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Vitamin-Pillen nicht immer gut für die Gesundheit.

Gesundheit: Vitaminpillen sind kein Wundermittel

Lieber eine handvoll Obst und Gemüse oder doch schnell die Vitaminpille schlucken? Hier scheiden sich die Geister, obwohl alle nur das eine wollen: das Immunsystem mittels Vitaminen stärken und die Gesundheit fördern. Aber das scheint mit einer ausgewogenen Ernährung einfacher zu sein.

Kaum ein Begriff ist so positiv belegt wie der der Vitamine. Und tatsächlich leisten sie wertvolle Arbeit für das Immunsystem. Doch frei nach dem Prinzip «viel hilft viel» greifen nicht nur die Deutschen gerade in den kalten Monaten zu Vitaminpräparaten, ohne zu wissen, ob sie an einem Mangel leiden. Die permanente Propaganda, sich gegen Husten, Schnupfen und Heiserkeit mit einer geballten Ladung Vitamin C zu schützen, forciert das Ganze.

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Die Diskussion, ob Zusatzpräparate notwendig sind, durchzieht nicht nur Schulen und Kindergärten, sondern wird auch in Kaffeepausen am Arbeitsplatz ausgefochten – wenn sich ein Kollege gerade eine Vitamintablette genehmigt. Grundsätzlich sagt die diplomierte Ernährungsberaterin Caroline Bernet von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE: «Gesunde Erwachsene, die sich nach den Empfehlungen der Lebensmittelpyramide ernähren, werden mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt und brauchen keine zusätzlichen Vitamine und Mineralstoffe in Form von Ersatzstoffen.» Wer also unter anderem fünf Mal am Tag Obst, Gemüse oder Salat zu sich nimmt, braucht keine Zusatzpräparate.


Frisches Obst ideal für eine gesunde Ernährung.

Ausreichend Obst essen ist gesünder, als Vitaminpillen zu schlucken.

Die einen sagen, eine komplett ausgewogene Ernährung sei beim heutigen Lebensrhythmus in vielen Fällen schwierig. Sandra Bernaschina Moser, diplomierte Apothekerin, betont, immer häufiger werde aus Zeitmangel unterwegs gegessen und wenig auf Vitamine geachtet. «Deswegen ist es sinnvoll, zusätzliche Vitamine einzunehmen», sagt Bernaschina Moser. Die anderen lassen dieses Argument nicht gelten. So auch die Deutsche Gesellschaft für Ernärung, DGE, die meint«Noch nie war das Angebot an qualitativ guten Lebensmitteln so reichhaltig und ganzjährig verfügbar wie heutzutage. Sich ausreichend, abwechslungsreich und vollwertig zu ernähren, ist heute einfacher denn je.» Wer sich ein Vitaminpräparat kaufen gehe, könne sich genauso ein paar Früchte besorgen. Und weiter sagt die DGE, dass durch ein saisonal unabhängiges Angebot nährstoffreicher Gemüse- und Obstsorten, relativ preiswerter Milch- und Getreideprodukte sowie ein entsprechendes Angebot an Seefisch und fettarmen Fleischsorten wird bei gesunden Personen in Deutschland ein Vitaminmangel nicht mehr beobachtet. Auch eine Vitaminunterversorgung ist bei entsprechender Lebensmittelauswahl zu vermeiden. Andere wiederum räumen ein, dass zumindest bei einem Aufenthalt in einem Land mit nicht ausreichender, einseitiger Kost die Einnahme solcher Präparate ratsam sei.

Mit dem Experten sprechen

Dass der Körper Vitamine braucht und diese durch die Nahrung aufgenommen werden müssen, ist unbestritten. Denn der Körper kann sie größtenteils nicht selbst herstellen. Klar ist, dass jodiertes und fluoriertes Kochsalz in jedem Fall empfohlen wird, um den Bedarf an Jod und Fluor decken zu können. Zudem ist in speziellen Situationen, wie beispielsweise Schwangerschaft oder bei gewissen Krankheiten, eine zusätzliche Gabe von Vitaminen und Mineralstoffen in Absprache mit dem Mediziner sinnvoll.

Und dazu raten Fachleute in jedem Fall. Denn nicht jeder benötigt die gleiche Menge an Vitaminen. Der Bedarf sei abhängig vom Geschlecht, Alter und den Lebensverhältnissen des Einzelnen. So benötigt laut einer amerikanischen Studie ein Raucher ein Drittel mehr Vitamin C als ein Nichtraucher.

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Viel hilft nicht immer viel

Vitamin C genauso wie andere wasserlösliche Vitamine werden bei einem Zuviel recht schnell über die Niere ausgeschieden. Individuelle Begleiterscheinungen inklusive. Die fettlöslichen Vitamine wie E, D, K, A können im Körper, meist in der Leber, gespeichert werden. Laut Ernährungsberatern kann es hier also sehr wohl zu Überdosierungen kommen, die mit einer herkömmlichen, ausgewogenen Ernährung nicht zu erreichen ist. Die Einnahme von isolierten Vitaminen in Form von Kapseln oder Brausetabletten ist somit auch nicht immer risikolos.


Nicht nur Zusatzpräparate können eine Überdosierung verursachen. Die Lebensmittelbranche macht sich schon lange das gute Image der Vitamine zu Eigen. Im Bereich des sogenannten «Functional Food» werden zahlreiche Produkte lanciert, die unter anderem mit Vitaminen industriell angereichert sind. So kann es passieren, dass der empfohlene Tagesbedarf bereits mit zwei Gläsern Multivitaminsaft und einer Schale Frühstücksflocken nicht nur gedeckt, sondern überschritten wird. Das Traurige daran: «Trotzdem schützt die industrielle Anreicherung der Lebensmittel einen nicht vor einer einseitigen Ernährung und damit einer Unterversorgung mit Vitaminen», sagt Bernd Schultes, Ernährungsmediziner und Leiter des Interdisziplinären Adipositaszentrum des Schweizer Kantonsspitals St. Gallen. Denn diese Lebensmittel seien willkürlich und nicht standardisiert mit bestimmten Vitaminen angereichert. «So kann es schnell passieren, dass man von dem einen Vitamin zu viel und von dem anderen zu wenig einnimmt», sagt Schultes. An der Portion Obst, Gemüse und Salat kommt wohl so schnell keiner vorbei.

Text: Yvonne von Hunnius
 

Der beste Schutz für das Immunsystem und den Erhalt der Gesundheit:

  • Ausgewogen ernähren; fünf mal am Tag Obst, Gemüse und Salate essen.
  • Bewegung an der frischen Luft stärkt die Immunabwehr.
  • Größere Menschenmengen und akut erkrankte Personen meiden.
  • Ausreichender Schlaf hat einen positiven Einfluss auf das Immunsystem. Optimal für Erwachsene sind sieben bis acht Stunden.
  • Oft Hände waschen.

Quelle: Bernd Schulte, Ernährungsmediziner und Leiter des Interdisziplinären Adipositaszentrum des Schweizer Kantonsspitals St. Gallen

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