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Hubus - Mit Bioabfall und Würmern für ein grünes Stadtleben
Hubus - Abfall als Ressource Mit Bioabfall und Würmern für ein grünes Stadtleben

 

Hubus aus Berlin

 

Anja Carsten und Julia Seidel von Hubus: Mit Bioabfall und Würmern für ein grünes Stadtleben

Von zu Hause ausgezogen, fand Julia Seidel, einer der beiden Gründerinnen von Hubus, es zunächst befremdlich, Bioabfall in eine Mülltonne zu werfen. Sowohl ihre Großeltern als auch ihre Eltern hatten einen Kompost im Garten. Ähnlich erging es auch Mitgründerin Anja Carsten. In ihrer Wahlheimat Berlin gab es für sie keine zufriedenstellende Lösung, mit der Entsorgung von Küchenabfällen umzugehen.

Hubus: Bioabfall als wertvolle Ressource nutzen

Getrieben von der Idee, dass Bioabfall im Haushalt nicht länger als Müll, sondern vielmehr als wertvolle Ressource verwendet werden kann, lernten sich die beiden im Sommer 2016 kennen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Anja bereits die Idee mit der Wurmkompostierung, allerdings noch kein Modell in der passenden Größe und ohne Plastik gefunden.

Doch das Konzept für eine nachhaltige Alternative, die lokal produziert wird, war schon in ihrem Hinterkopf. Hinzu kam, dass die gebürtige Rheinländerin und studierte Geografin hauptberuflich noch im Auftrag der chemischen Industrie Zulassungsverfahren von bioziden Produkten prüfte – eine Tätigkeit, die für sie langfristig nicht mit ihren eigentlichen Werten zu vereinen war. Die Überlegung einer beruflichen Neuorientierung stand daher ohnehin für Anja auf dem Plan.

Umso besser passte es, dass Julia, die Biologie und Naturschutz studiert hat, sofort von der Idee mit den Wurmkompostern begeistert war und sie gemeinsam an den nächsten Schritten sowie der Entwicklung eines eigenen Produkts feilen konnten.

 

Bioabfalls als Ressource

Hubus: Kompostierung für Menschen in der Stadt erlebbar machen

„In der Stadt sind die Möglichkeiten, wie wir unsere Bioabfälle verwerten können, deutlich eingeschränkt“, erzählt Julia. Deshalb denken viele Menschen, die im urbanen Raum leben, möglicherweise gar nicht an das Prinzip der Kompostierung – verknüpft man den Gartenkompost doch eher mit dem Leben auf dem Land. Dabei ist insbesondere „die Wurmkompostierung so genial, weil sie so einfach ist“, schwärmen die beiden Gründerinnen. „Auch weil sie wirklich auf kleinem Raum und sogar in der Wohnung ohne Garten funktioniert.“

Die Vision der beiden ist es daher, mit Hubus „dieses uralte Prinzip in einem zeitgemäßen Gewand ins Bewusstsein der Menschen zu holen“ und sie mit natürlichen Kreislaufprozessen vertraut zu machen. „Der Kontakt zum natürlichen Kreislauf des Lebens schafft insbesondere bei Stadtkindern eine Verbindung zur Natur.“

2019 war es dann soweit: Die beiden gründeten Hubus und etablierten einen Online Shop mit den ersten Kompostsitzbänken. Inzwischen gibt es die Sitzbank in mehreren Größen und Ausführungen, auch ein DIY-Paket ist dabei – stets abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse. Das Prinzip ist immer das Gleiche: Kompostwürmer verwandeln Bioabfall in Wurmhumus, ein nährstoffreicher und natürlicher Dünger, über den sich alle Pflanzen freuen. Und das alles verpackt in einer schicken Holzbank.

