Mikrochip
Bezahlen per Mikrochip?

Bezahlen per Mikrochip - RFID Chip unter der Haut machts möglich

Es klingt, wie aus einem Science-Fiction-Film: Menschen lassen sich reiskorngroße Mikrochips unter die Haut implantieren, auf denen ihre gesamten Daten gespeichert sind. Aufwendige bürokratische Handlungen können so per Scan im Handumdrehen erledigt werden. Eine schwedische Firma hat mit dem Verchippen ihrer Angestellten bereits begonnen. 

Was bislang als Verschwörungstheorie durchs Netz kursiert, ist in Schweden längst Realität. Das schwedische Unternehmen Epicenter hat 150 seiner Mitarbeiter einen RFID Chip (Radio Frequency Identification) unter die Haut implantieren lassen. Auf dem Chip sind nicht nur die Daten der Mitarbeiter gespeichert, sondern damit können auch Sicherheitstüren geöffnet, Fotokopierer bedient oder in der Kantine bezahlt werden. Doch auch die Arbeitszeit der Mitarbeiter lässt sich durch den implantierten Chip minutengenau überwachen: Alle Arbeitspausen, wie der Gang zur Toilette, werden gespeichert.

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Bargeldlos bezahlen

An vielen Orten in Schweden bereits gängig: das Bezahlen mit dem Smartphone

Technologie bereits im Umlauf

Die Technologie des RFID-Chips ist bereits aus Smartphones und Kreditkarten bekannt. In vielen schwedischen Geschäften und Cafés ist das Bezahlen mit dem Smartphone gängige Praxis. Eine App verbindet das Gerät mit der Bank und die Transaktion ist im Handumdrehen getätigt.

Das gleiche Prinzip wäre auch mit dem Mikrochip denkbar, denn in Schweden ist Bargeld bereits rar. Viele Bankfilialen haben kein Bargeld mehr, mit dem Argument, so die Sicherheit der Kunden besser gewährlisten zu können, denn ohne Bargeld gäbe es auch keine Banküberfälle.

Mikrochip unter der Haut

Und so funktioniert‘s

Die elektronische Identität ist zunächst nicht mehr als eine 16-stellige Nummer, die pro Funkchip einmal vergeben wird. Der Chip befindet sich in einer Glaskapsel und wird unter die Haut gespritzt – so ermöglicht er den Zugang zu einem passwortgeschützten Bereich, in dem die elektronische Identität vervollständigt werden kann. Adresse, Kontodaten, Medikamente, Blutgruppe, Arztbesuche, Krankheiten, Versicherungen und Daten vom Arbeitsplatz können dort hinterlegt werden. Eine winzige Antenne am Chip funkt diese Daten in den Äther. Mit einem Lesegerät, etwa einem PC mit Internet-Anschluss oder einem Handy, können sie empfangen werden, falls dieses sich innerhalb der Reichweite von zehn Metern befindet.

ZDF-Beitrag über die bargeldlose Bezahlung per Chip

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In den USA wird schon lange gechippt

Der Chip wurde bisher als medizinisch unbedenklich eingestuft und bereits vielfach eingepflanzt. Denn nicht nur Schweden ist auf den Chip gekommen, auch in den USA sind die Implantate für manche Menschen bereits seit 2001 Realität. Dort vertreibt eine Tochter des amerikanischen Unternehmens Applied Digital Solutions (ADS) in Delray Beach, Florida, die winzigen Mikrochips.

In erster Linie sei der Chip für medizinische Notfälle gedacht, damit der Notarzt beispielsweise mit einem Scanner sofort die Medikamentenunverträglichkeiten seines Patienten erkennen kann, auch wenn dieser bewusstlos ist.

In der Betreuung von Demenzkranken soll der Mikrochip ebenfalls hilfreich sein: Verwirrte Menschen, die den Weg nachhause nicht mehr finden, könnten durch den Chip geortet werden.

Aus Angst vor Entführungen lassen aber auch wohlhabende Eltern ihre Kinder mit RFID-Chips ausstatten.

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Der Mikrochip als Statussymbol

Unglaublich, aber wahr: Im Baja Beach Club in Barcelona und in der Bar Soba in Glasgow erhalten Gäste VIP-Zugang, wenn sie sich von einem Disco-Arzt den Chip verpassen lassen. Sobald der Gechipte an einem Lesegerät vorbeigeht, weiß der Baja Beach Club, wen er vor sich hat und wie es auf seinem Konto aussieht. Wer hier einen Chip trägt, findet es cool. Aber auch die Bequemlichkeit spielt eine Rolle: Mit Bikini oder Badehose ist ein Portemonnaie am Leib nur lästig. Die Kontonummer im Arm dagegen ist unauffällig und kann nicht verlorengehen oder gestohlen werden.

Auch auf ProSieben wird bereits für den Mikrochip geworben

Wie sieht die Zukunft aus?

Der Keim für die Technologie ist gelegt und Softwareentwickler sind sich sicher: Mikrochips werden sich in Zukunft durchsetzen und Ausweis und Bargeld ersetzen. Doch wo führt das hin? Bislang können sich die Menschen noch freiwillig chippen lassen. Gefährlich wird es aber, wenn Druck von Seiten der Wirtschaft entsteht. Hier könnten Systeme errichtet werden, die denjenigen mit implantiertem Chip eine Reihe von Vorteilen gegenüber den Chip-Verweigerern bieten. Viele Arbeitnehmer würden den Mikrochip im Körper dann vermutlich akzeptieren aus Angst um ihren Arbeitsplatz. Und was wäre, wenn Kriminelle mit einer Schadsoftware Daten vom Implantat klauen? Zunehmende Kontrolle und wachsendes Misstrauen zwischen den Menschen werden vermutlich langläufig die Folgen sein, sollte sich der RFID-Chip weiter durchsetzen. 

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Quellen: Bilder: Screenshot/ Youtube_ZDF, Screenshot/ Youtube_ProSieben Galileo, Text: Meike Riebe