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Naturkosmetik oder nicht: Sicher sein, was drin steckt

Die Markennamen überbieten sich mit Begriffen wie «Bio», «Nature», «Pure» und «Sensitive». Trotzdem tragen manche solcher Produkte kein offizielles Siegel, das sie als zertifizierte Naturkosmetik ausweist. Wie gut ist solche Pseudonaturkosmetik wirklich?

 Natur und Öko im Tiegel, wenn es drauf steht.

Nicht von naürlichen Begriffen in die Irre führen lassen. Lieber zweimal die Inhaltsstoffe lesen. Foto: © Fotolia - HLPhoto

Die Haut ist unser größtes Organ. Bis zu zwei Quadratmeter Fläche können bei einem erwachsenen Menschen zusammen kommen, bei einer Frau etwas weniger als beim Mann. Als äußerer Schutzwall des Körpers schirmt sie sein Inneres ab und bewahrt es vor äußeren Einflüssen wie Licht, Wind, Kälte oder Hitze. Auch die Regulierung der Körpertemperatur und die Sinneswahrnehmungen sind in der Haut angesiedelt. Kurz – uns umhüllt ein wahres Multitalent.

Solche Umwelt- und Witterungseinflusse können Spuren interlassen. Deshalb braucht die Haut regelmäßige Pflege. Cremes, Lotionen und Ölen unterstützen die Haut bei ihrem Regenerationsprozess,füllen wichtige Speicher wieder auf und halten sie elastisch und streichelzart

Natürliches Image kommt beim Verbraucher an

Bei der Auswahl der richtigen Pflegeprodukte ist Sorgfalt angesagt. Chemisch-synthetische Inhaltsstoffe haben darin besser nichts zu suchen. Denn die Haut ist ein besonders aufnahmefähiges Organ und lässt so manches durch, was besser hätte draußen bleiben sollen. So manche Zutat kann den gesamten Organismus durcheinanderbringen. Deshalb entscheiden sich immer mehr Menschen für Naturkosmetik.

Der Naturkosmektikmarkt boomt. Aber ist immer alles Natur, was drauf steht?

Naturkosmetik beinhaltet nachhaltige Inhaltsstoffe und ist frei von chemischen Paraffinen. Foto: © Fotolia - HLPhoto

Das ist leichter gesagt, als getan: Denn die Drogerien sind voll von Tiegel und Tuben, die sich gegenseitig mit ihrem natürlichen Image überbieten. Sie werben mit Aussagen wie „Von Natur aus wirksam“, loben Inhaltsstoffe pflanzlichen Ursprungs und naturbelassene Rezepturen aus und bezeichnen sich selbst als Pflanzen- oder Kräuterkosmetik. Auf ihren Verpackungen prangen stilisierte Blätter, Blüten und Früchte, und selbst die Markennamen sind vor Begriffen wie «Bio», «Nature“, «Pure» und «Sensitive» nicht sicher. Nur der aufmerksame Verbraucher bemerkt, dass solchen Produkten eines fehlt: ein zertifiziertes Gütesiegel, das sie als kontrollierte Naturkosmetik ausweist.

Mehr Schein als Sein

Das unabhängige Testinstitut Ökotest hat 34 solcher Pseudonaturkosmetik-Produkte unter die Lupe genommen. Mit ernüchterndem Ergebnis: Die getesteten Kosmetika geben alles her, was die Chemieküche zu bieten hat. Da tummeln sich chemische Konservierungsstoffe und UV-Filter, künstliche Tenside und Emulgatoren, Paraffine auf Erdölbasis, Silikone und synthetische Duft- und Farbstoffe. Hingegen befindet sich der ausgelobte Hauptwirkstoff wie etwa der Oliven- oder Aloe Vera-Extrakt nicht selten nur in Spuren in den Produkten.

Grünes Image, mehr nicht

Der Schwindel zieht sich durch sämtliche Marken, Hersteller und Preisniveaus. Von den klassisch konventionellen Kosmetikherstellern entlarven die Tester auch solche mit grünem Image, wie Yves Rocher und The Body Shop.

