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Normalzustand: Mehr als ein Zimmer kann sich selbst ein Großfamilie in Ländern wie Bangladesh nicht leisten. Hier sind es 11 Personen, die in einem Mini-Zimmer leben. Oder besser hausen. Auch dank einer 'Geiz ist geil!'-Mentalität in der westlichen Welt. © Taslima Akhter/Clean Clothes Campaign

© Taslima Akhter/Clean Clothes Campaign

Wahrheit über kik: Diese Kleidung ist nicht tragbar

Billige Qualität, mieser Lohn, Spionage und unmenschliche Arbeitsbedingungen – der Textildiscounter kik kommt aus den Negativmeldungen nicht raus. Wieder mal zeigt sich, dass billig nicht immer gut ist.

Es waren grausame Bilder, die im letzten Dezember von den Nachrichtensendern bundesweit ausgestrahlt wurden. Ein brennende Fabrikhalle, sterbende Frauen und viele Tränen. Die Momentaufnahmen kamen aus Karachi, Pakistan. Verriegelte Notausgänge, Gitterfenster und kein Brandschutz brachten beinahe 700 Menschen den Tod. Es war ein grausamer Tod durch Feuer, der nicht sein musste. Wenn die Verantwortlichen mehr Moral und Menschenliebe gezeigt hätten. Aber Billig-Textilhändler wie kik sehen mit ihren Augen ganz woanders hin, wie NDR, die Zeit oder netmoms berichten. Dorthin, wo für wenig Geld viel zu verdienen ist. Und wenn nötig auf Kosten von Menschenleben, wie das Beispiel von Karachi zeigt. Nach diesem verheerenden Unglück wurde der Discounter von der Kampagne für Saubere Kleidung/Clean Clothes Campaign aufgefordert, seine Arbeitsbedingungen grundlegen zu ändern. Von kik kam keine öffentliche Stellungnahme, was zeigt, wie wenig Respekt und Sorge für die Arbeiter vorhanden ist.

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Wer nicht um 8 Uhr morgens pünktlich zur Arbeit erscheint, bekommt wichtige Boni nicht ausbezahlt und hat noch weniger Gehalt als so schon... © Taslima Akhter/Clean Clothes Campaign

Wer nicht um 8 Uhr morgens pünktlich zur Arbeit erscheint, bekommt wichtige Boni nicht ausbezahlt und hat noch weniger Gehalt als so schon... © Taslima Akhter/Clean Clothes Campaign

So billig wie möglich

kik ist Deutschlands siebtgrößter Textil-Einzelhändler. Mit über 3.200 Geschäften in acht europäischen Ländern und einem Umsatz von über 1,69 Milliarden Euro ist er einer der profitabelsten Kleiderhersteller in den Produktionsländern in Fernost. Die Herstellung der Ware soll so billig wie möglich sein. Hierbei liegt die Betonung auf Billig. Denn der Verbraucher kann bei den niedrigen Preisen der Textilien von kik null Qualität verlangen. Schon für 25 Euro lässt sich dort von Kopf bis Fuß einkleiden. Aber lässt sich diese Kleidung mit gutem Gewissen tragen? Unsichtbare Giftstoffe und Schadstoffe werden gerne mitverarbeitet, welche zu Kopfschmerzen und Allergien führen können. Für kik trotz eines verhängten Bußgeldes vom Amtsgericht Dortmund in Höhe von 35.000 Euro kein Thema, seine Arbeitsbedingungen zu ändern. Billig bleibt immer noch billig. Das heißt, immer noch nähen fleißige Hände aus ärmsten Ländern für wenig Lohn die Klamotten, die wir dann für wenig Geld kaufen und gerne tragen. Aber zahlt sich so eine Kaufeinstellung auf Dauer aus?

Vielleicht ein guter Anfang

Wie viel Angst kik vor der Wahrheit hat, zeigt der Umgang mit den eigenen Mitarbeitern. Viele Mitarbeiter wurden bespitzelt und ausgehorcht.

Bleibt noch eine positive Meldung zum Schluss: Dem Textildiscounter ist es wohl gelungen, Gelder aus einem Hilfsfond an die Familien der Brandopfer von Pakistan zu verteilen. Durch eine am 29.Januar 2013 etablierten Kommission wird festgelegt, in welcher Höhe die jeweilige Auszahlung sein wird. „Die ist ein historischer Schritt“, so Ali Karamt, Geschäftsführer von PILER, einer renommierten Nicht-Regierungsorganisation.

Vielleicht ein Schritt in die richtige Richtung. Immerhin leben wir alle auf ein- und demselben Planeten. Und der ist rund. Man kann sich also nicht aus dem Weg gehen.

Text: Peter Rensch
Bilder: ©Taslima Akhter/Clean Clothes Campaign