Selbstbestimmung

Schulbildung für den Frieden

Als ich den Unesco-Weltbildungsbericht 2012 gelesen habe, war ich mehr als erschüttert und ich denke, es wird jedem, der Kinder und Jugendliche liebt, ebenso ergehen: Jeder achte Jugendliche weltweit ist arbeitslos, über ein Viertel aller Jugendlichen üben eine Arbeit aus, die sie an oder unter der Armutsgrenze existieren lässt. 250 Millionen Kinder im Grundschulalter können weder schreiben noch lesen und 71 Millionen Teenager dürfen keine Sekundarschule besuchen.

Diese jungen Menschen haben somit kaum eine Chance, im Erwachsenenalter über eine Bildung zu verfügen, die ihnen die Möglichkeit gibt, ein Leben oberhalb des Existenzminimums zu führen. Katastrophale Zustände also, die das soziale Gleichgewicht in vielen Ländern aus den Angeln heben. Die Folgen sind Armut, Unzufriedenheit und ein Leben ohne Perspektiven.

Die Unesco hat errechnet, dass die Weltgemeinschaft jährlich 16 Milliarden US Dollar aufbringen müsste, damit jedem Kind auf dieser Erde bis zum Jahr 2015 eine Schulbildung angeboten werden kann. Sicherlich eine immense Summe, doch ein Peanuts im Vergleich zu den weltweiten Ausgaben für Rüstungsgüter. Diese liegen nämlich laut dem Friedensforschungsinstitut Sipri bei rund 1,74 Billionen Dollar.

Bildung ist Medizin für den Geist

Bildung ist nicht nur die Basis für eine Berufsqualifikation. Bildung erweitert den Horizont, ermöglicht es, globale Zusammenhänge zu erfassen, politische Entscheidungen ebenso zu verstehen wie die Notwendigkeiten eines sozialverträglichen Lebens. Wer permanent um die eigene Existenz kämpfen muss und keine Chance hat, sich im Leben etwas aufzubauen, wird unzufrieden, will mit ganzer Kraft aus seinem Dasein ausbrechen und ist somit auch anfällig für extreme Veränderungen wie Revolutionen und Regierungsumstürze.

Armut und Perspektivlosigkeit belasten Körper und Seele. Bildung ist Medizin für den Geist und der Garant für ein Leben in Eigenverantwortung. Es sollte deshalb Pflicht der internationalen Gemeinschaft sein, alles Menschenmögliche dafür zu tun, dass Kinder und Jugendliche eine schulische Ausbildung absolvieren können.

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Schulausbilding für Kinder

iStockphoto/Thinkstock

Schulausbildung für alle Kinder dieser Erde

Bei meiner unterstützenden Tätigkeit für die School for Life darf ich hautnah miterleben, wie Bildung tiefste seelische Verletzungen zumindest teilweise heilen kann. Es handelt sich dabei um ein international gefördertes Projekt in Thailand, bei dem Kinder aus schwierigsten Verhältnissen betreut und gefördert werden. Sie erhalten eine Existenzsicherung und eine entsprechende Bildung. Eine wundervolle Einrichtung, die den Waisen eine neue Lebensperspektive gibt und ihnen Werte vermittelt. So haben sie später die Chance, ein menschenwürdiges Leben führen zu können.

Und ich wünsche mir dies für alle Kinder dieser Erde. Wer sich im Leben etwas aufgebaut hat und weiß, wie wichtig der Frieden für die Welt ist, kämpft für Gerechtigkeit, Humanität und übernimmt soziale Verantwortung. Wer heute nicht weiß, wie er morgen satt werden kann, ist eher manipulierbar für Kriegstreiber, die Essen und sozialen Wandel versprechen, was sie dann meist nicht halten können und ganze Regionen ins Unglück stürzen. Sozialer Frieden sorgt für Stabilität und Bildung ist die Grundlage für ganzheitliches Denken. Kindern und Jugendlichen eine ausreichende Bildung zu ermöglichen ist nicht nur ein Akt der Nächstenliebe, sondern eine Notwendigkeit für eine friedlichen Welt