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Schilddrüsenüberfunktion und ihre Folgen
Schilddrüsenüberfunktion

Schilddrüsenüberfunktion: Symptome und Behandlung

Schwitzen, Gewichtsverlust und Nervosität: Unspezifische Symptome, die Betroffene häufig nicht direkt deuten können und sie anderen Ursachen zuschreiben. Eine Untersuchung beim Arzt ergibt dann aber die Diagnose Schilddrüsenüberfunktion.

Jeder Dritte hat schätzungsweise in Deutschland Probleme mit der Schilddrüse. So gehören neben Diabetes oder Herz-Kreislauf-Problemen auch Schilddrüsenerkrankungen zu den häufigsten Krankheiten. Während jedoch die beispielsweise durch Jodmangel hervorgerufene Schilddrüsenunterfunktion relativ häufig auftritt, ist die Schilddrüsenüberfunktion weitaus weniger verbreitet.

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Schilddrüse: Wenn ihre Funktion aus dem Gleichgewicht gerät

Nur bei rund einem Prozent der Bevölkerung kommt es vor, dass die Schilddrüse einen Überschuss an Hormonen produziert und bei den Betroffenen Beschwerden verursacht. Aufgrund anfangs unspezifischer Symptome bei dem Patienten liegt eine Diagnose oftmals im Schatten und zieht sich über einen längeren Zeitraum hin. Doch eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) ist zwar eine eher seltene, aber dennoch ernste Erkrankung, die in jedem Fall von Fachärzten behandelt werden sollte.

Denn durch die Überproduktion der Hormone läuft der Organismus ständig auf Hochtouren. Wird das nicht behandelt, kommt es zu einer Überbelastung von Stoffwechsel und Kreislauf, was langfristig weitere Beeinträchtigungen der Gesundheit zur Folge haben und im schlimmsten Fall sogar lebensbedrohlich werden kann.

Schilddrüse: Kleines Organ mit großer Wirkung

Die Schilddrüse ist ein kleines Organ, leistet aber Großes. Gerät ihre Funktion aus dem Gleichgewicht, beeinflusst das nahezu alle anderen Körperfunktionen. Denn die Schilddrüse gehört zu den wichtigsten endokrinen Systemen im Körper - das heißt zu den Drüsen, die anhand einer Hormonproduktion zahlreiche Funktionen im Körper steuern.

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Zu den wichtigsten Hormonen, die das unter dem Kehlkopf liegende Organ produziert, gehören Thyroxin (T4) und Tri-Jod-Thyronin (T3). Die Schilddrüsenhormone haben Einfluss auf Wachstumsprozesse im Körper, wirken sich auf Herz, Kreislauf und Psyche aus, regulieren den Stoffwechsel oder steigern den Grundumsatz. Kurz gesagt: Schilddrüsenhormone sind laut dem Deutschen Schilddrüsenzentrum wie das „Gaspedal des menschlichen Körpers“.

Schilddrüsenüberfunktion: Definition der Erkrankung

Im Sinne dieser metaphorischen Beschreibung lassen sich auch eine Schilddrüsenunter- oder überfunktion beschreiben. Geht man „vom Gas“, werden auch die Prozesse im Körper verlangsamt und heruntergefahren – es kommt zu einer Unterfunktion. Gegenteilig dazu bedeutet ein Tritt aufs Gaspedal, also eine Schilddrüsenüberfunktion, ein dauerhaftes Ankurbeln des Organismus.

Das heißt, die Schilddrüse produziert mehr Hormone (Thyroxin und Tri-Jod-Thyronin), als der Körper benötigt, wodurch viele Funktionen beschleunigt werden. Die Folge der Hyperthyreose sind dann Symptome wie starkes, dauerhaftes Schwitzen, Herzrasen oder innere Unruhe. Auch registrieren viele Patienten trotz ausreichender Ernährung eine Gewichtsabnahme.

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Schilddrüsenüberfunktion: Das sind die häufigsten Symptome

Eine Schilddrüsenüberfunktion äußert sich nicht nur durch aus dem Gleichgewicht geratene Stoffwechsel- und Körperfunktionen, sondern sie führt oftmals auch zu einer sichtbaren Vergrößerung der Schilddrüse. Ist das der Fall, bildet sich am vorderen Halsbereich eine Art Kropf – in der Medizin wird das als Struma bezeichnet. Allerdings tritt das nicht bei allen Betroffenen mit einer Schilddrüsenunterfunktion auf.

Typische Symptome sind dagegen:

  • Schneller Herzschlag, Herzrasen bis hin zu Herzrhythmusstörungen
  • Erhöhter Blutdruck
  • Innere Unruhe und Nervosität
  • Stimmungsschwankungen
  • Starkes Schwitzen und Wärmeempfindlichkeit
  • Zittern und Muskelschmerzen
  • Menstruationsstörungen
  • Ständiger Heißhunger – bei gleichzeitiger Gewichtsabnahme sowie starker Durst
  • Durchfall oder Erbrechen

Nicht immer treten alle Symptome parallel oder je nach Ausprägung der Überfunktion gleichschwer auf. Manchmal überwiegt eines der Anzeichen und ist für die Diagnose wegweisend. Auch zeigt sich insbesondere bei älteren Menschen eine Schilddrüsenüberfunktion oftmals nur durch ein oder wenige Anzeichen, was die Gefahr birgt, dass die Symptome zunächst einer anderen Krankheit zugeordnet werden.

