1. Home
  2.  › Kosmetik
  3.  › Body

Kosmetik: Tierversuche sollten weltweit verboten sein

Um unerwünschte Nebenwirkungen von Kosmetika zu minimieren, mussten in Deutschland früher unzählige Tiere als Opfer herhalten. Innerhalb der EU dürfen seit 2004 fertige Kosmetika nicht mehr an Tieren getestet werden. Doch dies gilt weder weltweit noch sind alle Schlupflöcher gestopft.

Kosmetik die ohne Tierversuche auskommt ist die erste Wahl.

Tierschutz bei Kosmetikkauf: Nur Produkte ohne Tierversuche kaufen.

Muss man sich am Morgen beim Eincremen des Gesichtes seiner «Feuchtigkeitscreme für trockene Haut mit wertvollen Pflegestoffen» Sorgen darüber machen, wie viele Tiere dafür gestorben sind? Ja und Nein. Tatsache ist, dass es in der medizinischen Forschung immer schon zu Tierversuchen kam. Laut EU-Gesetz von 2004 werden in Deutschland zur Prüfung fertiger Kosmetika keine Tiere mehr «verwendet». Seit 2009 gilt dies auch für deren Inhaltsstoffe.

Ausdrücklich verboten sind diese Tests bis dato jedoch nicht. Denn das Gesetz gilt nicht für aus Nicht-EU-Staaten importierte Produkte. Dieses Gesetz sollte 2013 ratifiziert werden, doch auch hier gibt es Widersacher, die dies verhindern möchten. Zudem gibt es ein weiteres Schlupfloch. Denn das Gesetz - und hier ist eine klare Lücke - beinhaltet nicht jene Stoffe, die für andere Bereiche getestet werden. Denn nicht überall herrscht das Verbot für Tierversuche. Für den Konsumenten ist es daher schwer herauszufinden, für welche Kosmetika wirklich keine Tiere leiden mussten.

Anzeige

Zweifelhafte Tierversuche - Nicht nur die Medizin hat sie noch

Wieso aber kommt es denn zu den zweifelhaften Tierversuchen? Der springende Punkt ist, dass neue Substanzen getestet werden müssen, bevor sie beim Menschen eingesetzt werden können. In gewissen Fällen ist das sogar gesetzlich vorgeschrieben. So gilt beispielsweise für die Medizin, dass es praktisch kein Medikament gibt, das in Deutschland und der EU ohne Tierversuche zugelassen worden wäre. Bei jedem neuen Medikament oder Wirkstoff werden die Nebenwirkungen getestet. Viele Inhaltsstoffe dieses und anderer Bereich kommt aber genauso in der Kosmetik-Industrie zum Einsatz. So sterben alleine in der Europäischen Union jährlich hunderttausende von Mäusen für Botox-Tests und, laut Deutscher Tierschutzbund, 10.000 Primaten. Alleine 2.000 sollen es in Deutschland sein. Aber auch Beagle sind in Tiertests gerne verwendete Opfer.

Natürlich sehen die Notwendigkeit von Tierversuchen nicht alle so. Beda Stadler, Professor für Immunologie an der Schweizer Universität Bern sagt: «Wenn die Tiere komplett anders sind als wir Menschen, dann nützen die Versuche nichts. Wenn sie gleich sind wie wir, gleiche Gefühle und Emotionen haben, dann dürfen wir mit ihnen nur das machen, was wir uns auch selber zufügen würden.» Tatsache ist nämlich, dass die Testresultate oftmals nicht direkt vom Tier auf den Menschen übertragen werden können. Der Nutzen von Tierversuchen kann also in Frage gestellt werden. Dieser Meinung ist auch Andreas Item, Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner. Zudem unterstellt er der Pharmaindustrie unnötige Tests: «Die Pharmaindustrie bringt Medikamente auf den Markt, die sich gut verkaufen. Ist also das Leiden der Tiere zur Erforschung des 200. Cholesterinsenkers, des 300. Husten-Saftes gerechtfertigt? Diese Güterabwägung müssen wir machen.» Viele der chemischen Rohstoffe mit denen Kosmetika hergestellt werden, sind nämlich schon getestet. Wieso also erneut testen?


Es gibt auch Alternativen zu Tierversuchen, um Kosmetik zu testen.

Längst gibt es andere Methoden, Wirkstoffe für Kosmetik wie Cremes und Schminke zu testen.

Neue Testmethoden für Kosmetik und Co.

Viele Tierschutzorganisationen sowie die Schweizer Stiftung Forschung 3R glauben daran, dass die Experimente mit Tieren durch andere Methoden ersetzt werden können. Christine Egerszegi-Obrist, Vizepräsidentin der Stiftung Forschung 3R: «Die Forschung 3R möchte Tierversuche wo immer möglich durch andere, versuchstierfreie Methoden ersetzen und die Anzahl Tierversuche auf ein Minimum beschränken, oder die Belastung der Versuchstiere bei der Haltung und im Experiment so klein wie möglich zu halten.» Doch meistens werden neue Testmethoden bereits in der Entwicklungsphase verworfen. Laut der Akademie für Tierschutz gibt es vielversprechende Ansätze, die helfen könnten, Tierversuche vollständig abzuschaffen. Daher untersucht die Organisation akribisch im eigenem Zellkulturlabor neue Wege.

Anzeige

Tierversuchsfreie Kosmetikprodukte - Kosmetik-Positivliste

Wer lieber heute als morgen schon absolut tierversuchsfreie Kosmetik kaufen will, der kann das auch. Der Deutsche Tierschutzbund hat eine Liste garantiert tierversuchsfreier Kosmetik auf seine Internetseite gestellt. Auch Läden und Vertriebsfirmen sind hier verzeichnet. Ein Beispiel ist der Kosmetik-Hersteller Primavera. Das Unternehmen produziert seit nahezu einem Viertel Jahrhundert naturreine Kosmetikprodukte, die fair gehandelte Inhaltsstoffe haben und Mensch und Natur gleichermaßen achten.

Text: Rafaela Roth und Jürgen Rösemeier-Buhmann

Kosmetika ohne Tierversuche finden Sie hier: