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Deutschland hat zu wenige Naturwälder
Naturschutz

Deutschland hat zu wenige Naturwälder

Bis zum Jahr 2020 wollte die Bundesregierung fünf Prozent der deutschen Waldfläche zu „Urwäldern von morgen“ zu erklären. Doch anstatt die heimische Biodiversität zu sichern, wird Deutschland sein selbst erklärtes Naturschutzziel ordentlich verfehlen, erwartet aber von anderen Nationen konsequenten Naturschutz. 

Gerade mal 2,8 Prozent der Wälder in Deutschland dürfen sich natürlich entwickeln. Das ist das ernüchternde Ergebnis einer aktuellen Studie des Bundesamtes für Naturschutz. Dabei hatte die Bundesregierung 2007, im Rahmen der nationalen Biodiversitätsstrategie geplant, bis 2020 fünf Prozent des Waldes forstwirtschaftlich nicht mehr zu nutzen. Statt mehr Tempo für den Schutz von Insekten, Vögeln und anderen Tierarten zu machen, wird das selbst gesteckte Naturschutzziel bis zum nächsten Jahr voraussichtlich nicht erreicht.

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„Es ist ein Armutszeugnis, dass Deutschland es nicht hinbekommt, dieses zentrale Naturschutzziel umzusetzen. Wir sind eines der reichsten Länder der Erde, erwarten von anderen Nationen, dass sie ihre Natur und Artenreichtum  erhalten, schaffen es aber innerhalb von zwölf Jahren nicht, den Anteil von unbewirtschafteten Wäldern zum Schutz der Biodiversität nennenswert zu erhöhen“, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) bemängelt zudem, dass bei den Bemühungen "Urwälder von morgen" und Wildnisgebiete abzugrenzen, zu wenig zusammenhängende Waldgebiete ausgewiesen wurden. Diese seien jedoch für Biotopverbände von großer Bedeutung.

„Aus Sicht des Waldnaturschutzes, aber auch für die Ziele der Bundesregierung ist es sinnvoll, dass die geschützten Waldflächen so groß wie möglich sind. Neben den Konzepten der Länder sind auch die waldbesitzenden Kommunen gefordert, mehr Naturwald und Wildnis zuzulassen“, so NABU-Waldexperte Stefan Adler. „Es müssen auch neue Finanzierungsformen für den Privatwald entwickelt werden, wenn dieser vorrangig für die Biodiversität, CO2-Speicherung sowie das Filtern von Luft und Wasser zur Verfügung gestellt wird. Diese Ökosystemleistungen sind gesellschaftlich unverzichtbar.“ 

Quelle: Naturschutzbund Deutschland e.V., Bild: Depositphotos/nature78, Text: Tine Esser