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Die Zero Waste Stadt Kamikatsu will bis 2020 komplett müllfrei sein
Zero Waste Stadt

Die Zero Waste Stadt Kamikatsu will bis 2020 komplett müllfrei sein

Kamikatsu ist eine kleine, ländliche Stadt in Tokushima, Japan, die einst mehr als 6000 Einwohner zählte. Inzwischen ist sie jedoch stark von der Abwanderung betroffen, so dass die Bevölkerung dort immer älter und kleiner wird. Doch in den letzten 30 Jahren, noch bevor Premierminister Shinzo Abe die „regionale Revitalisierung“ im Jahr 2014 eingeführt hat, entwickelte die Stadt bereits ihre eigenen innovativen Lösungen. Mit Erfolg: vor allem die Einführung einer „Zero Waste Politik“ kam gut bei den Bewohnern an.

Mit seinem beeindruckenden Müll-Management wurde Kamikatsu weltweit als „Zero Waste Stadt“ bekannt. 

Im Jahr 2003 verkündete Kamikatsu den Wunsch, anfallenden Müll zu reduzieren und so viel wie möglich zu recyceln. Neben der Erhaltung der Umwelt für zukünftige Generationen zielte die Stadt vor allem auf das ökologische Bewusstsein der einzelnen Bewohner ab und beschloss, dass bis zum Jahr 2020 niemand mehr Abfall für die Mülldeponie produzieren solle. 

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Daraufhin entwickelten die Menschen von Kamikatsu einen Fahrplan für die Verwirklichung einer „Zero Waste Stadt“ und haben bereits jetzt eine Recycling-Rate von über 80% erreicht. Die Stadtbewohner trennen ihren Hausmüll in 34 unterschiedliche Einheiten und bringen diese selbstständig zur lokalen Sammelstelle, wo aus den einzelnen Materialien etwas Neues produziert wird. 

Kamikatsu setzt auf Nachhaltigkeit

Zu den nachhaltigen Einrichtungen der Stadt gehört u.a. ein „Kuru-Kuru Geschäft“ – eine Tauschbörse in der gebrauchte Gegenstände kostenlos gegen andere nützliche Dinge eingetauscht werden können, um den Konsumkreislauf zu durchbrechen.  Außerdem gibt es in der Stadt auch eine „Kuru-Kuru Fabrik“, in der einheimische Frauen Taschen und Kleider aus ausrangierten Kleidungsstücken nähen. Das Zentrum und diese Einrichtungen werden von einer lokalen Non-Profit-Organisation namens „Zero Waste Academy“ verwaltet und betrieben.

Der nächste Schritt besteht nun darin, die Produktion von Abfällen komplett zu verhindern. Dieses betrifft nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Unternehmen, sowohl in und außerhalb der Stadt, die an der materiellen Produktion und Versorgung beteiligt sind. 

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Das Kamikats Gemeinschaftshaus

Das Kamikats Gemeinschaftshaus

So wundert es nicht, dass auch die neusten Gemeinschaftszentren der Stadt diesen Recycling- und Wiederverwendungscharakter besitzen. Das „Kamikatz Gemeinschaftshaus“ beispielsweise besteht ausschließlich aus Materialien, die beim Abriss anderer Häuser nicht mehr benötigt wurden.  Das Gemeinschaftshaus beherbergt eine Brauerei und einen Pub, der als Treffpunkt der Stadtbevölkerung dient. Auch Haushaltswaren, Nahrung und natürlich Bier werden hier nach Gewicht verkauft. 

Das nachhaltige Kamikats Gemeinschaftshaus

Das „Kamikatz Gemeinschaftshaus“ besteht ausschließlich aus Materialien, die beim Abriss anderer Häuser nicht mehr benötigt wurden

Ein Zeichen gegen Verschwendung

Das 8-Meter hohe Gebäude verkörpert als sichtbares Symbol die Zero-Waste-Ziele der Stadt. Von der Fassade, die mit doppelten Fenstern ausgestattet ist, bis hin zu den recycelten und renovierten Einrichtungsgegenständen, wurden für den Bau ausrangierte Elemente, teilweise aus der ganzen Stadt zusammengetragen und verwendet. Als Bodenbelag dienen beispielsweise alte Fliesen, die aus einer verlassenen Fabrik gebracht wurden. Gereinigte Flaschen wurden zu einem inpiduellen Kronleuchter umfunktioniert und die Wände sind mit recyceltem Zeitungspapier verkleidet. Für die Außenverkleidung des Gebäudes wurde eine natürliche Tannin-basierte Farbe auf Zedernholz aufgetragen. Der Deckenventilator verbreitet die Wärme aus dem CO2-neutralen Heizstrahler, der mit Zweigen aus dem Wald betrieben wird. 

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Das Kamikats Gemeinschaftshaus

Das „Kamikatz Gemeinschaftshaus“ ist voll von kreativen Improvisationen und zeigt, dass man auch aus Abfällen etwas Brauchbares erschaffen kann.

ecowoman

Verantwortlich für das nachhaltige Design ist dabei die Architekturfirma Hiroshi Nakamura & NAP. Diese gewann mit dem Bau bereits den WAN Sustainable Buildings Award 2016 und hofft, auch zukünftig weitere Projekte dieser Art realisieren zu können.

Da mehr und mehr Menschen aufwachen und feststellen, dass unsere Welt im Müll erstickt, gewinnt die Zero Waste Bewegung immer mehr Anhänger. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Bewegung nicht nur in unseren eigenen vier Wänden, sondern zukünftig auch in der Wirtschaft durchsetzt. Wie dieses Projekt zeigt, kann aus Abfällen tatsächlich ein neuer und schöner Ort für die ganze Gemeinschaft entstehen. 

So vermeidet Kamikatsu Müll:

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Quellen: Hiroshi Nakamura & NAP, Bilder: Koji Fujii_Nacasa & Partners Inc., Text: Meike Riebe