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T-shirt aus Hanffasern
Kaffee, Lotus, Hanf & Co

Welche 6 innovativen Materialien die nachhaltige Mode voranbringen

Viele gängige Materialien sehen modisch schön aus, bringen jedoch keine günstige Ökobilanz mit sich. Während Leder und Seide nicht vegan sind, verbraucht der Baumwollanbau viel zu viel Wasser. Diesbezüglich gibt es jedoch Hoffnung, da nachhaltig angebaute Bio-Baumwolle stark im Trend liegt. Daneben setzen viele Hersteller inzwischen auf alternative Produkte, die vom Rohstoff bis zur Verarbeitung hin mit nachhaltigen Aspekten überzeugen.

 
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1. Hanffasern – umweltfreundliche Kleidung aus der Cannabispflanze

Wer glaubt, dass es sich bei verarbeiteten Hanffasern um eine neuzeitliche Modeerscheinung handelt, der irrt. Vielmehr stuften die Menschen die Kulturpflanze schon vor Tausenden von Jahren als gesundheitsförderlich ein. So verwendeten die Chinesen die Hanfpflanze überwiegend als medizinisches Heilmittel, während die Griechen aus den Fasern Kleidung herstellten. Die Faser lässt sich aus den Pflanzenstängeln gewinnen. Nach der Ernte wird sie geröstet, entrindet und anschließend zu Garn verarbeitet.

Die Vorteile, welche das Gewächs mit sich bringt, sind zahlreich: Dessen Anbau schreitet aufgrund des schnellen Wachstums rasch voran und kommt zudem ohne Pestizide aus. Auch der Wasserverbrauch fällt mit etwa 4.000 Litern je Kilogramm Faser gering aus. Gleichzeitig werten Hanffasern durch ihre Nährstoffabgabe sogar die Beschaffenheit der Böden auf. So verwundert es nicht, dass immer mehr Firmen nachhaltige Textilprodukte aus Hanf produzieren.

Zu den Herstellern, die sich für das atmungsaktive, leichte und saugfähige Material interessieren, gehört auch das Modellabel Levis. Die bekannte Marke arbeitet mit Experten zusammen, um die Haptik der Hanffasern zu optimieren. Schon heute bestehen viele der im Levis Sale erhältlichen Kleidungsstücke teilweise aus Hanffasern. In namenhaften Outlet-Stores werden beispielsweise herbstliche Denim Jeans aus Baumwolle und Hanffasern angeboten.

Insgesamt findet sich das atmungsaktive Material im Herbst vor allem auf Jeans, T-Shirts, wärmenden Pullis und Sportbekleidung wieder. Der große Vorteil an Hanffasern ist der mit der Zeit zunehmende Tragekomfort. Allmählich trägt sich das hypoallergene Material immer angenehmer, sodass es insbesondere Allergikern lange zugutekommt. Der einzige Nachteil des biologisch abbaubaren Materials besteht in dessen Knitteranfälligkeit.

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2. Brennesselfasern – wärmende Allrounder

Brennnessel

Schwindende Ressourcen und Umweltverschmutzungen im großen Stil bewegen immer mehr Hersteller dazu, nach nachhaltigen Rohstoffen Ausschau zu halten. Aus diesem Leitgedanken heraus wuchs in den vergangenen Jahren das modische Interesse an Brennesselfasern. Insgesamt ist das nachhaltige Material sehr eng mit der (Bekleidungs-)Geschichte der Menschheit verwoben: Schon im Bronzezeitalter trugen die Menschen, wie archäologische Funde belegen, Kleidung aus Nesselfasern. Später stellten die Franzosen unter der Führung von Napoleon Uniformen aus Nesselfasern her.

Ähnlich wie Hanffasern benötigen Züchtungen der „Urtica dioica“ Deutschlandfunk zufolge keinerlei künstliche Bewässerung. Stattdessen reichen bereits um die 4.000 Liter Regenwasser aus, um aus Brennnesselgarn ein T-Shirt anzufertigen. Zur Fasergewinnung werden die Nesseln erst geschnitten und dann getrocknet. Nach dem Trocknen ist es erforderlich, den holzigen Teil der Stängel herauszutrennen.

Ein Plus der Fasern ist ihre temperaturregulierende Wirkung. Durch den inneren Hohlraum kühlen sie im Sommer und wärmen im Winter. Momentan gelingt es aufgrund neuer Mischtechniken, starke und überaus biegsame Nesselfasern zu gewinnen. Einige Experten, darunter ein Professor für Textiltechnik, Ray Harwood, gehen davon aus, dass Nesselfasern zukunftsfähige Materialien sind. Das typisch brennende Gefühl auf der Haut lösen verarbeitete Nesselfasern übrigens nicht aus.

