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Nachhaltigkeits-Ranking

Nachhaltig einkaufen? Gar nicht so einfach

Vierzehn beliebte Supermärkte sind auf ihre Kompetenz in Sachen Nachhaltigkeit untersucht worden. Das Ergebnis: Das Thema wird wichtiger, die Kommunikation nimmt zu, doch zu selten steckt auch wirklich etwas dahinter.

Es ist eine paradoxe Situation: Einerseits legen immer mehr Menschen Wert auf nachhaltige Produkte, weswegen auch das Angebot zunehmend größer wird. Andererseits ist es nach wie vor schwierig, tatsächlich mit gutem Gewissen in Supermärkten einkaufen zu gehen. Denn die sprechen zwar von Umwelt-, Klima- und Tierschutz, dahinter steckt aber häufig nur heiße Luft.

Das ist zumindest das Ergebnis des diesjährigen Supermarkt Rankings von Rank a Brand e.V. Jedes Jahr nimmt sich der Verein beliebte Lebensmittelhändler vor und untersucht sie im Hinblick auf Maßnahmen, Ziele und Resultate zu Klima- und Umweltschutz sowie Fairness im Handel. In diesem Jahr waren das Aldi Nord, Aldi Süd, Alnatura, Bio Company, Denn’s, Edeka, Kaiser’s, Kaufland, Lidl, Netto, Penny, real,-, Rewe und Spar.

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Je nachdem, wie gut oder schlecht die verschiedenen Kriterien erfüllt werden, erhalten die Händler ein Label (A bis E). Von den untersuchten Supermärkten konnte keiner ein A-Label ergattern, mit B ausgezeichnet und damit empfehlenswert sind nur die Bio-Märkte Alnatura, Denn’s und Bio Company. Rewe als bester Vollsortiment-Markt und Penny als bester Discounter haben immerhin ein C-Label erreicht, alle anderen Unternehmen schnitten im enttäuschenden D- und E-Bereich ab.

Supermarkt Ranking

Nur die Bio-Supermärkte haben ein B-Label erhalten und sind somit empfehlenswert

Transparenz: Große Klappe, wenig dahinter

Besonders enttäuschend ist die Kommunikation der Händler zur jeweiligen Unternehmensverantwortung in Bezug auf nachhaltige Themen. Während Themen wie Energieeffizienz, Tierwohl und Palmöl zumindest in einigen Supermärkten – allerdings meist wenig stichhaltig – herausgestellt werden, bleiben Müllvermeidung, erneuerbare Energie oder Fairer Handel weitgehend außen vor.

Einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen neben Alnatura nur Rewe- und Metro-Group, die für Rewe und Penny bzw. real,- zuständig sind. Vor allem im Vergleich zu anderen Branchen wie Unterhaltungselektronik oder Textilwirtschaft gibt es hier also noch eine Menge Nachholbedarf.

Klimaschutz: Nur die Bio-Märkte punkten

Immerhin, über Klimaschutz-Maßnahmen berichten mit einer Ausnahme (Aldi Nord) alle untersuchten Supermärkte. Eine gesamte Klimabilanz, anhand derer sich übrigens eine deutliche Reduzierung der Emissionen erkennen lässt, veröffentlichen erneut nur Rewe- und Metro-Group. Was erneuerbare Energien angeht, können ausschließlich die Bio-Märkte überzeugen, alle anderen Unternehmen kommunizieren unklar oder gar nicht über dieses Thema.

Kreislaufwirtschaft

Was die Ressourceneffizienz angeht, ist bei allen untersuchten Händlern noch Optimierungsbedarf

Umweltschutz: Bei allen Händlern ist noch Luft nach oben

Wenig überraschend ist, dass auch beim Umweltschutz Alnatura, Denn’s und Bio-Company positiv abschneiden, bildet dieser doch die Grundlage ihrer Unternehmensphilosophie. Enttäuschend ist aber, dass auch die Bio-Märkte bei Fragen zu Abfall, Verpackung und Ressourceneffizienz schwächeln; Alnatura kann hier noch am ehesten überzeugen. Alle Vollsortimenter und Discounter hinken derweil deutlich hinterher – vor allem, was das Tierwohl angeht. Immerhin können Edeka und Rewe Group bei Pamöl und Soja punkten. Eine umfassende Nutzung von nachhaltig zertifizierten Rohstoffen oder Alternativen kann aber keiner der untersuchten Händler vermelden.

Fairer Handel: Dringender Nachholbedarf in Sachen Fairtrade

Jeder der gerankten Supermärkte führt fair zertifizierte Produkte im Sortiment. Das ist allerdings wenig verwunderlich, da vor allem die Hersteller von Kaffee, Tee oder Schokolade inzwischen häufig Rohstoffe verwenden, die nach Fairtrade- oder UTZ Certified-Standards produziert und gehandelt werden. Darüber hinaus ist die Kommunikation zum Thema Fairer Handel allerdings sehr dürftig. Weder sind alle Eigenmarken der Unternehmen sozial zertifiziert, noch können sie angeben, wie hoch der Anteil solcher Produkte am Gesamtsortiment ist.

Wie nachhaltig sind die einzelnen Supermaerkte bei uns

Fazit: Verbraucher müssen mitentscheiden

Mit gutem Gewissen einkaufen ist gar nicht mal so einfach. Andererseits sind auch kleine Schritte wichtig auf dem Weg zu einer nachhaltigen Zukunft - und da gibt es durchaus gute Ansätze bei einigen der untersuchten Supermärkte. Grundsätzlich ist ein Einkauf im Bio-Markt immer empfehlenswert. Aber auch, wer seine Lebensmittel lieber im Vollsortimenter oder Discounter besorgt, kann durch bewusste Kaufentscheidungen – etwa durch den Verzicht auf Billigfleisch oder den Griff zum Bio-Gemüse – den Händlern zeigen, dass die Nachfrage an nachhaltigen Produkten vorhanden ist. Letztendlich haben wir als Verbraucher es nämlich mit in der Hand, dass das Ranking im nächsten Jahr vielleicht schon deutlich erfreulicher ausfällt.

Alle Infos zum Ranking finden Sie hier.

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Quellen: Rank a Brand e.V.; Bilder: Rank a Brand e.V., Thinkstock boggy22, Antonio_Diaz, Monkey Business Images; Text:  Ronja Kieffer