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Handwerk: Traditionsberufe neu entdeckt
Ein Hoch auf das Handwerk

Ein Hoch auf das gute Handwerk. Wie es die Geschichte prägte

Bäcker, Metzger, Schreiner, Schmied – diese und viele weitere alte Handwerksberufe prägten über Jahrhunderte unsere gesellschaftliche Entwicklung. Ihre Leistungen waren essentiell für das was wir heute sind und haben. Doch viele sind durch die Industrialisierung in den Hintergrund gerückt worden. Doch, der Konsument besinnt sich zurück und so manches Handwerk lebt wieder auf. Ein Loblied auf das gute alte Handwerk.

„Unser täglich Brot gib‘ uns heut‘“, eine essentielle Tatsache, die in das bekannteste Gebet der Christenheit Einzug hielt. Zu Recht, ist doch das Brot seit hunderten, wenn nicht tausenden von Jahren ein Grundnahrungsmittel für Millionen von Menschen gewesen. Und es ist es noch. Doch, leider, verschwand über die letzten Jahrzehnte ein Bäcker  nach dem anderen. Zum einen, weil die Arbeitszeiten nicht gerade die Wünschenswerten waren und sind, zum anderen, weil die Backstraßen der Industrie auch preislich dem kleinen Bäcker um die Ecke in ebensolche drängte. Aber: Immer mehr Konsumenten werden kritischer und suchen nach dem Brot das schmeckt, das wertvolles Korn in individuellen Rezepturen verarbeitet. Brot, das dem Einheitsgeschmack den Kampf ansagt, das haltbar ist und nicht am zweiten Tag fast ungenießbar ist. Wer sich auf die Suche macht, wird wahre Geschmackserlebnisse (wieder-) entdecken. Doch nicht nur das Bäckerhandwerk prägte Vieles. Auch so manch anderer alter Handwerksberuf.

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Saftig, frisch und mit Respekt: Das gute Stück Fleisch vom Traditions-Metzger

Neben dem Bäcker, so ist auch der Metzger ein alter, sehr wichtiger Handwerksberuf. Früher war der Metzger hoch angesehen, war er doch einer der wenigen, der jenes Produkt, dem früher sehr viel Hochachtung entgegengebracht wurde, dessen Preis für viele nahezu unerschwinglich war. Doch, Zeiten ändern sich. Neulich beim Einkauf sagte eine Kundin in der Metzgerei: „Oh, Sie haben aber wenig Auswahl.“ Die Chefin schluckte, sagte aber nichts, zu ihrer vermeintlich geringen Auswahl der täglich handgefertigten Spezialitäten. Die rein handwerklich hergestellten Wurst- und Fleischwaren kommen bei ihr ohne E-Nummern-Inhalte oder sonstige Zusätze aus, das Fleisch ist rein aus regionaler Herkunft. Wie bei vielen, der leider weniger werdenden Metzger. Warum eigentlich weniger, wenn der Konsum doch steigt? Ganz einfach: Die Supermärkte haben mit ihren industriell gefertigten Produkten den Markt fast komplett übernommen.

Handwerk: Traditionsberufe neu entdeckt

Feines Metzgerhandwerk. Zu Unrecht ist es in den Verruf gekommen durch Gammelfleisch und Co. Denn dieses sucht man beim Traditionsmetzger, jenseits der Fleisch- und Wurstfabriken vergebens. © Thomas Francois - Fotolia.com

Doch warum eigentlich? Warum geht der Konsument eigentlich an die Fleisch- und Wursttheke im Supermarkt, greift in Zeiten so mancher Skandale in den Tiefkühltheken zu Fertigprodukten mit minderwertigem oder gar falsch deklariertem Inhalt? Zumal, geht es nach dem FoodFighter Michael Schieferstein, dieses Konsumverhalten für eine massive Überproduktion sorgt, die so nicht sein müsste. Der Metzger um die Ecke muss übrigens und spätestens seit dem BSE-Skandal einen Herkunftsnachweis über seine Fleischwaren öffentlich aushängen. So kommt es bei einigen kritischen Verbrauchern zur Rückbesinnung und der neuerlichen Wertschätzung der Produkte vom traditionellen Metzger.

