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Gefährliche Lippenpflege: Wir verzehren 20g Erdöl pro Jahr
Gefährliche Kosmetik

Gefährliche Lippenpflege: Wir verzehren 20g Erdöl pro Jahr

Ob Labello, Bebe oder Blistex – Lippenpflegeprodukte sind für viele Menschen zum täglichen Begleiter geworden. Und dabei ist den meisten gar nicht klar, was sie sich da eigentlich auf die Lippen schmieren. Das Verbrauchermagazin ÖKO-TEST hat nachgeforscht und in vielen Lippenpflegestiften Mineralöle und andere problematische Substanzen gefunden.

Gerade jetzt im Winter wo die kalte Luft für spröde Lippen sorgt, greifen wir besonders häufig auf Lippenpflegeprodukte zurück. Umso wichtiger ist es, dass die Produkte frei von kritischen Substanzen sind, denn über den Mund gelangen sie leicht in den Körper. Das wissenschaftliche Beratergremium der EU-Kommission (SCCS) hat errechnet, dass jährlich bis zu 20 Gramm Lippenpflege im Magen landen – das ergibt einen „Jahresverzehr“ von bis zu vier Lippenpflegestiften pro Kopf.

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Problematische Zutaten in Lippenpflegeprodukten

Aus diesem Grund sollte man besonders bei Lippenpflegeprodukten darauf achten aus welchen Zutaten sie bestehen. Während die einen Anbieter vor allem Mineralöle verwenden, dürfen bei anderen nur Öle, Wachse und Fette tierischen oder pflanzlichen Ursprungs ins Produkt. Das ist etwa bei zertifizierter Naturkosmetik der Fall.

Das Verbrauchermagazin ÖKO-TEST hat in zehn von 24 untersuchten Lippenpflegeprodukten problematische Mineralölbestandteile gefunden. Dazu kamen teilweise noch allergieauslösende Duftstoffe, wie Hydroxycitronellal und chemische UV-Filter, die in Tierversuchen ein extrem hormonwirksames Potential aufwiesen. Unter den auffälligen Lippenpflegeprodukten waren auch bekannte Marken, wie Labello oder Bebe.

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Warum sind Mineralöle schädlich?

Kritisch in Produkten zur Lippenpflege sind vor allem gesättigte Kohlenwasserstoffe, wie Mosh (Mineral oil saturated hydrocarbons), aromatische Kohlenwasserstoffe, wie Moah (Mineral oil aromatic hydrocarbons) und die synthetischen Kohlenwasserstoffe Posh (Polymer oligomeric saturated hydrocarbons), die den Mosh sehr ähnlich sind.

Manche gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffe (Mosh) können sich im menschlichen Fettgewebe, sowie in der Leber und Milz anreichern und zu Organschäden führen. Die gesundheitlichen Folgen sind bisher nicht vollständig geklärt. Das gilt auch für Posh. Noch alarmierender ist, dass in manchen Pflegestiften zudem aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (Moah) enthalten sind. Unter diesen können sich Stoffe befinden, die schon in kleinsten Mengen als krebserregend gelten. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit sollten die potenziell krebserregenden und erbgutverändernden Moah in Lebensmitteln gar nicht vorhanden sein.

Mosh und Moah in Kosmetik stammen aus Zutaten auf Mineralölbasis. Posh gelangen über synthetisch hergestellte Inhaltsstoffe aus Kohle oder Biomasse in die Produkte.

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Finger weg von Vaseline

Auch Vaseline sollte nicht am Mundbereich eingesetzt werden, denn sie besteht zu 100 % aus Mineralöl. Da Vaseline nach Meinung der Experten nicht in tiefere Hautschichten eindringen könne, sei sie als Hautpflege ungefährlich. Doch eine Untersuchung von Wissenschaftlern aus der Schweiz hat Gegenteiliges bewiesen. Sie fanden heraus, dass bei stillenden Frauen, die sich mit Vaseline die Brustwarzen eincremten, der Mineralölgehalt in der Muttermilch deutlich anstieg. Somit liegt die Schlussfolgerung nahe, dass die Stoffe sehr wohl in die tiefen Hautschichten eindringen können.

Besser Naturkosmetik verwenden

Wer sichergehen will, dass seine Lippenpflegeprodukte kein Mosh, Moah oder Posh enthalten, sollte einen Blick auf die Zutatenliste werfen oder ein Naturkosmetikprodukt kaufen. Die Vorgaben für zertifizierte Naturkosmetik verbieten die Verwendung von Mineralölen komplett.

Quellen: ÖKO-TEST, Bild: Depositphotos/Voyagerix, Text: Meike Riebe