Kaffeebohnen und Kaffeesatz

3. Fasern aus multifunktionalem Kaffeegarn

Kaffeesatz ist für Kaffeetrinker bestenfalls eine unnötige Begleiterscheinung. Für Modemacher kann er im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert sein. Taiwanesischen Textilfabriken ist es bereits gelungen, Kaffeesatz kombiniert mit Polymeren zu Garn zu spinnen. Als Ergebnis steht multifunktionelles Garn, das sich für eine Vielzahl von Bekleidungsartikeln verwenden lässt. Alle Stoffe, die aus Kaffeefasern gewonnen werden, glänzen durch schnelltrocknende und UV-beständige Eigenschaften. Da Kaffeefasern außerdem geruchshemmende Eigenschaften aufweisen, bieten sie sich insbesondere für Outdoor- und Sportbekleidung an.

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4. Piñatex als vegane Leder-Alternative

Der spanischen Designerin Carmen Hijosa ist es zu verdanken, dass Piñatex in der Modewelt Einzug hält. Revolutionär ist an diesem nachhaltigen Stoff die Ähnlichkeit zu Leder. Durch einen industriellen Prozess, bei dem die Fasern aus Blättern extrahiert werden, gewinnen Produzenten den begehrten Vliesstoff. Selbst das Nebenprodukt – die nicht verwendeten Blätter – lässt sich anschließend in Biodünger oder -gas umwandeln und von landwirtschaftlichen Gemeinschaften nutzen.

Als 100 Prozent natürliches Material ist Piñatex die Leder-Alternative schlechthin. Vorteilhaft am nachhaltigen Material ist, dass es sich leicht bedrucken und nähen lässt. Gleichzeitig ist Piñatex atmungsaktiv und weich, wodurch es einen hohen Tragekomfort mit sich bringt. Bisher sind Fashion-Stücke aus Piñatex schwer zu finden. Hoffnung machen die Ankündigungen diverser Modehersteller, die das innovative Material zukünftig als veganen Lederersatz verkaufen möchten.

5. Bananen kommen als starke Naturfasern in Mode

Bananen kommen als starke Naturfasern in Mode

Zu den innovativsten Textilstoffen überhaupt gehören die starken Bananenfasern. Die biologisch abbaubaren, langlebigen Fasern werden aus Bananenstauden gewonnen. Zwar ähneln die Fasern Bambus, sind aber weitaus feiner und zugfester beschaffen. Nachhaltig orientierte Fashionistas dürfte vor allem dieser Fakt freuen: Bananenfasern schließen auf natürliche Weise den Umweltkreislauf, da sie aus Abfallprodukten hervorgehen. Aus den Bananenstauden, die Bauern übriglassen, entstehen vegane Brieftaschen, Geldbörsen, Papier oder eben Kleidungsstücke.

Im Extraktionsprozess steckt viel Arbeit. Die Staudenhülle wird zunächst in einer Lösung weichgekocht, ehe die Fasern gewonnen werden können. Insgesamt sehen Experten die Bananenfasern langfristig durchaus als geeignetes Material an, um tierische Produkte in der Mode zu ersetzen. Hinsichtlich ihrer Eigenschaften sind die Bananenfasern reißfest, feuer- und hitzebeständig sowie geschmeidig. Optisch ähneln die weichen Fasern glänzender Seide, wobei sie inzwischen als nachhaltigere Alternative gelten. Momentan lassen sich Bananenfasern (noch) eingeschränkt zum Herstellen von Kleidungsstücken verwenden. Es bleibt abzuwarten, ob sich sie sich langfristig als nachhaltige Textilvarianten etablieren.

6. Lotus für luxuriöse Stoffvarianten

In östlichen Ländern wie Myanmar oder Thailand messen die Menschen Lotusstoffen eine gewichtige Bedeutung bei. Hierzulande eher selten verwendet, setzen die fernöstlichen Bewohner Lotusfasern seit jeher für besondere Kleidungsstücke ein. Aus dem Herstellungsprozess geht schlussendlich ein luxuriöses Stoffgemisch hervor. Haptisch fühlen sich Lotusfasern wie eine Mischung aus Rohleinen und Seide an. Leicht, weich und atmungsaktiv, haben Lotusfasern eher das Potenzial für exklusive Luxusmode.

Quellen: Bilder: Depositphotos/catalin205, BestPhotoStudio, elwynn, IgorVetushko, Text: red