London wird Fahrrad-Stadt: Nachhaltig und umweltfreundlich
Mobile Zukunft

London investiert: Mit 1 Milliarde radfreundlichste Stadt Europas?

Nahezu eine Milliarde Pfund, etwa 1,1 Milliarden Euro, will Londons Bürgermeister Boris Johnson investieren, um Großbritanniens Hauptstadt fahrradfreundlicher zu machen. Ein großes, ausgeklügeltes Netz von Radwegen soll entstehen, eingerahmt von mehr Grün und mit maximaler Sicherheit versehen. Die umweltfreundliche Mobilitätsform soll so zum Alltag der Londoner werden.

Seit 2008 Bürgermeister der Stadt London und erst 2012 für eine zweite Amtszeit gewählt, ist Boris Johnson mit deutschen Wurzeln einer der anpackt. Er verbannte einen großen Teil des Individualverkehrs aus der Innenstadt, um einen schon längst alltäglichen Verkehrsinfarkt deutlich zu minimieren und die Luft zu verbessern, setzt massiv auf Hybridbusse im öffentlichen Nahverkehr und macht die schmuddelige Metropole insgesamt etwas grüner.

„Ich will jene Wünsche der Londoner wie auch der Besucher unserer Stadt erfüllen, die sie sich sehnlichst wünschen: Eine sauberere Stadt mit sicheren Straßen, ein besseres Nahverkehrssystem, und guten, bezahlbaren Wohnraum“, ist das Motto des Bürgermeisters, das er Stück für Stück umsetzen möchte.

Städtische Investitionen: Der Bürger und die Umwelt profitiert

Wie in deutschen Städten, so steigen mehr und mehr Londoner auf das Fahrrad, um mehr oder weniger kurze Fahrstrecken zurückzulegen. Insbesondere der Anteil jener, die ihren Weg zur Arbeit mit dem Rad bewältigen hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Wurde umgerechnet pro Einwohner der Stadt bis dato ein englisches Pfund (etwa 1,14 Euro) pro Jahr in die Radwegeinfrastruktur investiert, so soll sich dies in den nächsten Jahren mit 10 Pfund je Einwohner verzehnfachen. Zwar ist London damit noch lange nicht in den Bereich des Investitionsvolumens von Kopenhagen oder Amsterdam gelangt – Amsterdam gibt schon seit Jahren 20 bis 30 Euro pro Einwohner und Jahr für eine gute Infrastruktur aus -, dennoch ein guter Anfang, den sich so mancher deutsche Städter wünschen würde. Berlin beispielsweise bringt laut der Tageszeitung taz 2012 5,5 Millionen Euro für seine Radwege auf – bei 3,5 Mio. Einwohner sind dies gerade einmal 1,5 Euro -, selbst Münster, eine Radfahrerstadt investiere lediglich 5 Euro pro Einwohner und Jahr in das städtische Radwegenetz.

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So soll das Londoner Radwegenetz nachhaltig verbessert werden

Es soll eine 15 Meilen lange Hauptverkehrsader für Radler durch die City und in so wichtige Stadtteile wie Canary Wharf und Barking entstehen. Auch wird es ein ganzes Netzwerk an so genannten ‚Quietways' geben. Da sind verkehrsarme Nebenstraßen, die für Fahrradfahrer eine direkte, durchgängige und gut ausgeschilderte Alternative für die Fahrt aus der City in die Vororte und umgekehrt bieten soll.

London wird Fahrrad-Stadt: Nachhaltig und umweltfreundlich

Radfahrer in London erhalten eigene Straßen, sicher abgetrennte Wege und Schnelltrassen, die parallel zu Bus- oder U-Bahn-Linien die kürzeste Distanz von A nach B bieten. (c) Thinkstockphotos

Außerdem soll ein ‚Central London Grid' entstehen, ein Radwegenetz in der City und dem viele Einwohner zählenden West End. Dies sollen sicher abgegrenzte Wege sein, über Seitenstraßen führen oder es dem Radler erlauben, in Einbahnstraßen in beide Richtungen zu fahren. Um schnell voranzukommen soll es möglichst direkte Richtungen einschlagen und parallel zum Bus- oder U-Bahn-Netz verlaufen.

Dieses Netz soll sich mit der Hauptverkehrsader und den Quietways verbinden. Schließlich soll das vorhandene Wegenetz deutlich verbessert und sicherer gemacht werden. Einher mit dem Ausbau des Radwegenetzes geht eine Begrünungsoffensive der Straßen.

“Von den Investitionen in ein nachhaltiges Radwegenetz wird jeder profitieren”, ist Boris Johnson überzeugt. „Selbst wer keine Absicht hat, Fahrrad zu fahren, wird von weniger Luftverschmutzung, weniger Verkehr, mehr Sitze in der maßlos überfüllten U-Bahn und den grünen Alleen profitieren.“

Dr. Adrian Davies, Verkehrs- und Gesundheitsexperte, betont aber noch einen ganz anderen Aspekt. „Für jedes Pfund das in eine Radfahr-Initiative gesteckt wird, spart das nationale Gesundheitssystem NHS und profitiert die Wirtschaft mit bis zu vier Pfund.“ In der Finanzwirtschaft jedenfalls kann ein Anleger von so einem Return on Investment nur träumen.

Quellen: Cyclingweekly.co.uk, Transport for London, London.gov.uk, Wikipedia, Text: Jürgen Rösemeier