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Innatex
Janine Steeger

Green Fashion am Scheideweg?

Es ging überraschend hitzig zu bei der Paneldiskussion auf der Innatex, der internationalen Fachmesse für nachhaltige Textilien.

Ich habe dort zum wiederholten Mal die Moderation der Runde übernommen und hatte mich dieses Mal vor allem auf nette Geschichten von den Anfängen der Messe eingestellt. Die Innatex feiert nämlich in diesem Jahr ihr 20jähriges Jubiläum. Aber dann kam es zumindest in Teilen doch anders.

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Die Teilnehmer

Auf dem Podium saßen dieses Mal Boris Bärmichl, Herausgeber der Zeitschrift ECOenVIE, ein Magazin für nachhaltige Mode und Naturkosmetik. Boris Bärmichl beobachtet die Entwicklung der Grünen Mode seit 1984.

Ein weiterer Kenner der Szene und Teilnehmer des Panels: Bernd Hausmann, Inhaber der Glore Handels GmbH. Er hat gerade selbst ein Jubiläum zu feiern. Vor 10 Jahren eröffnete er seinen ersten Konzeptstore mit Green Fashion und war damit einer der ersten, die sich das getraut haben.

Sascha Schröder konnte die Entwicklung der Eco Fashion als Vertriebler beurteilen. Er ist Geschäftsführer der Trade Agency S.A.S. Deutschland und vertreibt ausschließlich Eco Label. So was wäre vor 20 Jahren undenkbar gewesen, weil es gar nicht ausreichend Label gab.

Julia Recker konnte die Green Fashion vor allem aus heutiger Sicht beleuchten. Mit ihrem Blog subvoyage gibt sie ihren Lesern Einblick in ein bewusstes Leben und präsentiert dabei auch immer wieder neue Modelabel aus dem Eco Fashion Bereich.

  • INNATEX 2016 - Internationale Fachmesse für nachhaltige Textilien
    Die Eingangshalle der Innatex war zum 20jährigen Jubiläum geschmückt mit vielen bunten Luftballons. In diesem Jahr im Juli findet aber schon die 40. Messe statt, da es die Innatex immer zwei Mal im Jahr gibt.
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Ein Schäfer im Aufzug

Es ging aber tatsächlich mit lustigen Geschichten los. Heike Heß saß im Publikum. Heute ist sie Leiterin der Geschäftsstelle des IVN - des Internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft. Vor 20 Jahren hat sie die Innatex gegründet.

Damals gab es 50 Aussteller, heute sind es mehr als 300. Die Zahlen steigen jährlich.

Damals haben viele der Aussteller vor dem Messezentrum gecampt, heute übernachten sie in Hotels.

Damals sah alles noch sehr nach dem klischeehaften Öko-Outfit aus, wie es immer noch viele Menschen im Kopf haben. Heute kann man sich vor coolen Labels kaum retten.

Dass da mit der Messe etwas Wichtiges und Richtiges entstanden ist, zeigt folgende Geschichte aus den Anfängen, an die sich Heike Heß erinnert: Ein Mann, ein Schäfer, der aus seinen Fellen auch Mode machte, kam offenbar zufällig vorbei und wollte unbedingt ausstellen bei der Messe. Aber es gab keinen Platz mehr. Er hat dann so lange gebettelt und insistiert, bis schlussendlich einer der Aufzüge für ihn still gelegt wurde und er im Aufzug ausstellen konnte.

Seitdem hat sich viel getan

So viel, dass einige Panelteilnehmer der Meinung sind: Die Branche muss jetzt neue Wege einschlagen, mutig sein.

Sascha Schröder beklagt, dass er viel mehr nachhaltige Label vertreiben könnte, als er es aktuell tut. Voraussetzung wäre aber, dass viel mehr Händler und auch große Warenhäuser sich für nachhaltige Mode interessieren und ihr freiwillig Fläche frei räumen oder aber die Label müssten für Fläche bezahlen, wie es konventionelle Label zuweilen auch tun.

