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Tharaka Sriram - Von der Nichtschwimmerin zur Meeresschützerin
Meeresschutz Tharaka Sriram: Von der Nichtschwimmerin zur Meeresschützerin

 

Tharaka Sriram

Tharaka Sriram

Der Weg, den Tharaka Sriram gehen musste, um beim Meeresschutz anzukommen, war nicht gerade einfach und geradlinig. Und auch heute muss sie noch immer viele Umwege gehen und Steine wegräumen, die ihr in den Weg gelegt werden. Doch seit sie das erste Mal in die Tiefen des Ozeans eintauchte, weiß sie, wofür es sich zu kämpfen lohnt – und dass dabei Themen wie Rassismus und Sexismus nicht außer Acht gelassen werden können.

Tharaka Sriram: Was Meeresschutz und Menschenrechte gemeinsam haben

Tharaka Sriram hat eigentlich Politik- und Sprachwissenschaften mit dem Schwerpunkt Spanisch studiert – mit dem Ziel, sich in Südamerika für Frauenrechte zu engagieren, was sie 2008 dann auch in die Tat umsetzte. Während einem ihrer Aufenthalte in Peru kam sie mit Frauen in einem kleinen Fischerdorf in Kontakt, die ihr erzählten, dass die häusliche Gewalt in den letzten Jahren gestiegen sei. Der Grund: Ihre Männer fangen aufgrund von Meeresverschmutzung und industriellem Fischfang immer weniger Fisch, der jedoch die einzige Einnahmequelle ausmacht. Den Frust darüber lassen sie dann zuhause aus.

Bis dahin war Tharaka Sriram der Umweltschutz mehr oder minder egal, sie sah sich hauptsächlich im Bereich der Menschenrechte. Doch diese Geschichte ließ sie spüren, dass es da einen blinden Fleck bei ihrem Engagement gibt, über den sie nichts weiß, der jedoch nicht vernachlässigt werden kann, da es zu Überschneidungen zwischen Menschenrechten und Meeresschutz kommt.
 

 

Korallen und Fische im Meer

Sprachen als Brücke zum Meeresschutz

Tharaka Sriram bezeichnet diese Geschichte als eine ihrer Schlüsselmomente, wie sie zum Meeresschutz gekommen und dort bis heute auch geblieben ist. Dass sie beruflich eigentlich aus einem anderen Bereich kommt, hat ihr dabei weniger geschadet als geholfen.

Denn oftmals ist es genau der außenstehende Blickwinkel auf die Wissenschaft, der sie die entscheidenden Fragen stellen und die Themen herunterbrechen lässt, um sie verständlich nach außen zu tragen. Zum anderen sind es die sechs Sprachen, die Tharaka Sriram spricht, die ihr bereits viele Türen zu Personen und Themen geöffnet haben. Die Sprache übernimmt eine essenzielle Brückenfunktion zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, ohne die vieles nicht möglich ist.

So sagt die Meeresschutzaktivistin über sich, dass sie viele Dinge nicht erreicht hätte, wenn sie nicht die verschiedenen Sprachen sprechen würde. Deshalb ist es eine wichtige Botschaft von Tharaka Sriram, dass sie alle Menschen dazu ermutigen will, Sprachen zu lernen.
 

Schwimmen lernen für den Meeresschutz

Tharaka Sriram »Ocean Education«

 

Nach ihrem Aufenthalt in Peru begann sie sich dann intensiv mit dem Thema Meeresschutz auseinander zu setzen und merkte schnell, dass das Thema nicht nur eine Laune von ihr ist. Bei ihrer Recherche kam sie mit Dr. Onno Groß, einem Meeresbiologen und dem Gründer der Meeresschutzorganisation Deepwave, in Kontakt, der sie fortan als Mentor zum Thema Meeresschutz an die Hand nahm und ihr wegweisende Impulse gab.

Dabei entdeckte Tharaka Sriram das Thema Meeresschutzgebiete für sich, doch in Deutschland gab es bislang noch keine Organisation, sie sich dafür einsetzt. So beschloss sie kurzerhand, selbst aktiv zu werden, und gründete die Meeresbildungsinitiative „Ocean Education“, mit der sie für die Schaffung eines weltweiten Netzwerkes von streng geschützten Meeresschutzgebieten kämpft. Dr. Groß verstarb 2016. Er wird ihr immer als ein Kämpfer für den Meeresschutz in Erinnerung bleiben.

Doch bevor sie damit richtig loslegen konnte, wollte sie sich zunächst selbst ein Bild vom Meer und dessen Situation machen – und plante eine 11-monatige Weltreise mit dem Segelschiff. Für die Meeresschützerin stand fest, es bringt nichts, das Meer nur vom Strand aus anzuschauen, sie muss schon mitten rein tauchen. Doch dazu musste sie zunächst einen Kredit aufnehmen – und mit 32 Jahren erst einmal schwimmen lernen.