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Vor solchen Mogelpackungen schützt am besten ein kritischer Blick auf das Etikett. Im Gegensatz zu Lebensmitteln sind die Begriffe „Bio“ und «Öko» bei Kosmetik nicht geschützt. Auch dem Begriff Naturkosmetik fehlt eine juristische Basis. Sicherheit beim Kauf geben stattdessen anerkannte Gütesiegel. Das wohl bekannteste ist das des Bundesverbandes der Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und kosmetische Mittel e.V. (BDIH), das im Februar 2001 in enger Zusammenarbeit mit namhaften Naturkosmetikherstellern eingeführt wurde. Der BDIH-Standard verbietet den Einsatz von organisch-synthetischen Farbstoffen, synthetischen Duftstoffen, ethoxilierten Rohstoffen, Silikonen sowie von Paraffinen und anderen Erdölprodukten. Auch radioaktive Bestrahlung ist nicht zulässig..

Das orangefarbene Demeter-Markenzeichen tragen Produkte, die die Anforderungen des gleichnamigen ökologischen Anbauverbandes erfüllen. Solche Kosmetika enthalten mindestens 90 Prozent Demeter-Rohstoffe und verzichten konsequent auf Mineralöle, Benzol oder Hexan, Butylen- oder Propylenglykol, Gentechnik und Nanopartikeln, radioaktive Bestrahlung oder Begasung sowie auf Rohstoffe, die aus Tieren gewonnen wurden.

Ecocert ist eine unabhängige Kontrollinstitution im Umweltbereich mit Hauptsitz in Frankreich. Seit 2002 prüft der international tätige Verband auch Kosmetikprodukte auf ökologische und biologische Qualität und vergibt dabei zwei Siegel. Das Label «biologische Kosmetik» kommt für Produkte in Frage, bei denen mindestens 50 Prozent der eingesetzten pflanzlichen Stoffe aus biologischem Anbau stammen. Produkte, deren Inhaltsstoffe zu mindestens 95 Prozent natürlichen Ursprungs sind und deren pflanzliche Zutaten zu mindestens 95 Prozent aus biologischem Anbau stammen, tragen das Label «Ökologische und biologische Kosmetik».

BIO-Siegel geben Sicherheit.

Wer nicht auf Pseudonaturkosmetik hereinfallen will, verlässt sich auf die etablierten BIO-Siegel. Foto: © Fotolia - HLPhoto

Natrue ist das Gütesiegel der International Natural and Organic Cosmetics Association, einem Zusammenschluss von europäischen Natur- und Biokosmetik-Herstellern im Jahre 2007. Natrue zertifizierte Produkte sind frei von synthetischen Duft- oder Farbstoffen, Inhaltsstoffen aus der Erdölchemie, Silikonölen oder –derivaten sowie genetisch modifizierten Inhaltsstoffen. Außerdem wird auf Bestrahlung und Tierversuche verzichtet. Der Verband zertifiziert Produkte sogar gleich nach drei Qualitätsstufen. Die Inhaltsstoffe von Naturkosmetik müssen natürlichen Ursprungs sein, jedoch nicht aus biologischem Anbau stammen. Bei Naturkosmetik mit Bio-Anteil stammen bereits mindestens 70 Prozent der natürlichen Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft und/oder kontrollierter Wildsammlung. Bei Biokosmetik müssen mindestens 95 Prozent der natürlichen Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft und/oder kontrollierter Wildsammlung stammen.

Die kompletten Untersuchungsergebnisse von Ökotest stehen unter www.oekotest. de zum Download bereit (kostenpflichtig). Ausführliche Informationen zu den Zertifizierungsrichtlinien der Siegelvergabestellen unter www.nature.org/de, www.demeter.de, auf www.kontrollierte-naturkosmetik.de (BDIH) und www.ecocert.com/en.

Text: Inka Stonjek