Schilddrüsenüberfunktion: Mögliche Ursachen der Hormonschwemme

Für die übermäßige Hormonschwemme kann es viele Ursachen geben. In Deutschland wird die Überfunktion häufig durch die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow oder durch eine Schilddrüsenautonomie, sogenannte „heiße Knoten“ ausgelöst.

Eine angeborene Überfunktion der Schilddrüse ist eher selten – ebenso wie, dass es bei der Behandlung anderer Schilddrüsenerkrankung aufgrund der Medikamentenvergabe temporär zu einer Überproduktion kommen kann. Generell sind Frauen jedoch fünfmal häufiger von einer Schilddrüsenüberfunktion betroffen als Männer. Warum das so ist, konnte medizinisch bislang nicht geklärt werden.

Eine Schilddrüsenüberfunktion tritt außerdem gelegentlich als Folge einer Entzündung der Schilddrüse, der sogenannten Hashimoto-Thyreoiditis, auf. Hier kommt es zu einer über wenige Wochen anhaltenden Überfunktion, die jedoch spontan wieder abklingen oder in eine Unterfunktion übergehen kann.

Diagnose und Folgen einer Schilddrüsenüberfunktion

Was die genaue Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion ist, lässt sich anhand einer Blutuntersuchung oder in einem Ultraschall feststellen. Dadurch können Knoten oder veränderte Hormonwerte im Blut entdeckt werden.

Eine weitere Möglichkeit ist eine Schilddrüsenszintigrafie. Hier wird dem Patienten ein radioaktiv markierter Stoff gespritzt, um herausfinden zu können, ob es sich um einen „heißen Knoten“, also einen hormonproduzierenden Knoten, handelt oder nicht. Ist das der Fall, reichert sich die Substanz dort besonders stark an, wo die heißen Knoten liegen.

Werden die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion nicht registriert und dadurch nicht hinreichend behandelt, können laut Techniker Krankenkasse betroffene Patienten Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie zum Beispiel Vorhofflimmern entwickeln. Deshalb ist eine Abklärung von einem Facharzt sowie die Behandlung überaus wichtig, denn durch Medikamente lassen sich die Symptome einer Überfunktion in der Regel schnell lindern.

Schilddrüsenüberfunktion: Möglichkeiten der Behandlung

Je nach Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion kann die Erkrankung unterschiedlich behandelt werden. In der Regel bekommen Patienten Medikamente, sogenannte Thyreostatika, verschrieben, die die Hormonproduktion bremsen und den Hormonspiegel senken. Sie hemmen den Einbau von Jod und drosseln so die Neuproduktion von Thyroxin und Tri-Jod-Thyronin.

Schilddrüsenüberfunktion und die Möglichkeiten der Behandlung

Auch die Basedow-Krankheit kann mit diesem Medikament behandelt und die Schilddrüsenüberfunktion über eine längere Einnahme hinweg wieder normalisiert werden. Eine regelmäßige Kontrolle des Hormonspiegels und der Schilddrüsenwerte sind dabei unabdingbar.

Führt die medikamentöse Therapie nicht zum Erfolg, müssen sich Patienten mit einer Schilddrüsenüberfunktion sogenannten definitiven Therapien unterziehen. Dadurch wird auch die Ursache der Überfunktion behoben, was durch eine Medikamenteneinnahme nicht der Fall ist.

Wie das Deutsche Schilddrüsenzentrum erklärt, wird hierbei „das krankhaft zu viel produzierende Schilddrüsengewebe entweder durch eine Radiojodtherapie zerstört oder durch eine Schilddrüsenoperation entfernt.“ Allerdings müssen Patienten auch danach in den meisten Fällen weiterhin Schilddrüsenhormone einnehmen, um einer Unterfunktion entgegenzuwirken.

Schilddrüsenüberfunktion: Wie sich Betroffene ernähren sollten

Wer an einer Schilddrüsenüberfunktion leidet, sollte neben der Einnahme von Medikamenten auch auf die Ernährung achten. So enthalten beispielsweise Seefische, aber auch Muscheln und andere Meeresfrüchte besonders viel Jod.

Für Patienten mit Hyperthyreose ist daher hier Vorsicht geboten. Die tägliche Aufnahme von 500 µg Jod gilt durchschnittlich als sicher und empfehlenswert. Menschen, die an einer Schilddrüsenüberfunktion leiden, sollten besonders aufpassen, den Wert nicht zu überschreiten.

In rund 10 Gramm getrockneten Algen ist beispielsweise bereits das zehnfache der empfohlenen Aufnahmemenge enthalten, weshalb sie nicht allzu oft auf dem Speiseplan landen sollten. Auch bestimmte Mineralwässer oder Sojaprodukte übersteigen den Wert und enthalten große Mengen Jod.

Nahrungsmittel wie Obst, Reis, Weiß- oder Schwarzbrot hingegen gelten eher als jodarm und sind daher für Menschen mit Schilddrüsenüberfunktion besonders gut geeignet. Einige Ernährungsexperten raten auch zu einer Vitamin C- und A-reichen Kost, da diese sich positiv auf die Schilddrüsenfunktion auswirken sollen. Allerdings sollte beachtet werden, dass eine bewusste Ernährung nur die Symptome verbessern, sie aber in keinem Fall heilen kann. Eine ärztliche Behandlung bei einer Schilddrüsenüberfunktion ist dennoch unabdingbar.

Quelle, Bilder: Depositphotos:alexraths, CITAlliance, Text: Lisa Bender