Eier

© Michael Schütze - Fotolia.com

Die Skandal-Reihe oder warum sich Betrug lohnt

Eine Skandalwelle erschüttert Deutschland: Pferdefleisch in Lasagne und Co., Bioeier, die gar keine sind und Schimmelpilze im Kuhfutter. Das Motiv der Betrüger ist immer das Gleiche: Profitgier auf Kosten der Gesundheit der Verbraucher. 

Millionen Eier, die als Bioware ausgezeichnet und teuer verkauft wurden entpuppten sich als Mogelpackung. Sie stammten gar nicht von Freilandhühnern aus Ökobetrieben. Angefangen mit rund 100 Legehennen-Betrieben in Niedersachsen hat sich der Skandal auf acht Bundesländer ausgeweitet. Der Vorwurf: Die Legehennen sollen in überfüllten Ställen gehalten und nicht richtig gefüttert worden sein. Dichtgedrängt in Batterien gesperrt, teils apathisch,  wurden die Tiere gehalten – Tierquälerei pur.  Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Denn die Richtlinien für Bio-Betriebe sind streng. Jedem Huhn stehen 4 Quadratmeter Platz zu.

Es drängt sich die Frage auf, wie es passieren konnte, dass so viele Betriebe einfach die Richtlinien für Bio-Haltung umgehen?

Ein Ei gleicht dem anderen

Das verfängliche am Bio-Eier-Skandal ist, dass sich Eier aus Bio-Betrieben und aus konventioneller Erzeugung kaum im Aussehen oder im Geschmack unterscheiden. Auch die unterschiedlichen Färbungen der Schale lassen keine Hinweise auf die Erzeugung zu, sondern sind lediglich auf die Hühnerrassen zurückzuführen. Der einzige Unterschied besteht im Stempel und der lässt sich, bekanntermaßen, sehr leicht fälschen.

Doch, anders als beim Pferdefleisch, ist hier nicht nur der Verbraucher betroffen. Die Bio-Welt zeigt sich bedrückt, weil sie befürchten müssen, dass der Skandal ein schlechtes Licht auf die ganze Szene wirft. „Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten, geht es hier um Betrug in großem Stil: Betrug an den Verbrauchern, aber auch Betrug an den vielen Bio-Landwirten in Deutschland, die ehrlich arbeiten.“, so Ilse Aigner, Bundesverbraucherministerin.

Anzeige

„Bio-Eier“ bringen mehr als das Doppelte an Gewinn

Triebfeder für die Betrügereien ist mal wieder die Profitgier. Günstigeres Pferdefleisch als Rindfleisch zu deklarieren ist schon sehr raffiniert. Dann kam der Eier-Skandal, der das Ganze noch übertrumpft. Wo Bio drauf steht, ist nicht immer Bio drin – jetzt wissen wir es besser. Und das natürlich gerade zu dem Zeitpunkt, wenn der Bio-Markt boomt.

Legehennen

In Massentierhaltungen kommt häufig auch Antibiotika zum Einsatz, weil die Tiere auf so dichtem Raum schnell krank werden und die anderen anstecken ©  chris74 - Fotolia.com

Zahlreiche Bilder von Legehennen in Massentierhaltungen aus der Vergangenheit führten dazu, dass immer mehr Menschen zu Bio- bzw. wenigstens zu Freiland-Eiern griffen. Heute wissen wir, dass wir für den Preis nur Eier aus Bodenhaltung bekommen haben. Für die profitgierigen Händler war genau das das Entscheidende. Denn betrachtet man mal die unterschiedlichen Eier-Preise, dann wird deutlich welchen Trieb sie zu dem außerordentlichen Skandal geritten hat. Für eine Zehner-Packung Eiern aus Bodenhaltung mussten die Verbraucher im letzten Jahr durchschnittlich 1,20 Euro zahlen. Zehn Freiland-Eier sind mit 1,62 Euro schon teurer, doch die Bio-Eier schlagen mit durchschnittlich 2,86 Euro zu Buche. Ein Bomben-Geschäften! Täglich werden rund zwei Millionen Bio-Eier verkauft. Und noch besser: Für die Profit-Geier war dieses Geschäft sogar noch Gewinnsteigernd, denn jeden Tag werden in Deutschland mehr Eier verbraucht als produziert.

Jetzt geht’s an die Gesundheit!

Doch während man beim Rind-Pferde-Debakel und in der Bio-Ei-Mogelei nicht um seine Gesundheit fürchten muss, ist die Sachlage im neuen Skandal umso brenzliger. Denn nun wurde bekannt, dass  mit krebserregendem Schimmelpilz verseuchter Mais in Deutschland zu Futtermittel für Rinder verarbeitet wurde und dadurch auch in die Milch gelangte. Auch wenn erste Tests keine Auffälligkeiten ergaben, so bleibt dennoch das ungute Gefühl. Denn das darin enthaltene Aflotoxin B1, sollte so wenig wie möglich aufgenommen werden.

Und wieder wird alles auf dem Rücken der Bauern ausgetragen. Hunderte von Höfen in Niedersachsen bleiben bis auf weiteres geschlossen, da die Milchproben noch nicht ausgewertet sind. Denn es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass sich die giftigen Stoffe in den Lebern und Nieren der Schlachttiere abgelagert haben.

Am Anfang der Woche war es das Pferdefleisch, abgelöst von den angeblichen Bio-Eier und am Ende der Woche wird’s dann auch für die Gesundheit bedenklich. Nach diesen drei großen Lebensmittelskandalen innerhalb kürzester Zeit bleibt die Frage: Was kommt als Nächstes?

Text: Christina Jung