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Bernd Hausmann teilt diese Auffassung und sagt ganz klar: Wir müssen bei den ganz Großen Mitspielen. Er hat davor überhaupt keine Sorge, obwohl es für ihn ja Konkurrenz bedeutet. Zum einen glaubt er an die Möglichkeit der Co-Existenz, zum anderen ist er einfach vom Wunsch erfüllt, dass so viel Eco Fashion wie möglich Verbreitung findet. Sein Traum ist ein Green Fashion Store direkt zwischen Zara und Primark, bisher seien die Mieten an solchen exponierten Stellen aber viel zu teuer.

Innatex 2016 - nachhaltige Textilien

Die Anzahl der Aussteller bei der Innatex wächst jedes Jahr, die Flächen sind sehr begehrt. Die Label präsentieren sich natürlich auch bei Modenschauen.

Eco-Fashion für die breite Masse

Ein Shop-Inhaber aus der Essener Innenstadt ist der Meinung, das kann nicht gelingen, weil die Nachfrage niemals groß genug sein wird.

Boris Bärmichl glaubt auch nicht dran, aber aus einem anderen Grund. Eco-Fashion für alle, das lasse sich allein aufgrund der eingeschränkten Ressourcen nicht machen, zumal bei ihm nur Green Fashion genannt werden darf, wo Natur- und Tiermaterialien drin sind.

Neue Materialien wie Tencel bspw. lehnt er ab.

Darüber hinaus ist er auch der Meinung, dass die Hersteller von Green Fashion teilweise viel zu preisgünstig anbieten.

Gleichzeitig rief er aber zu mehr Solidarität unter den Labeln auf, um durch gemeinsame Finanzierung lautstark die Werbetrommel zu rühren.

An diesem Punkt wurde die Diskussion etwas hitziger, vor allem als es darum ging, mit welchem Medium man denn diese Aufmerksamkeit erlangen könne. Boris Bärmichl glaubt nach wie vor an die Kraft des Fernsehens.

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Blogger ganz anderer Ansicht

Am Morgen vor dem Panel konnte ich mich mit einigen Bloggern austauschen, denen das Thema Nachhaltigkeit und bewusster Konsum sehr am Herzen liegen. Mit dabei Organisch Gedachtcookie dot and meAnnanikabuJan-Christopher Eggers.

Auch sie waren sich einig, dass Green Fashion größere Bekanntheit braucht und in jedem Fall für die breite Masse sein soll. Aber sie haben es auch alle ein bisschen satt, immer zu betonen, dass es sich um nachhaltige Mode handelt, bei der man das gute Gewissen mit kauft. Es soll einfach tolle Mode sein, an der Menschen Spaß haben.

Influencer sind die neue Fernsehwerbung

Die Blogger schauen selbst nur noch Sendungen on-demand, was Werbung anbelangt glauben sie an die Macht des Internets und insbesondere der Social-Media-Kanäle.

Man könnte meinen, sie müssen daran glauben, weil sie damit ihr Geld verdienen. Aber viele Experten bestätigen, dass der allgemeine Trend dahin geht.

Es geht ums Geld, trotz allem Idealismus

Bei allem, was diskutiert wurde, lässt sich zusammenfassend sagen: Auch in der Green Fashion Szene geht es ums Geld. Nicht darum riesige Gewinne zu erzielen und als Label im Geld zu schwimmen. Genau von dieser Form des Wirtschaftens haben sich ja die meisten ganz bewusst verabschiedet.

Aber um als gleichwertige Konkurrenz der konventionellen Label überzeugen zu können. Es scheint, als stünde die Green Fashion Szene an einem Scheideweg. Wie es weitergeht, erleben wir in den nächsten 20 Jahren.

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Quellen: Bilder: INNATEX & Simon Veith Fotografie, Text: Janine Steeger