1. Home
  2.  › Körper & Geist
  3.  › Gesundheit
COPD
Lungenkrankheit im Check

COPD: Wenn die Luft zum Atmen fehlt

Tabakrauch, Luftverschmutzung oder Staub: Mögliche Auslöser für die Lungenerkrankung COPD, die laut der WHO zu den häufigsten Krankheiten weltweit gehört und die, die Betroffenen in ihrem Alltag stark beeinträchtigen kann. Alles über Symptome, Ursachen und Folgen.

„Sauerstoffabhängig“, „Atemnotanfälle unter Stress“, „dauerhafter Husten“: Beschreibungen aus dem Alltag von Menschen, die an der unheilbaren Lungenerkrankung COPD erkrankt sind. COPD steht für den englischen Begriff ′chronic obstructive pulmonary disease′, was wörtlich übersetzt so viel bedeutet wie chronisch-verengte Lungenerkrankung.

Wenn die Atemluft knapp wird: COPD, eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung

Chronischer Husten, schwindende Ausdauer – rückblickend ist es eindeutig, doch in dem Moment nehmen Betroffene die Symptome oft nicht als akut wahr, verharmlosen erste Anzeichen oder schreiben sie anderen Ursachen, wie zum Beispiel einer sich anbahnenden Erkältung zu.

Anzeige

Das Problem: Die Krankheit tritt nicht plötzlich auf, sondern entwickelt sich langsam und schrittweise. Viele gehen erst dann zu einem Arzt, wenn die Atemnot in gewissen Situationen stark ausgeprägt ist. Selbst einfache Bewegungen wie Treppensteigen, der Gang zum Briefkasten oder Einkaufen können dann zur Herausforderung werden.

Die Lungenerkrankung wird daher oftmals erst in fortgeschrittenem Stadium diagnostiziert und behandelt. Je früher sie allerdings entdeckt wird, desto besser kann man das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen. Denn prinzipiell gilt: COPD ist bislang noch nicht heilbar.

Unheilbare chronische Lungenerkrankung: Formen von COPD

Eins vorweg: COPD ist keine Bezeichnung einer einzelnen Krankheit, sondern ein Überbegriff zur Beschreibung chronischer Lungenerkrankungen. Bei COPD gibt es folglich kein einheitliches Krankheitsbild, nur die Beschreibung relevanter Untergruppen von Lungenerkrankungen, die den Luftstrom einengen. Das sind die häufigsten Formen der chronisch obstruktiven Lungenkrankheit:

  • chronische Bronchitis (Entzündung der kleinen Atemwege)
  • Lungenemphysem (Zerstörung von Lungengewebe)

Die Übergänge zwischen den einzelnen Krankheiten sind oftmals fließend und die Symptome ähnlich. Ist es laut dem Lungeninformationsdienst zudem möglich, dass beide Formen gleichzeitig aber unterschiedlich stark ausgeprägt auftreten. Allerdings sollte COPD nicht mit Asthma bronchiale verwechselt oder gleichgesetzt werden. Patienten mit der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung leiden dauerhaft unter den Beschwerden, bei Asthma verengen sich die Bronchien nur anfallsweise.

Anzeige

COPD: Laut WHO weltweit eine der häufigsten Erkrankungen

Im Gegensatz zu Asthma ist COPD in der breiten Bevölkerung weitaus weniger geläufig. Allerdings zu Unrecht, denn die Erkrankung, bei der die Lunge dauerhaft geschädigt und die Bronchien verengt sind, kommt weitaus häufiger vor, als man glaubt.

So geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) davon aus, dass COPD weltweit zu den häufigsten Krankheiten gehört. Einer Studie zufolge sollen allein 2016 rund 251 Millionen Menschen daran erkrankt gewesen sein.

Zudem soll es laut der Behörde jährlich schätzungsweise mehr als drei Millionen Todesfälle - verursacht durch COPD - geben. 90 Prozent der Todesfälle ereignen sich der WHO zufolge jedoch in Niedriglohnländern. Aber auch in Deutschland kommt die Krankheit häufig vor. Laut Robert Koch-Institut steht die Lungenerkrankung an sechster Stelle der Erkrankungen, die die meisten Todesfälle nach sich ziehen.

Rauchen und Luftverschmutzung als Ursachen von COPD

Doch warum ist die chronisch obstruktive Lungenerkrankung so weit verbreitet, was sind die Ursachen? Die Weltgesundheitsorganisation nennt mehrere Gründe für die Häufigkeit von COPD.

Zu den Hauptursachen der Erkrankung gehören aktives Rauchen oder Passivrauchen. 80 bis 90 Prozent aller COPD-Patienten sind Raucher oder haben früher einmal geraucht. Aber auch Nichtraucher sind von der Krankheit betroffen. Andere Risikofaktoren können laut WHO aber auch folgende sein:

  • Luftverschmutzung im Freien
  • Chemikalien, Dämpfe, Staub oder andere Schadstoffe im Arbeitsumfeld
  • verminderte Luftqualität durch Schadstoffe in Innenräumen (Brennstoffe zum Kochen oder Heizen)

WHO und RKI gehen davon aus, dass die steigende Zahl an Rauchern oder die immer älter werdende Gesellschaft dazu führen werden, dass COPD in den kommenden Jahren noch weiter zunehmen wird.

COPD: Anzeichen, Symptome und Entstehung

Bei den meisten tritt die chronische Lungenerkrankung COPD in der Regel erst nach dem 40. oder 50. Lebensjahr auf. Zu Beginn sind die Symptome nicht eindeutig. Da die Atemwege nur wenig verengt sind, ist die Atemnot noch nicht so stark ausgeprägt. Der chronische, also dauerhaft anhaltende Husten ist jedoch ein deutlicher Hinweis.

