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Elektrohypersensibilität
Gefährliche Handystrahlung

Machen uns Elektrosmog und Handy-Nutzung krank?

Gibt es sie oder gibt es sie nicht? Kaum ein gesundheitliches Themenfeld ist so umstritten, wie Umwelterkrankungen. Eine davon nennt sich Elektrohypersensibilität (EHS) und tritt seit einigen Jahren immer häufiger auf. „Kein Wunder“, sagen die einen, denn durch den stetig wachsenden Gebrauch von Smartphone, Tablet und Laptop werden wir großflächig mit Mikrowellentechniken bestrahlt.

Seit Ende der 1990er-Jahre ist die gesamte Umwelt einer ständig steigenden Belastung durch künstlich erzeugte Strahlung im Frequenzbereich von 400 bis 5000 MHz (Mikrowellen) ausgesetzt, deren Stärke die natürliche Strahlung weit übersteigt. Das liegt an der flächendeckenden Nutzung unserer funkbasierten Geräte, mit denen wir stetig senden und empfangen.

Mehr als ein Drittel aller Deutschen nutzt inzwischen das Internet, es gibt kaum noch Haushalte, die nicht mit einem Funknetz verbunden sind. Hinzu kommt, dass technische Geräte noch nie zuvor so nah am Körper getragen wurden, wie heute: Das Handy in der Hosentasche, den Laptop auf dem Schoß. Hat das Auswirkungen auf unsere Gesundheit?

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Krank durch Strahlung

Die Politik erkennt es nicht an, aber mehr als 700 Studien, die biologische Effekte aufgrund von Strahlung nachweisen, sagen etwas Anderes.

Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Atemnot, Schwindel, Unfruchtbarkeit, Burnout und sogar Krebs sind nur einige der Symptome, die bei Elektrohypersensibilität auftreten können. Die Zahl der Menschen, die auf elektromagnetische Strahlen mit unterschiedlichsten Symptomen reagieren, steigt weltweit an. Der Umweltmediziner Dr. Harald Banzhaf ist der Meinung, dass alle Säugetiere elektrosensibel sind: „…denn nur aufgrund des Zusammenspiels von Elektrophysiologie und Biochemie können wir überhaupt leben. Jede der Billionen Zellen in unserem Körper ist angewiesen auf eine mehr oder weniger konstante Zellspannung. Mobilfunkstrahlung belegt gerade die Frequenzen, in denen auch die Zellkommunikation stattfindet. Diese dürfte unter keinen Umständen von außen gestört werden. Der Mensch mischt sich mit der künstlich erzeugten Strahlung also in natürliche Abläufe ein. Sie wirkt auf die Zellen als Störstrahlung und führt zu oxidativem Zellstress, einer Ursache vieler Krankheiten.“

In diesem abgelegenen Waldstu?ck in Nordbayern gibt es fast keine Strahlung. In dem Geba?ude sind Ru?ckzugsra?ume fu?r Elektrosensible geplant.

In diesem abgelegenen Waldstück in Nordbayern gibt es fast keine Strahlung. In dem Gebäude sind Rückzugsräume für Elektrosensible geplant.

Die Betroffenen

Wer von Umwelterkrankungen betroffen ist, braucht meistens viel Geduld und ein dickes Fell, bis Schäden erkannt und konkret zugeordnet werden können.

Der Physik-Professor Mario Babilon spürt die gesundheitlichen Auswirkungen von Elektrosmog am eigenen Leib. Bereits seit zehn Jahren leidet der Stuttgarter an starken Kopfschmerzen, für die es keine Erklärung gibt. Für Babilon begann damals eine Odyssee von Arztbesuchen – keiner konnte helfen.

Erst ein Zeitungsartikel brachte ihn auf die Idee, es könne sich um EHS handeln und um eine Reaktion auf das neu installierte WLAN-Netzwerk in den Besprechungsräumen. Daran glauben wollte der Wissenschaftler zunächst nicht, doch schon bald merkte er: Ohne WLAN-Netze in seiner Umgebung geht es ihm deutlich besser.