Was sie die ersten 30 Jahre ihres Lebens wenig interessierte, schlug in eine völlige Faszination um, und sie will das Gefühl der Umarmung, wenn man ins Meer eintaucht, nicht mehr missen. Es ist einerseits die unendliche Weite und die Unberechenbarkeit des Meeres und auf der anderen Seite die Verletzlichkeit, die Tharaka Sriram berührt.

 

Verschmutzte Meere und Strände

Tharaka Sriram: Meeresschutz braucht mehr politisches Commitment

Was sie bei ihrer 11-monatigen Expedition in 17 Ländern unter Wasser sah, war erschreckend. Es bestätigte nicht nur, was sie zuvor auf den Konferenzen und bei ihrer Recherche erfahren hatte, sondern es war noch schlimmer.

Rund 5 Prozent der Weltmeere stehen unter Schutz, nur 2,5 Prozent davon sind streng geschützt – und viele der Schutzgebiete existieren nur auf dem Papier. Es dürfen weiterhin touristische Aktivitäten oder Fischerei stattfinden. Das hat für Tharaka Sriram allerdings nichts mit echtem Meeresschutz zu tun.

Sie zog für sich das Fazit, dass es mehr Geld, mehr Personal und auch die Politik und Wirtschaft mit an Bord braucht, um beim Meeresschutz wirklich voranzukommen und bereits bestehende Maßnahmen umzusetzen, sodass diese nicht länger nur ein fadenscheiniges Lippenbekenntnis bleiben. Mit ihrer Initiative Ocean Education will sie das nun entscheidend vorantreiben. Sie hält deshalb Vorträge und gibt Workshops zu Meeresschutzgebieten.

 

Tharaka Sriram

 

Meeresschutz ist interdisziplinäre Arbeit

Doch während ihres Arbeitsalltags, in dem sie sich vorwiegend für den Schutz der Meere einsetzt, merkt sie immer wieder, dass sie ihr ursprüngliches Thema der Frauenrechte nicht hinter sich lassen kann. Zu oft wird sie selbst als Frau oder auch als Woman of Color mit Diskriminierung konfrontiert.

Tharaka Sriram macht das immer wieder aufs Neue wütend. Doch diese Wut möchte sie in etwas Produktives umleiten und greift daher bei ihrer Arbeit zum Schutz der Meere Themen wie Sexismus und Rassismus immer mehr mit auf. Denn sie weiß inzwischen, alle Themen sind auf miteinander verbunden, sie lassen sich nicht ohne Weiteres kategorisieren. Deshalb weiß die Meeresschutzaktivistin ihren interdisziplinären beruflichen Background zu schätzen, denn der hilft ihr, Dinge ganzheitlich zu sehen und zu denken, was ihrer Meinung nach unabdingbar ist, wenn man Probleme lösen will.

 


 

EXXpedition: Frauen auf Mission für den Schutz der Meere

Nicht zu Letzt ist sie deshalb auch dankbar, dass es Organisationen wie EXXpedition gibt, eine globale Meeresinitiative, die als reines Frauenteam die Welt umsegelt, um auf die Auswirkungen, die Mikroplastik auf die Umwelt und den menschlichen Organismus haben, vor allem frauenspezifische Erkrankungen, aufmerksam zu machen.

Mit Ocean Education wurde Tharaka Sriram nun ausgewählt, EXXpedition im kommenden Jahr zu begleiten und gemeinsam mit elf Frauen von Fiji nach Vanuatu zu segeln. Die Frauen kommen alle aus unterschiedlichen Bereichen, weshalb auch hier ein interdisziplinärer Ansatz gefördert wird.

Im Rahmen von EXXpedition wollen die Teilnehmer*innen in den Austausch mit der Bevölkerung vor Ort kommen, um Erkenntnisse über die Auswirkungen der Meeresverschmutzung zu gewinnen, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Denn Tharaka Sriram glaubt fest daran, dass Ziele nur erreicht werden können, wenn man auch die Leute vor Ort als Expert*innen mit einbezieht und ihnen mit Respekt begegnet.

Außerdem erhofft sich die Münchnerin von EXXpedition, dass das Thema Meeresschutz immer mehr in der Bevölkerung ankommt und zunehmend die Menschen verstehen, dass wir die Ozeane schützen müssen – und zwar nicht nur unseretwillen, sondern weil es ein wunderschöner, wichtiger und deshalb schützenswerter Ort auf der Erde ist.

Kontakt:

Website: LinkedIn-Profil

Unterstützung: Gofundme-Kampagne

Instagram: OE_OceanEducation
Twitter: TharakaSriram
Facebook: oceanandeducation

 

Quellen: Bilder: ©Tharaka Sriram; Depositphotos/Soft_light69, vitaliy_sokol, Text: Lisa Bender