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Insektizide tödlich für Bienen und Hummeln
Insektengifte

Wirkung von Insektengift Sulfoxaflor bleibt Geheimsache

Sulfoxaflor ist als Ersatz für viele verbotene Neonicotinoid-Insektizide, die für Bienen und Hummeln tödlich sind, im Einsatz. Trotz dem Verdacht ebenfalls giftig für Bestäuber zu sein, weigert sich die EU-Kommission die Studien der Chemieindustrie herauszugeben, um die Umweltwirkung zu prüfen.

2015 wurde der insektizide Wirkstoff Sulfoxaflor als Alternative für gefährliche Insektengifte von der Europäischen Union zugelassen. Die Freigabe für den Einsatz in der Landwirtschaft wurde erteilt, obwohl wichtige Unterlagen zur Auswirkung auf Bestäuber und andere Nichtzielorganismen im Zulassungsantrag fehlten. Ähnlich wie bereits verbotene Neonicotinoid-Insektizide birgt der Einsatz von Sulfoxaflor im Freiland laut Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine erhebliche Gefahr für Honigbienen, wildlebende Insekten, Schmetterlinge, Hummeln wie auch für den Menschen.

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Bereits extrem geringe Mengen sind tödlich für die Bestäuber. Die fehlenden Daten für eine Zulassung wurden vom Hersteller zwar nachgereicht, allerdings ist nicht abschließend geprüft, ob der Einsatz von Sulfoxaflor in seiner derzeitigen Form bestehen bleiben kann. Dennoch ist das Pestizid weiterhin in mehreren EU-Staaten im Einsatz. Dazu Christine Vogt, Referentin für Landwirtschaft beim Umweltinstitut: „Es ist absurd genug, dass Pestizidhersteller die Studien zur Gefährlichkeit ihrer eigenen Produkte selbst schreiben. Dass diese Studien dann noch nicht einmal wissenschaftlich überprüft werden können, weil sie geheim bleiben, treibt das Ganze noch auf die Spitze.“ Denn die Kommission verweigert die Herausgabe der Studien zu Zwecken einer Einschätzung der Gesundheitsgefährdung von Mensch und Tier durch unabhängige Experten, beauftragt vom Umweltinstitut München. Als fragwürdige Begründung gibt die EU-Kommission an, dass der Antragsteller auf Geheimhaltung bestanden hätte. Nach langer Auseinandersetzung mit der Kommission wurde der Umweltschutzorganisation schließlich nur eine Zusammenfassung der Studien zur Verfügung gestellt, die jedoch so stark geschwärzt war, dass sich kaum oder gar keine Rückschlüsse auf die Studieninhalte ziehen lassen. Eine unabhängige Überprüfung ist damit nicht möglich. Scheinbar liegen in Brüssel die kommerziellen Interessen der chemischen Industrie weit höher in der Prioritätenliste, als voraussichtliche Umweltschäden. 

Quelle: Umweltinstitut München e.V., Bild: Depositphotos/Gorilla, Text: Tine Esser