Der Physiker Mario Babilon ist elektrosensibel. Mit einem speziellen Messgera?t spu?rt er elektromagnetische Felder auf.

Der Physiker Mario Babilon ist elektrosensibel. Mit einem speziellen Messgerät spürt er elektromagnetische Felder auf.

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Auch die 15-jährige Hanna litt vor zwei Jahren plötzlich an starken Schmerzen und Atemnot. Im vergangenen Jahr konnte das Mädchen kaum zur Schule gehen. Mittlerweile ist sie bei dem Umweltmediziner Dr. Harald Banzhaf in Behandlung, der als Ursache für die Beschwerden Elektrosmog vermutet. Immer öfter kommen Menschen zu ihm, denen die klassische Schulmedizin nicht helfen kann und die mit den Kosten für eine alternative Behandlung alleine gelassen werden.

In Deutschland ist die Erkrankung nicht anerkannt, viele fühlen sich nicht ernst genommen. Und das, obwohl sich heute bereits eine Million Menschen selber als elektrosensibel bezeichnen.

Im Bundesamt fu?r Strahlenschutz wird getestet, wie viel Strahlung von einem Handy ausgeht.

Im Bundesamt für Strahlenschutz wird getestet, wie viel Strahlung von einem Handy ausgeht.

Bundesregierung erkennt EHS nicht an

Das für den Schutz der Bevölkerung zuständige Bundesamt für Strahlenschutz hat jahrelang versucht, Elektrohypersensibilität in Studien nachzuweisen – ohne Erfolg. Mittlerweile gilt das Krankheitsbild als ausgeforscht, weitere Studien sind vom Bundesamt zurzeit nicht geplant. Auch einen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und Mobilfunkstrahlung ist laut Bundesamt für Strahlenschutz nicht nachweisbar. Ausgeschlossen wird ein Krebsrisiko deshalb jedoch noch nicht. Die wissenschaftliche Diskussion gilt nicht als beendet, denn ein "Unschädlichkeitsbeweis" fehlt ebenfalls.

Demgegenüber stehen Forscher wie der schwedische Onkologe Prof. Lennart Hardell, der in verschiedenen Studien einen Zusammenhang zwischen Krebs und Handynutzung herstellen konnte. Der Krebsforscher glaubt nicht nur daran, dass Handystrahlung vor allem bei Vieltelefonierern das Risiko von Hirntumoren erhöht, er ist auch davon überzeugt, dass kritische Forschungsergebnisse systematisch ausgeblendet werden.

In Schweden gibt es strahlungsfreie Krankenhauszimmer. Ein spezieller Baldachin schu?tzt hier die Patienten.

In Schweden gibt es strahlungsfreie Krankenhauszimmer. Ein spezieller Baldachin schützt hier die Patienten.

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Fazit

Im Streit um die Auswirkungen von Elektrosmog stehen sich also zwei Lager gegenüber: Während die einen die Schädlichkeit von Strahlung nachweisen können, finden die anderen nicht genügend Beweise dafür. Ein Ping-Pong-Spiel dessen Leidtragenden, wie immer, die Verbraucher sind.

Spannend bleibt die Frage, was geschehen würde, wenn Elektrohypersensibilität offiziell als Krankheit anerkannt würde. Über die Nutzung seiner Endgeräte kann jeder individuell entscheiden. Doch der Dauerbestrahlung durch WLAN-Router von Nachbarn ist man fast schutzlos ausgeliefert. Werden Mieter in Mehrfamilienhäusern irgendwann gezwungen, wieder zum Kabel zurückzukehren und auf W-Lan zu verzichten? Und müssten Mobilfunk-Sendeanlagen dann wieder abgebaut werden, um der Zwangsbestrahlung zu entkommen?

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Quellen: ©ZDF/Jenny Roller-Spoo, Bilder: ©ZDF/Jenny Roller-Spoo, Depositphotos/olly18, Text: Meike Riebe