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Der Nachhaltigkeit auf der Spur: Puma ist jetzt grün

Einsicht ist bekanntlich der erste Weg zur Besserung. Deshalb hat sich Sportwarenhersteller Puma selbst an den Pranger gestellt und Mitte November offiziell vorgerechnet, welchen Schaden das Unternehmen durch Umweltverschmutzung und Ressourcenabbau verursacht hat. Diesem Beispiel sollen auch andere Marken des Luxusmarkenkonzerns PPR folgen, darunter Gucci, Yves Saint Laurent und Stella McCartney, zudem auch der Sportartikelhersteller Puma anteilsmäßig gehört.

Puma will grüne und nachhaltige Mode herstellen.

Außenansicht der ersten klimaneutralen Firmenzentrale des Sportartikelherstellers. Foto: © Puma - Herzogenaurach.

Nachhaltigkeit, Corporate Responsibility, unternehmerische Verantwortung - grüne Schlagworte, denen man immer häufiger begegnet. Immer mehr Unternehmen stellen sich ihrer gesellschaftlichen und ökologischen Verantwortung. Zeugnis ihres Engagements sind die meist jährlich veröffentlichten Nachhaltigkeitsberichte. Darin legen sie die umgesetzten Maßnahmen und erzielten Fortschritte ihres ökologischen, ökonomischen und sozialen Handelns offen. Jetzt schlägt Sportbekleidungshersteller Puma erstmals neue Wege ein. Das in Herzogenaurach ansässige Unternehmen prahlt nicht damit, was es bereits erreicht hat. Im Gegenteil: Es legt anhand einer ökologischen Gewinn- und Verlustrechnung selbstkritisch offen, wo noch dringender Handlungsbedarf besteht.

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145 Millionen Schaden

145 Millionen Euro, das ist die unlaubliche Summe, die Puma selbstkritisch als Schaden benannt hat, den das Unternehmen im Jahr 2010 durch Umweltverschmutzung und Ressourcenabbau weltweit verursacht hat. Mit 33 Prozent hat der Wasserverbrauch daran den größten Anteil, gefolgt von dem Ausstoß an Treibhausgasen (32 Prozent) und der Landnutzung (26 Prozent). Luftverschmutzung und Abfall folgen auf Platz vier und fünf.

Puma will in seinen Produktionsstätten nachhaltig und ökologisch sein.

Produktionsstätte in Vietnam. Nachhaltig wird bei Puma nun groß geschrieben.  Foto: © Puma.com

Puma hat die 145 Millionen Euro auch hinsichtlich der produzierten Warengruppen, der Produktionsstandorte und Fabrikationsstufen aufgeschlüsselt. Demnach verursacht die Herstellung von Schuhen mit einem Anteil von 66 Prozent die meisten Kosten (vor Textilien und Accessoires), was unter anderem auf die aufwändige Bearbeitung von Leder, Kautschuk und Kunstfasern zurückzuführen ist. Aufgeschlüsselt nach Standorten entstehen in Asien und dem Pazifikraum die größten Schäden (67 Prozent), weil sich dort ein Großteil der Produktionstätten befindet. Und gemessen an den Fabrikationsstufen findet sich der größte Raubbau ganz vorn im Wertschöpfungsprozess, nämlich dort, wo die Rohstoffe Baumwolle, Leder und Kautschuk erwirtschaftet werden (57 Prozent). Denn darin spiegeln sich Effekte wie Wassermangel, Entwaldung, Bodenerosion, Methanproduktion, Gewässerüberdüngung sowie Boden und Wasserverunreinigung wider.

Eine ökologische Gewinn- und Verlustrechnung

„Diese weltweit erste ökologische Gewinn- und Verlustrechnung von Puma macht deutlich, welchen hohen Wert die natürlichen Ressourcen besitzen, die wir für selbstverständlich erachten und ohne die ein Unternehmen nicht bestehen könnte“, so Jochen Zeitz, Vorsitzender des Puma-Verwaltungsrats. Und das ist nur der Anfang. Puma zufolge soll künftig auch der monetäre Gegenwert von Arbeitsbedingungen, geschlechtlicher Gleichberechtigung oder dem Lebensstandard miterfasst und zu einer umfangreichen ökologischen, sozialen und ökonomischen Gewinn- und Verlustrechnung zusammengefasst werden. Außerdem will Pumas Mutterkonzern PPR die Berechnung bis 2015 auf alle Tochtergesellschaften ausweiten. Dazu zählen unter anderem die Luxusmarken Gucci, Yves Saint Laurent und Stella McCartney.

Nachhaltige Produktion lenkt zukünftige Kaufentscheidungen

Die internationale Stiftung Global Nature Fund begrüßt die Pionierleistung des Sportartikelherstellers und fordert, solche ökologischen Gewinn- und Verlustrechnungen verpflichtend einzuführen. Denn dann könnten die Umweltkosten auf die einzelnen Produkte umgelegt und so zumindest teilweise weitergegeben werden – zum Beispiel in Form von Preiserhöhungen an den Kunden oder in Form von steuerlichen Auflagen an die Hersteller.

Vielleicht tragen Konsumgüter in Zukunft zwei Preisschilder. Dann hat nicht nur die Höhe der Kosten für ein Produkt einen Einfluss auf die Kaufentscheidung, sondern auch seine möglicherweise nachhaltige Produktion.

Text: Inka Stonjek