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Organspendeausweis
Organspende

Nur mit dieser Lösung werden endlich mehr Organe gespendet

Viele schwerkranke Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Kann ihnen die Einführung eines neuen Organspende-Registers wirklich helfen? 

Schwerkranke Menschen warten noch immer auf Organspenden

In Deutschland gibt es aktuell etwa 8000 schwerstkranke Menschen, die dringend ein Spenderorgan benötigen. Um ihnen zu helfen, fordert die Ärztekammer Westfalen-Lippe anlässlich der Einrichtung eines bundesweiten Organspende-Registers eine Einführung der Widerspruchslösung bei der Organspende. Bisher gilt die Entscheidungslösung, welche laut der Ärztekammer nicht zu einer Erhöhung der Zahl von Organspendern beiträgt. Bei der Widerspruchslösung gelten alle Menschen generell als Organspender, es sei denn, sie haben dem ausdrücklich widersprochen. Bei der Entscheidungslösung darf dagegen nur bei ausdrücklicher Zustimmung ein Organ entnommen werden.

Darum ist die Entscheidungslösung unzureichend

Die Einrichtung eines Organspende-Registers wird von der Ärztekammer Westfalen-Lippe begrüßt. Gleichzeitig wird aber darauf hingewiesen, dass der Prozess des Eintragens in das Register unbedingt so leicht wie möglich gestaltet werden muss. Außerdem müsse die Eintragung rechtssicher sein, damit Angehörige die Entscheidung des Organspenders nicht mehr rückgängig machen können. Durch das „Gesetzt zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende“ aus dem Jahr 2020 wurde unter anderem der Aufbau eines bundesweiten Organspende-Registers beschlossen. Durch das Register soll es Spendern leichter gemacht werden, ihren Willen mitzuteilen. Obwohl laut Umfragen viele Menschen der Organspende positiv gegenüberstehen, gibt es immer noch zu wenige Spender, die ihre positive Einstellung auch zum Beispiel in Form eines Organspendeausweises dokumentieren. In Situationen, in denen dann noch zusätzlich die Angehörigen zweifeln oder mit der Entscheidung im Sinne ihres hirntoten Verwandten überfordert sind, wird die Chance für eine Organspende häufig nicht genutzt.

Mediziner sehen das neue Register kritisch

Es bestehen auch immer noch Zweifel daran, dass ein Online-Register alleine die Situation bei der Organspende deutlich verbessern kann. Grund für diese Zweifel bietet ein Beispiel aus der Schweiz. Hier gibt es nämlich seit Einführung eines Organspende-Registers keine deutliche Steigerung der Spenderzahlen. Bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation ist ebenfalls kein Land bekannt, in dem sich die Spendensituation durch ein Online-Register langfristig verbessert hat. Dr. Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, macht noch einmal deutlich, dass sich die Situation hierzulande dringend ändern muss: „Ich bin dafür, jeden sinnvollen Weg zur Steigerung der Spendenzahlen zu gehen. Doch am Ende wird uns nur eine Gesetzesänderung helfen. Wir brauchen in Deutschland die Widerspruchslösung! Das ist wahrlich keine neue Forderung, doch mit jeder neuen Initiative zur Steigerung der Spendenzahlen wird deutlich, dass es keine Alternative gibt.“

Quellen: Ärztekammer Westfalen-Lippe, Bild: Depositphotos/Colour, Text: Fatma Cevik