zum Beispiel beim Projekt School for Life ©iStockphotos thinkstock

Sie kennen vielleicht den TV-Spot, in dem ein übereifriger Mann eine alte gebrechliche Dame am Arm packt und über die viel befahrene Straße führt. Doch die Dame wollte gar nicht auf die andere Seite und steht nun hilflos dort und wurde Opfer einer falsch interpretierten Hilfe. Es ist beim Helfen ganz wichtig, die Bedürfnisse und die Situation im Auge zu behalten, in der man Gutes tun will. Gerade im Umgang mit älteren Menschen, aber auch mit Kindern ist es von großer Bedeutung, nicht deren Selbständigkeit einzuschränken, in dem man ihnen ALLES abnimmt und sie dadurch weltfremd werden lässt. Helfen bedeutet in meinen Augen die Individualität zu berücksichtigen und Menschen nicht abhängig werden zu lassen von der sicherlich gut gemeinten Leistung, die man ihnen entgegenbringt. Deshalb ist es lebensnotwendig, dass auch die Armen in der Dritten Welt die Chance erhalten, sich mit Spendengeldern und Hilfen eine eigene Existenz aufbauen. Bildung, Wissen, Unterstützung bei Land- und Ackerbau sind ebenso wichtig wie Zuwendung und Lebensmittel. Helfen mit Verstand bedeutet für mich deshalb, Lebensgrundlagen schaffen mit dem Ziel in Freiheit, Gesundheit, Frieden und Zufriedenheit leben zu können.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen friedlichen Advent.

Bild: ©iStockphotos/thinkstock

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