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Bei Christine Emter geht Bio auch unter Wasser
Bio-Fischzuchtbetrieb Bei Christine Emter geht Bio auch unter Wasser

Der Naturland zertifizierte Bio-Fischzuchtbetrieb von Christine Emter aus dem 68-Seelen-Dorf Welden in Oberbayern beweist, dass Aquakultur auch ökologisch, artgerecht und nachhaltig geht.

 

Bachsaibling

Bachsaiblinge und Bachforellen züchtet Christine Emter in Oberbayern.
© Sebastian Stiphout

Bei Aquakultur denkt man sofort an große Zuchtanlagen mit unwürdigen Haltungsbedingungen, Antibiotikaeinsatz und Mastfutter aus fragwürdigen Quellen ein. Ein ganz anderes Bild dagegen zeigt ein Besuch auf dem Naturland Fischzuchtbetrieb von Christine Emter. Der Zufall führte die gelernte Steuergehilfin 2016 zur Fischzucht. „Das ist mein Ort“, war ihr sofort klar als sie zum ersten Mal hier war. Idyllisch am Ortsrand von Welden im schwäbischen Landkreis Augsburg liegt ihre Fischzucht. Ein kleines Paradies. Das Wasser plätschert gleichmäßig von der Quelle hinab in die insgesamt zwölf Weiher. Rings herum hohe Bäume, die Schatten spenden und an Sommertagen dafür sorgen, dass das Wasser in den Teichen nicht zu warm wird. Das Areal stand damals zum Verkauf, da der Besitzer verstorben war. Spontan und eher aus Neugierde besichtigte sie gemeinsam mit ihrem Mann die Fischzucht. Und wurde kurzer Hand stolze Besitzerin eines 22.000 Quadratmeter großen Wasserareals mit Bachforellen, Bachsaiblingen und Stören. Letztere haben die Aufgabe, die Teiche sauber zu halten. „Am Anfang war die Fischzucht eine große Herausforderung für mich. Aber zum Glück hatte ich Hannah, die rechte Hand des Vorbesitzers, an meiner Seite. Sie hat mir viel beigebracht und ist mir bis heute eine große Hilfe“, erinnert sich Christine Emter. Eines wusste sie jedoch gewiss: Ihre Fische sollen es guthaben. „Ich bin Hobbyimkerin. Dabei habe ich gelernt, wie wichtig ein schonender und bewusster Umgang mit der Natur ist. Das wollte ich auch bei den Fischen“, erzählt die Bayerin. Daher entschied sie sich – genau wie der Vorbesitzer – nach den strengen Richtlinien des Bio-Verbands Naturland zu arbeiten. Neben viel Know-how braucht das vor allem auch Zeit.

„Gefüttert wird bei uns mit der Hand. Das ist zwar um einiges aufwändiger, aber so sehe ich sofort, wenn mit den Fischen etwas nicht stimmt“  

 

Fischzucht

Ausreichend Bewegungsfreiheit ist den Fischen geboten.
© Sebastian Stiphout

Verwendet wird nur zertifiziertes Bio-Fischfutter. Fischmehl und Fischöl im Futter stammen hier aus Resten der Verarbeitung von Speisefischen und nicht, wie sonst üblich, aus industrieller Fischerei eigens zur Futterproduktion. Daneben verzichtet Christine Emter auf Gentechnik, Hormone und Wachstumsförderer. „Bei uns dürfen die Fische artgerecht altern“, erklärt sie. In der Praxis heißt das: zum einen eine sehr niedrige Besatzdichte und zum anderen, dass die Fische in der Regel erst im Alter von drei bis vier Jahren geschlachtet werden. Das bedeutet aber auch mehr Futter. Denn ein großer Fisch mit viel Bewegungsfreiheit braucht davon reichlich. Und Bio-Futter ist fast doppelt so teuer wie konventionelles. Ihre Kunden wissen das zu schätzen. Sie beliefert hauptsächlich Bioläden und Restaurants in der Region. „Immer mehr Leute denken um und achten beim Kauf von Fisch auf artgerechte Haltung, Regionalität und Bio-Qualität. Mir ist außerdem wichtig, dass meine Kunden den gesamten Fisch verarbeiten. Nur das Filet – da wird mir zu viel weggeschmissen“, erklärt die Fischzüchterin

 

Christine Emter

Viel Liebe und Zeit steckt Christine Emter in ihre Fischzucht.
© Sebastian Stiphout

„Fischzucht ist ein Vollzeitjob. Ich bin das Ganze Jahr rund um die Uhr beschäftigt.“

Zweimal am Tag wird gefüttert. Hin und wieder müssen die Fische umgesetzt, die Teiche regelmäßig sauber gemacht werden. Im Herbst steht zusätzlich Laub harken auf dem Tagesplan, damit die Blätter nicht in die Teiche fallen. Das könnte sonst dazu führen, dass sich Algen rasant vermehren und dem Wasser Sauerstoff entziehen. „Und im Winter kümmere ich mich um die Nachzucht. Eine Aufgabe, die mich über mehrere Monate hinweg beschäftigt“, erzählt Christine Emter. Denn erst im April sind die kleinen Fische soweit, um nach draußen in die Weiher zu können. Die Arbeit ist anstrengend, dennoch würde sie diese nicht mehr gegen ihren früheren Schreibtisch-Beruf austauschen wollen.


 

Naturland


 

1982 gegründet ist Naturland der größte internationale Bio-Verband aus Deutschland. Mit mehr als 140.000 Bäuer:innen, Imker:innen und Fischwirt:innen in 60 Ländern steht Naturland dafür, dass ein ökologisches, soziales und faires Wirtschaften weltweit im Miteinander ein Erfolgsprojekt ist. Allein in Deutschland gehören bereits über 4.500 Erzeuger der Naturland Gemeinschaft an.

Das Naturland Zeichen tragen nur Produkte, die zu 100 Prozent nach Naturland Richtlinien produziert wurden. Unabhängige Kontrollstellen prüfen regelmäßig, ob die Richtlinien, die deutlich über denen der EU-Öko-Verordnung liegen, eingehalten werden. Naturland war nicht nur der erste Verband, der Öko und Fair in einem Siegel vereint hat, sondern hat das ökologische Prinzip auf die Erzeugung von Fisch und Meeresfrüchten in Aquakultur sowie auf nachhaltige Fischereien übertragen. Fisch aus zertifizierten Fischereien erkennt man an dem Naturland Wildfisch Label.

Weitere Informationen dazu finden Sie auf www.naturland.de.

Quellen: Text: red