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Gefaehrliches Pestizid
Krebs-Verdacht

Glyphosat wahrscheinlich krebserregend

Wie gefährlich ist Glyphosat? Verschiedene Studien kommen zu grundlegend unterschiedlichen Ergebnissen: zwischen „unbedenklich“ und „wahrscheinlich krebserregend“ liegen Welten. 2016 stimmt die EU über die Wiederzulassung des Pestizids ab. Die Gesundheit von Millionen von Menschen steht auf dem Spiel.

Laut EU-Gesetzgebung muss alle zehn Jahre neu über die Zulassung eines Pestizids entschieden werden, nachdem dessen mögliche Auswirkungen auf Umwelt, Menschen und Tiere geprüft worden sind. Im Falle des Glyphosats sollte eigentlich sollte schon Ende dieses Jahres darüber entschieden werden, ob es weiterhin eingesetzt werden darf. Doch die Behörden benötigen mehr Zeit zur Prüfung, denn es gibt Widersprüche hinsichtlich der möglichen Gesundheitsschäden durch das weltweit am meisten genutzte Pestizid.

So hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) dem in den siebziger Jahren vom Agrarriesen Monsanto erstmals eingesetzten Pestizidwirkstoff Unbedenklichkeit bescheinigt. Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommen allerdings zu gänzlich anderen Erkenntnissen: Die WHO stuft Glyphosat als „wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen“ ein. Ein nicht gerade unbedeutender Unterschied.

EU-Verfahren zur Pestizidzulassung ist „mangelhaft“

Der Umweltverband BUND hat daher in einer Studie das EU-Zulassungsverfahren analysiert – mit ernüchterndem Ergebnis: „Note: mangelhaft“. Der Hauptgrund für die negative Bewertung ist die industriefreundliche Gestaltung der EU-Pestizidgesetzgebung. Es fehlt die kritische Distanz der Behörden zu den Herstellern von Pestiziden.

So werden beispielsweise die Studien zur Untersuchung und Bestätigung der Sicherheit eines Wirkstoffs ebenso von den Herstellern selbst geschrieben wie deren Bewertungen und müssen außerdem nicht einmal veröffentlicht werden. Unabhängige Studien müssen zwar berücksichtigt werden, wurden bisher aber noch nie als „Schlüsselstudien“ bewertet, da die Pestizidhersteller eine Vorauswahl treffen dürfen. Der BUND kritisiert den Zulassungsprozess entsprechend heftig und fordert Monsanto in einem offenen Brief zur Veröffentlichung der Herstellerstudien zur Sicherheit von Glyphosat auf.

Die Studie des BUND „Note: mangelhaft. Das  Zulassungsverfahren für Glyphosat“ finden Sie hier.

Quelle: BUND, Bild: Thinkstock © johavel, Flickr ©Paul Schulze CC BY 2.0,  Text: Ronja Kieffer