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Kommentar auf Nachhaltigleben.de: Weihnachtsstress und Advents-Burnout

Es sollte die schönste Zeit des Jahres sein, doch für viele Eltern wird sie zum Alptraum. Advent, Advent ein Lichtlein brennt, erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann habe ich den Stress bald hinter mir. Ist es nicht traurig, dass man immer häufiger den Satz hört: „Hoffentlich ist Weihnachten bald vorbei ...“? Und haben Sie eigentlich gewusst, dass für Paare die Adventszeit zu einer besonders brisanten werden kann?

Wie sich die Zeiten gleichen. In der Ursprungsgeschichte, seit Generationen die Basiserzählung unserer Weihnachtszeit, irrten die hochschwangere Maria und ihr Mann Josef ziellos umher und suchten eine Unterkunft! Stress pur. Und heute? Mama und Papa irren durch die Straßen, suchen verzweifelt nach Geschenken und wollen den Kindern eine Adventszeit wie im Paradies bieten. Stress pur! Umfrage bestätigen, dass für viele Menschen die Vorweihnachtszeit die stressigste des Jahres ist. Wie bitte? Das Fest der Ruhe und der Besinnung wird zur Burnout-Falle? Adventszeit gleich Unruhezeit. Sogar eine aktuelle Allianz Studie warnt, dass die Unfallgefahr vor Weihnachten im Straßenverkehr besonders hoch ist. Der Grund dafür: Hektik am Steuer ...

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Weihnachten im Akkordtempo

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Geschenke einpacken, kann schnell in Stress ausarten. ©iStock

Sicherlich ändern sich die Zeiten und auch der Anspruch an Eltern wächst oder besser gesagt wird nach oben geschraubt. Von wem eigentlich? Heute reicht es nicht, wenn der Nachwuchs einmal die Woche ins Fußballtraining geht oder das Töchterchen Klarvierunterricht nimmt. Es muss mehr sein: Tennis, Fußball, Bastelgruppe und da ist doch noch Platz für Gitarre und die Gruppenstunde der Kirchengemeinde. Natürlich dürfen die Zeiten vor dem Computer nicht vergessen werden und schon gar nicht die Schularbeiten. Kein Wunder, dass schon Knirpse ein iPhone brauchen. Sie müssen ja ihre Termine verwalten können. Und all das staut sich dann in der Adventszeit. Jeder Verein hat seine Weihnachtsfeier, jede Kirchengemeine ihr Krippenspiel und dann muss noch im Akkordtempo gebastelt werden. Aufschieben geht nicht, der 24.12. ist nicht verrückbar. Wie die Eiger Nordwand thront der Termin vor der Familie und macht klar, dass bis dahin ALLES erledigt sein muss. Ein Marathon ist ein Witz gegen das Tempo, in dem die Erledigungen und Verpflichtungen abgespult werden müssen. Und die Geschenke dürfen nicht vergessen werden, ebenso wie die obligatorischen Besuche auf dem Weihnachtsmarkt, die nicht für Menschen mit akuter Platzangst geeignet sind, ebenso wenig für Knirpse, die eifrig durch die Massen geschoben werden und von der romantischen Weihnachtsatmosphäre so gut wie gar nichts mitbekommen, weil sie einfach nicht auf Augenhöhe sind mit Ständen, Kunsthandwerk und Weihnachtsschmuck.

Der Ursprung vom Weihnachtsfest

Aber nichts kommt von ungefähr. Ist der Weihnachtsstress nicht Ausdruck unseres Alltags? Multitasking, immer mehr Anforderungen im Job, Pisa-Studien, die Eltern verunsichern und die permanente Angst etwas falsch zu machen: Genug Gründe dafür, ALLES zu tun, damit es den Kindern besser geht. Problem dabei: Geht es ihnen wirklich besser? Verlieren Kinder nicht die Kindheit, wenn sie leben wie Erwachsene und verpassen Eltern nicht ihre Kinder, wenn sie sie nicht wie Kinder behandeln?

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Weihnachtszeit = Trennungszeit

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Streit unterm Weihnachtsbaum ist nicht ungewöhnlich. ©iStock

Dagegen hat Weihnachten eigentlich ein enormes Potenzial zu einem Fest der Freude zu werden. 81 Prozent der Deutschen freuen sich nämlich auf das Fest, obwohl 80 Prozent den Eindruck haben, die Weihnachtszeit sei zu kommerziell geworden. Das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Wochenmagazins „Stern“. Eine Studie der Scheidungsanwältin Deborah Jeff wiederum macht deutlich wie viel Druck im Kessel der Adventszeit brodelt. Eines von fünf Paaren trennt sich in dieser Zeit und die Befragten gaben an, dass sie in dieser Zeit im Durchschnitt vier Mal täglich streiten. Es fliegen also die Fetzen, während Lichterketten und Sterne an den Fenstern funkeln. Vielleicht liegt es einfach daran, dass die „schönste“ Zeit des Jahres nicht das bringt, was man erwartet: Ruhe, Entspannung, Frieden.

Weihnachten wird es immer geben, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Doch vielleicht wird es mal wieder ein Fest der Freude, bei dem Platz bleibt auf das zu blicken, was uns Weihnachten beschert hat: Ein friedliches, ruhiges Kindlein im Stall ...

Kommentar von Peter Rensch