 

Wurmkompostierung mit Hubus: So funktioniert‘s

Gärtner bezeichnen Wurmhumus auch gerne als „Schwarzes Gold“, wodurch klar werden dürfte, dass es höchste Zeit ist, Bioabfall die Aufmerksamkeit zu schenken, die er verdient – und ihn als wertvolle Ressource zu nutzen, anstatt ihn achtlos wegzuwerfen. Indem man Küchenabfälle zur Kompostierung nutzt, wirkt man nicht nur der Verschwendung von Biomüll entgegen, sondern steigt auch in die Kreislaufwirtschaft ein. So kann Wurmhumus genutzt werden, um eigene Dinge anzupflanzen, den Zimmerpflanzen etwas Gutes zu tun - oder den Bio-Dünger einfach an Nachbarn mit Garten zu verschenken. Die freuen sich auf jeden Fall.

Und Wurmhumus ist allemal besser als der Torf, der in der Regel der Blumenerde aus dem Baumarkt zugesetzt ist. Denn für die Gewinnung von Torf müssen Moore trockengelegt werden, wodurch Kohlendioxid freigesetzt und das Klima beeinflusst wird. Wurmkompostierung ist folglich auch Klimaschutz, so die beiden Gründerinnen von Hubus.

 

ecowoman

Hubus: Wenn Naturwissenschaftlerinnen ein Unternehmen gründen

Motivation genug für Anja und Julia, die Idee der Kompostsitzbank Hubus weiter voranzutreiben. Inzwischen haben sie auch diesbezüglich schon einiges geschafft, worauf sie stolz sind. So haben sie von der „Zusammenstellung der Materialien über die Fertigung und Verpackung bis hin zur Auslieferung“ ein nachhaltiges Konzept entwickelt. Gefertigt wird in zwei sozialen Werkstätten in Berlin, das ausgefeilte Verpackungssystem ist nahezu komplett kompostierbar und die Auslieferung erfolgt zumindest innerhalb von Berlin klimaneutral.

Doch bis die beiden Frauen an dem Punkt waren, wo sie heute stehen, gab es einige Hürden und Schwierigkeiten zu überwinden. Nicht nur, dass sie anfangs für ihre Idee belächelt wurden, dass sich jemand freiwillig Würmer ins Wohnzimmer stellt, sondern auch, weil sie sich viel inhaltliches und technisches Know-how aneignen mussten.

Denn eigentlich sind die beiden Hubus-Gründerinnen durch und durch Naturwissenschaftlerinnen. Weshalb es nicht zuletzt gerade am Anfang eine besonders große Aufgabe für die beiden darstellte, sich mit den komplexen Aspekten einer Businessgründung auseinanderzusetzen. Doch mit dem Unternehmen wuchs auch das Wissen von Anja und Julia. Und so hat inzwischen jeder seinen Aufgabenbereich, mit dem er sich auskennt und wohlfühlt. 

Während Julia alle Zahlen und Daten im Blick hat, kümmert sich Anja lieber um die Ausweitung des Netzwerks und die Kommunikationsarbeit. Bei der Konzeption und Umsetzung der Workshops hängt allerdings von beiden gleichermaßen das Herz, weshalb sie sich diese Aufgabe teilen.

Workshops über Wurmkompostierung: Naturbewusstsein näherbringen

Denn Anja und Julia entwickeln nicht nur den Komposter, sondern halten auch Workshops. Damit fing ursprünglich auch alles an: Die beiden haben ein Konzept für Schulklassen erarbeitet, bei dem Kinder die Wurmkompostierung mit allen Sinnen erleben konnten. Die Workshops bezeichnen die beiden Gründerinnen auch weiter als das Herzstück ihrer Arbeit, denn es bereitet ihnen noch immer große Freude, Menschen dabei zu unterstützen, die Wurmkompositierung und das Potenzial dahinter zu entdecken – inzwischen nicht mehr nur Kinder, sondern eben auch Erwachsene.

