Was wir von Kindern lernen können
Familie

Was wir von Kindern lernen können...

Kennen Sie das Märchen „Der alte Großvater und der Enkel“ von den Brüder Grimm? Darin lässt ein Elternpaar den Großvater auf dem Fußboden in einer Ecke sein spärliches Essen aus einer Holzschale zu sich nehmen, weil er bei Tisch kleckert.

Von unseren Kindern können wir viel lernen ©Pixland thinkstockphotos.com

Der kleine Enkel sammelt eines Tages Holzbretter und sein Vater fragt ihn, was er damit anstellen wolle. Der vierjährige Junge antwortet: „Ich mache ein Töpflein, daraus sollen Vater und Mutter essen, wenn ich groß bin.“ Daraufhin weinten die Eltern und holten den Großvater zurück an den Tisch.

Die rührende und tief traurige Geschichte macht mir zwei Dinge deutlich: Kinder sehen das Leben mit ganz anderen Augen wie wir Erwachsene. Sie ahnen nichts Böses und sind noch rein im Gedanken. Und sie suchen sich Vorbilder, ahmen nach, was Eltern, Verwandte und Bekannte ihnen vorleben, weil sie vertrauen, dass das, was die Erwachsenen ihnen zeigen, richtig ist. Erst als der Junge im Märchen den Eltern die Augen geöffnet hat, handeln sie mit dem Herzen. „Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen“, schrieb einst Augustinus Aurelius. Wir Erwachsene haben deshalb Kindern gegenüber eine große Verantwortung. Ihr Verhalten spiegelt unsere Taten, Worte und Ideale. Ohne Vorurteile begegnen die Kleinen den Erwachsenen und öffnen ihnen ihr Herz. Ohne Hintergedanken und Kalkül. Wie schön wäre es, wenn wir uns diese Eigenschaften bewahren könnten. Doch das Leben verändert uns und vertreibt kindliches Vertrauen und reines, vorurteilsfreies Denken.

Unsere Aufgabe muss es deshalb sein, von Kindern zu lernen und ihnen bei Seite zu stehen.

Albert Einstein hat einmal gesagt: „Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt.“

Das Lachen eines Kindes ist wie das Blühen einer Blume...

Wie  Sie vielleicht wissen, engagiere ich mich unter anderem für den Berliner Verein „Kinderschutzengel e.V.“, der schwerkranke Kinder unterstützt. Oft muss den betroffenen Eltern mehr Trost zu gesprochen werden, als den leidenden Kindern, die ihr Schicksal annehmen, nicht jammern, sondern einfach nur vertrauen, dass alles gut wird. Wie auch immer die Krankheit, die sie quält, verlaufen wird. Dieses Hinnehmen, das Akzeptieren des Karmas, ohne die Schuld bei anderen zu suchen, ist ein Geschenk, das uns die Kinder vermitteln. Jedes Lachen eines Kindes ist wie das Blühen einer Blume und wahres Glück bedeutet, ein fröhliches unbeschwertes Kind in den Armen halten zu dürfen. Themen wie Kinderarmut, Missbrauch, Bildungsmisere und Gewalt in Familien gehen uns alle an. Wir dürfen nicht wegschauen, denn Kinder brauchen unsere Hilfe, auch wenn sie uns gar nicht darum bitten.

Die Kinder von heute sind die Gesellschaft von Morgen. Wir Erwachsene sind in vielen Jahren die Generation, die als alte Menschen mit den Kindern von heute lebt. Begegnen wir Kindern mit Liebe, vermitteln wir ihnen die Werte, die sie uns eines Tages zurückgeben werden. Eine Gesellschaft, die verantwortungsvoll mit Kindern umgeht, schafft damit die Grundlage für eine soziale Zukunft. „Wenn wir wahren Frieden in der Welt erlangen wollen, müssen wir bei den Kindern anfangen“, forderte Mahatma Gandhi. Und dies gilt weltweit. Ich habe bereits in meinen vorherigen Kolumnen immer wieder auf das Projekt „School for Life“ in Thailand hingewiesen, für das ich Patin sein darf. Kinder aus ärmsten Verhältnissen erhalten dort Unterkunft, Verpflegung, liebevolle Betreuung und Bildung. Diese Kinder werden einst das Leben in ihrem Heimatland mitprägen und ihre Erfahrungen aus der Kindheit in das Leben als Erwachsener einfließen lassen. Kinder vergessen nie und die Kindheit ist die Basis des Lebens. Seelische Verletzungen in jungen Jahren begleiten sie bis ins Erwachsenenalter. Wundervolle Erlebnisse prägen die Kinder und machen sie zu starken mitfühlenden Persönlichkeiten.

Lassen Sie uns gute Vorbilder sein für unsere Kinder, damit wir nicht eines Tages ein Töpflein aus Holz erhalten, aus dem wir einsam und ohne Liebe unsere spärliche Mahlzeit löffeln müssen.

Bild: ©Pixland/thinkstock

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