Handwerk: Traditionsberufe neu entdeckt

Käse brauchte nicht viele Zutaten. Gute Milch und eine saubere Verarbeitung sind dessen ursprüngliche Basis. © Antonio Gravante  – Fotolia.com

Alles Käse oder in der Ruhe liegt die Kraft

Glückliche Kühe, die auf saftigen Weiden grasen und ohne Kraftfutter auskommen geben der guten Milch ein einzigartiges Aroma. Dieses wertvolle Lebensmittel wird seit Urzeiten von wahren Könnern in Käsereien zu richtigen Gaumengenüssen verarbeitet. Ein Beispiel: Der derzeitige Weltmeisterkäse kommt aus dem Vorarlberg, wurde mit nichts außer Salzlake behandelt und hatte Zeit, um in sage und schreibe drei Jahren aus der gehaltvollen Almmilch sein Aroma zu entfalten. In Zeiten, in denen die Zeit sprichwörtliche rast eine Seltenheit. Aber, auch dank der Slow Food-Bewegung und der steigenden Zahl jener, die man heute 'Genießer' nennt, kein allzu exotisches Produkt mehr.

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Handwerk: Traditionsberufe neu entdeckt

Das Schreinerhandwerk - nahezu so alt wie die Menschheit und spätestens für das Mobiliar der ersten menschlichen Behausungen essentiell. © tiero  – Fotolia.com

Wo gehobelt wird, da…

Der Tischler oder Schreiner schuf schon vor Jahrtausenden die essentiellsten Inneneinrichtungsgegenstände. Tisch, Stuhl oder Truhen waren die ersten Möbelstücke, die der Schreiner fertigte. Das lateinische Wort mobilis bedeutet übersetzt so viel wie 'beweglich'.

Das Traditionshandwerk der Schreinerei durchwanderte viele Epochen, prägte diese neben der Baukunst. Lange Zeit durch eine meist günstigere industrielle Produktion verdrängt, entdecken Konsumenten heute wieder die individuell gefertigten, einmaligen Produkte eines alten Handwerkzweigs. Maßgefertigt, aus langlebigem Massivholz, funktional und einfach schön anzuschauen sind die Produkte dieser alten Handwerkszunft, die immer mehr Anhänger findet. Dem Do-it-yourself-Trend sei Dank greift so mancher Hobby-Schreiner heute zudem gerne selbst zum Werkzeug und fertigt sich (wieder) seine eigenen Möbelstücke an. Auch aus Gesundheits- und Umweltgründen.

Die Schmiede: Formschön und langlebig

Der Schmied revolutionierte Vieles. Einer der ältesten Handwerksberufe der Menschheit sorgte dafür, dass wir nicht mehr mit einem einfachen Stein mühselig unser Tagwerk verrichteten, sondern mit massiven, im Feuer und mit viel Kraft hergestellten Metallwerkzeugen. Zwar stellte er auch Waffen her, doch die Auswirkungen seines Tuns auf den Alltag der Menschheit, auf deren Entwicklung waren und sind enorm. Und nicht viel hat sich an dieser alten Kunst seit der Eisenzeit vor nahezu 3.000 Jahren geändert.

Handwerk: Traditionsberufe neu entdeckt

Einer der ältesten Handwerksberufe, das Schmieden, schuf vor Jahrtausenden eine entscheidende Wende in der Menschheitsentwicklung. © lunamarina – Fotolia.com

In Stein gemeißelt

Denkt man an alte Handwerkstechniken, dann gibt es auch immer wieder Sprüche, hierzu. So wie „in Stein gemeißelt“, ein Sinnbild für die Ewigkeit, das Unveränderliche und –Verrückbare. Der Steinmetz, ebenfalls einer der ältesten berufe überhaupt, arbeitet in handwerklicher Präzision, der Steinbildhauer in kreativer und gestalterischer Art und Weise. Erst durch den Steinhauer, heute ein ausgestorbener beruf, wurde der Hausbau aus massiven, geometrisch geformten Steinen möglich. Genauso wie so monumentale Bauwerke wie die Pyramiden, die Jahrtausende überdauerten. Steinmetze prägten letztlich die Architektur, die bei römischen Bauwerken beginnt und bei Gotik und Barock noch lange nicht endet. Ihre Arbeit überdauerte und überdauert die Zeit und wird noch heute von den meisten Menschen geschätzt. Spätestens im nächsten Urlaub und dort beim Besuch von historischen Sehenswürdigkeit.

Handwerk: Traditionsberufe neu entdeckt

Einmal daneben, alles zerstört. So grob wie die Arbeit eines Steinmetzes erscheint, so überlegt und exakt wird diese Arbeit ausgeführt. © Daniele Pietrobelli  – Fotolia.com

Viele weitere Handwerksberufe prägten und prägen die Entwicklung der Menschheit, entstanden meist aus der Notwendigkeit heraus. So manches Handwerk ist heute ausgestorben, andere, auch totgeglaubte werden glücklicherweise wiederentdeckt. Doch für alle gilt: Ein ‚Hoch auf das Handwerk‘. Das Gute, das Alte...

Text: Jürgen Rösemeier (Fokusbild Korbflechter: © Gerhard Seybert - Fotolia.com)