Nach dem Skandal ist vor dem Skandal

Es ist mal wieder soweit. Ein neuer Lebensmittelskandal macht die Runde. Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg haben als erste die Finger gehoben und mit dioxinähnlichem PCB verseuchte Eier aus Hühnerfarmen bugsiert. Der Clou: Der erste Eierhof hat konventionelle und Bio-Eier. Letztere sind betroffen. Wie immer tappen die Fachleute ob der Ursache im Dunkeln.

Wer steht nicht dieser Tage vor dem Eier-Regal und überlegt «brauch` ich überhaupt Eier? Waren es nicht schon genug zu Ostern, waren die vielleicht sogar schon verseucht?» Zu Recht, denn die Informationspolitik der Politik ist wieder einmal bei einem Lebensmittelskandal nicht die schnellste. Wurde bereits Anfang März das dioxinähnliche PCB,  Polychlorierte Biphenyle, ausgerechnet in einem Nordrhein-Westfälischen Biohof gefunden, so haben wir, die nichtsahnenden Konsumenten, weiterhin zwei Wochen lang unbekümmert und in Ostervorfreude fleißig weiter Eier gekauft. Immer mehr sogar noch die guten Bio-Eier. Die einen, um das Gewissen zu beruhigen, die anderen, weil sie wissen, dass sie aus einer nachhaltigen Zucht kommen, letztlich aber einfach besser schmecken.

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Jetzt erfahren wir, ganz den bekannten homöopathischen Dosen gleich, nach und nach, dass andere Höfe auch Eierprobleme haben. Immerhin, er ist ja auch schon lange her, der letzte Lebensmittelskandal.

Rückblick 2011: Dioxin in Futtermitteln, Qualzuchten und Antibiotika getunte Turbohühner oder EHEC. Dessen ausführlichen Namen schreibe ich an dieser Stelle nicht, denn diesen kann man sich noch weniger merken wie Polychlorierte Biphenyle oder Eyjafjallajökull. Zudem, es ist ja längst passé, das EHEC oder der lavaspuckende Vulkan. Oder? Gut, beim Dioxin dachten wir letztes Jahr auch, dass es durch ist. Also, nur um es nicht für die Zukunft zu vergessen, das Bakterium heißt: Enterohämorrhagische Escherichia coli.

Warum uns ständig die Suppe versalzen wird

Hungrig schlendert man durch den Supermarkt und denkt sich, «was könnte ich heut Feines essen?». Und je leerer der Magen, desto voller wird der Einkaufskorb. Doch, dann kommen sie wieder. Die, die regelmäßig warnen: «Jetzt darfst Du das nicht essen, morgen vielleicht dies nicht!». Zumal: Wer weiß jetzt schon, wo sonst noch verseuchte Lebensmittel – in diesem Fall solche PCB-Eier – auftauchen? Wird auch bald Euch Berlinern, Bayern oder Buxtehudern sprichwörtlich die Suppe versalzen? Aber, eh egal, kaum ist der lästige Spuk vorbei, kaufen wir wieder Sprossen, Essen Hühnerfleisch, Rind, das nicht mehr wahnsinnig ist, oder eben nicht mehr chemisch verseuchte Eier. Man darf nur gespannt sein, wo dieses giftige Zeug diesmal herkommt. Das Futter soll es nicht sein, die Wassertränken auch nicht. Aber gut. PCB war ja bis 1989 eine zugelassene Chemikalie, die gerne in Lacken, Kunststoffen oder Transformatoren verwendet wurde.

Foodwatch-Sprecher Martin Rücker hat Recht, wenn er in diesem Fall darauf hinweist, dass Landwirte, die ihre Legehennen draußen halten, unbedingt vorher den Boden auf Chemikalien untersuchen lassen sollten. Doch, schließlich wurden auch schon Häuser ganz legal auf ehemaligen Sondermülldeponien gebaut.

Nachfragen ist wichtig

Aber, ich sage es ja nicht gern, denn es ist eine Selbstverständlichkeit: Beeinflusst als Konsument die Qualität der Lebensmittel selbst! Wie? Geht zum Bauern, in den Hofladen, zum Metzger oder auf den Markt und fragt wirklich nach, woher die ganzen Sachen kommen. Wer vor Ort einkauft, darf sich bei den allermeisten auch anschauen wo die Erzeugnisse herkommen. Denn der Bauer, der sauber arbeitet, hat nichts zu verheimlichen… Und ist es keine Anlage mit 25.000 Hühnern, dann gibt es dort vielleicht auch kein PCB. Bio hin oder her - irgendwie ist das doch zu groß, oder? Seid mündige Bürger und kritische Konsumenten! Sonst heißt es: «Alles wiederholt sich im Leben; ewig jung ist nur die Fantasie», Friedrich Schiller.

Ach, und nochmal zu Ostern: Gewusst? Der überwiegende Teil der kleinen, trollig gefärbten und fertig gekochten Ostereier kam aus Legebatterien. Zum Glück, dass wir Deutschen sie abgeschafft haben! Dass findige Geschäftemacher die auch im Ausland einkaufen können, das hat keiner bedacht. Aber: Sie waren wenigstens aus dem Ausland…

Jürgen Rösemeier