Trotz der bekannten Gefahr will die EU mehr Zucker im babybrei
Gefährliche Süße

Falsche Ernährung schon bei Säuglingen

Falsche Ernährung gilt als weltweit häufigste Ursache von schweren Krankheiten. Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen nicht selten zum Tod. Grund genug, etwas dagegen zu unternehmen und nicht stattdessen die Grenzwerte für Zucker in Babynahrung weiter anzuheben – oder, EU?

Kaum ein Lebensmittel ist in unserer täglichen Ernährung so allgegenwärtig und gleichzeitig so gefährlich wie Zucker. Nicht nur in Süßigkeiten, sondern auch in Brot, Ketchup, Müsli, Fertiggerichten und vielen weiteren Produkten ist der weiße Dickmacher enthalten. Inzwischen haben wir uns so sehr an den süßen Geschmack gewöhnt, dass uns viele Lebensmittel in ihrer natürlichen Form ohne Zuckerzusatz gar nicht mehr schmecken.

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Maximal zehn Prozent Zucker laut WHO

Diese Entwicklung beginnt häufig schon im Säuglingsalter. Die nach außen hin als gesund angepriesene Babykost enthält nämlich entgegen werbewirksamer Versprechungen eine ganze Menge Zucker. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt einen Zuckergehalt von maximal zehn Prozent. An diesen Richtwert halten sich aber längst nicht alle Hersteller: Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat aufgedeckt, dass in vielen Produkten der Zuckergehalt bei bis zu 25 Prozent liegt!

Sowohl Foodwatch als auch die WHO warnen regelmäßig vor den gesundheitlichen Auswirkungen, die diese Zuckermengen für Kleinkinder haben können. Die Überfütterung im Säuglingsalter erhöht das Risiko von Fettleibigkeit und damit auch von gefährlichen Folgekrankheiten. Mit der Zuckermenge steigt natürlich auch die Kariesgefahr. Außerdem werden Kinder schon von dieser frühen Lebensphase an auf den süßen Geschmack konditioniert und haben wenig Chancen, ihren Geschmackssinn auf natürliche Art und Weise zu entwickeln.

EU-Gesetzentwurf vom Parlament abgelehnt

Wer glaubt, der Gesetzgeber würde angesichts solch alarmierender Fakten eine Senkung des Grenzwerts für Zucker in Babynahrung vorantreiben, liegt nicht ganz richtig. Die Europäische Kommission will den erlaubten Zuckeranteil auf 30 Prozent anheben, womit er drei Mal so hoch wäre wie von der WHO empfohlen. Doch glücklicherweise ist der entsprechende Gesetzentwurf vom Europäischen Parlament abgelehnt worden. Die Abgeordneten waren sogar der Meinung, dass der Richtwert noch deutlich unter der von der WHO angeratenen Obergrenze liegen sollte, um die dramatischen Gefahren von falscher Ernährung von vornherein einzudämmen. Doch allein die Tatsache, dass die EU-Kommission ein solches Gesetz auf den Weg bringt, weckt einmal mehr die Vermutung, dass diese sich wohl eher an den Interessen der Ernährungsindustrie als an den Bedürfnissen der Verbraucher.

Auch wenn gesunde Ernährung ein kontrovers diskutiertes Thema ist, gibt es gewisse Grundlagen, an denen nicht gerüttelt werden kann und sollte. Eine davon ist es, so wenig Zucker wie möglich zu verzehren. Gerade bei Kindern, deren Körper und Organismen besondere Anforderungen haben, sollten Eltern außerdem großen Wert auf Inhaltsstoffe, Qualität und Herkunft der jeweiligen Lebensmittel legen. Daran erinnert auch der Weltgesundheitstag am 7. April 2016, der dieses Jahr unter dem Thema Diabetes stattfindet.

Babynahrung besser selbst kochen und auf künstliche Zusatzstoffe, Zucker und Salz verzichten.

ecowoman-Tipp: Babynahrung besser selbst kochen und auf künstliche Zusatzstoffe, Zucker und Salz verzichten. Für einen herzhaften Brei werden einfach Kartoffeln und Gemüse gekocht und püriert. Eine leckere „süße“ Mahlzeit entsteht aus der Verbindung von Grieß- oder Haferbrei mit Obst. Gut geeignet sind zum Beispiel Äpfel, Bananen, Birnen oder auch Beeren. Sie geben dem Essen eine natürliche Süße, sodass ihr Kind seinen Geschmack ganz ohne künstlichen Zucker selbst entwickeln kann.

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Quellen: medicalpress.de, Bild: depositphotos/ Len44ik/ focuspocusltd,  Text:  Ronja Kieffer