Lungenkrankheiten, wenn die Luft knapp wird

Das sind die wichtigsten Symptome einer COPD:

  • täglicher, chronischer Husten über einen langanhaltenden Zeitraum
  • Auswurf (Schleimproduktion)
  • Atemnot bei körperlicher Belastung
  • Geräusche beim Atmen wie Pfeifen oder Brummen

Wie das Helmholtz Zentrum München, Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), erklärt, ist der Ausgangspunkt der COPD eine dauerhafte Entzündung der Atemwege, die die normalen Abwehr- und Reparaturmechanismen der Lunge stört. Dadurch werden Umbauprozesse in den Bronchien aktiviert. Diese verursachen eine bleibende Verengung und einen eingeschränkten Selbstreinigungsmechanismus der Atemwege, was wiederum zu der typisch krankhaft erhöhten Schleimproduktion führt.

Chronische Lungenerkrankung COPD: Diagnose anhand der AHA-Symptome

Beschreibt ein Patient die genannten Beschwerden, liegt die Vermutung des Arztes in der Regel schnell bei einer chronischen Lungenerkrankung. Mediziner sprechen dann auch von den AHA-Symptomen (Atemnot, Husten und Auswurf).

Mittels eines Atemtests namens „Spirometrie“ kann dann der Verdacht bestätigt werden. Bei dem Test wird die Lungenfunktion überprüft und gemessen, wie schnell und wie viel eine Person Luft ausatmen kann. Zusätzlich zu dem Gespräch und dem Test kann auch die Lunge auf untypisches Brummen oder Pfeifen hin abgehört werden. Außergewöhnliche Atemgeräusche treten allerdings erst bei einer bereits fortgeschrittenen COPD auf.

In einigen Fällen werden auch eine Bronchoskopie, eine Computertomografie und ein Belastungstest durchgeführt, um andere Erkrankungen der Lunge auszuschließen oder um festzustellen, ob der Verdacht auf ein Lungenemphysem vorliegt. Je nach Ergebnis wird COPD dann in vier Schweregrade (GOLD) eingestuft, wovon die Planung der Behandlungsschritte abhängt.

Anzeige

Diagnose COPD: Diese Behandlungsansätze gibt es

Da COPD bislang noch als eine unheilbare Lungenerkrankung gilt, zielen die Behandlungsmethoden darauf ab, die Symptome und Beschwerden zu lindern sowie die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Auch sollen die Medikamente das Fortschreiten der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung verlangsamen und akute Krankheitsschübe unterbinden.

Folgende Behandlungsmethoden können laut der Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen bei einer COPD eingesetzt werden:

  • atemwegserweiternde Medikamente, die meist als Pulver inhaliert oder in Form von Tabletten eingenommen werden.
  • Kortison hemmt die Entzündung der Atemwege
  • Medikamente, um den Schleim zu lösen
  • Mitführen eines Sauerstoffgerätes, das Patienten beim Atmen unterstützen soll, wenn die Atemmuskeln bereits zu sehr erschöpft sind
  • pneumologische Rehabilitation: Behandlungsprogramm, das unter anderem eine Rauchentwöhnung, an COPD angepasste Trainingsmethoden, Ernährungsberatung aufgrund von Gewichtsverlust und eine Atemtherapie beinhaltet.

Insbesondere die Rehabilitation soll die Patienten unterstützen, anhand der speziellen Bewegungsübungen und Atemprogramme, den Alltag so gut wie möglich allein zu meistern. Viele Patienten eignen sich dabei spezielle Atemtechniken an, die ihnen helfen, allein in Sondersituationen auf einen Atemnotanfall zu reagieren. Dieser kann durch Nervosität, Stress oder Ärger ausgelöst werden, die Atemtechnik hilft dabei, zur Ruhe zu kommen.

Oftmals bedeutet COPD aufgrund der Atembeschwerden auch ein sozialer Rückzug, weil selbst ein kleiner Gang vor die Haustüre nicht mehr möglich erscheint. Welche Medikamente und welche Therapieform bei der chronischen Lungenkrankheit angewandt wird, wird im Individualfall entschieden. Auch eine Kombination der Behandlungen ist je nach Krankheitsstadium nicht selten der Fall.

COPD: Krankheitsverlauf und Lebenserwartung

Wie stark die Krankheit den Betroffenen in seinem Leben einschränkt, ist von Schwere und Stadium der Erkrankung abhängig. Es ist möglich, dass COPD gerade zu Beginn noch mehrere Jahre nur mit kleinen Einschränkungen im Alltag einhergeht.

Mit Fortschreiten der Krankheit wird allerdings der Lebensstil der Menschen, die an der chronisch obstruktiv Lungenerkrankung leiden, beeinträchtigt. Es kann durchaus der Fall eintreffen, dass Patienten mit COPD im Endstadium auf Unterstützung und Pflege durch andere angewiesen sind. Die Lebenserwartung ist je nach Behandlung um fünf bis sieben Jahre gegenüber dem durchschnittlichen Lebensalter verringert.

Umso früher die chronische Lungenkrankheit diagnostiziert und behandelt wird, desto besser können die Betroffenen lernen, damit umzugehen. Die Teilnahme an Selbsthilfe- oder speziellen Lungensportgruppen kann den Verlauf verlangsamen und die Lebensqualität länger auf einem hohen Niveau halten.

Quelle, Bild: Depositphotos:Wavebreakmedia,krankenimages.com, Text: Lisa Bender