Termine:

Online-Workshop „Regenwürmer als Haustiere?“
15. Februar 2021 (Tag des Regenwurms), 19:00-20:15 Uhr, kostenlos

 

Deshalb gehört es auch zu den großen Plänen der beiden, dass sie ihr Workshop-Angebot noch ausweiten wollen. Beispielsweise für Kindergruppen, Jugendeinrichtungen, aber auch für Unternehmen und Organisationen – eben überall da, wo kompostierbare Essenabfälle täglich anfallen. „Denn in einer Welt, in der wir am Arbeitsplatz und unsere Kinder in Kindergarten und Schule kompostieren, entsteht nicht nur wahnsinnig viel Erde. Hier wächst bei allen Beteiligten jeden Tag das Naturbewusstsein, das sich in alltäglichen privaten Handlungen positiv auf die Umwelt niederschlagen kann“, so die Hubus-Gründerinnen.

Wurmkompostierung-Workshops: Kann man die Würmer essen

Mit ihren Workshops wollen die beiden den Menschen in der Stadt, aber auch auf dem Land, die Idee der Kompostierung näherbringen, sie von der Kreislaufwirtschaft im eigenen Haushalt überzeugen und ihnen das Potenzial von Wurmhumus zeigen.

Julia und Anja bieten die Workshops aber auch für all diejenigen an, die sich schon für eine Hubus-Kompostsitzbank entschieden haben und nun in die Wurmkompositerung einsteigen wollen. Sie erzählen über häufige Anfängerfehler und beantworten Fragen, wie es um die Geruchsentwicklung steht, ob die Würmer Sonne vertragen - und „ob man die Würmer auch essen kann“, erzählt eine der beiden Gründerinnen mit einem Schmunzeln.

Übrigens: „Da die Abfälle innerhalb kürzester Zeit und mit Sauerstoff verwertet werden, entstehen in einem Wurmkomposter keine unangenehmen Gerüche“, liefert Julia direkt die Antwort mit. Außerdem fühlen sich Kompostwürmer eher bei moderaten statt bei hohen Temperaturen wohl, können dafür aber problemlos drei Wochen alleine gelassen werden und dem Sommerurlaub steht nichts im Wege. Auch ist es rein theoretisch möglich einen Wurm zu essen, „allerdings dürfte es dann ordentlich zwischen den Zähnen knirschen“, so die Hubus-Gründerin Anja. „Das kommt vom Mageninhalt des Wurms.“

Pläne bei Hubus: Kompost-Community und essbare Stadt

Egal wie kurios die Fragen zur Wurmkompostierung auch sind, Julia und Anja freuen sich über jeden Kompost-Neueinsteiger. Denn langfristig ist es ihr Ziel, eine Art Kompost-Community aufzubauen. In Berlin steckt ein Netzwerk aus Kompostierern mittels Facebook schon in den Kinderschuhen, der Traum ist es, irgendwann eine deutschlandweite, aber vor allem auch eine analoge Community aufzubauen.

Die Idee dahinter ist, dass sich Menschen, die Wurmkompostierung betreiben, besser vernetzten und austauschen können. Aber auch, dass dadurch die Aktivitäten der Kompostierer für die Öffentlichkeit sichtbarer werden und sich mehr Menschen für die Kompostierung begeistern können.

Abfall als Ressource

 

Die Hubus-Gründerinnen wünschen sich, dass durch die Kompost-Community lokal eine Art Stammtisch entsteht, bei dem man sich über Kompostierung austauscht. Oder dass sich gemeinsame Aktivitäten für den Kiez, wie beispielsweise Begrünungstage etablieren, bei denen öffentliche Grünflächen erleb- oder auch nutzbar gemacht werden.

„Städte mit viel mehr essbarem Grün, ohne Abfall, weniger Autoverkehr und einer Nachbarschaftskultur des Helfens, Teilens und Unterstützens, wo Menschen überall ihren Bioabfall zur Kompostierung abgeben können - das wäre schon toll,“ träumen Anja und Julia von Hubus.

 
Quellen: Bilder: ©Hubus, Text: Lisa Bender