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Nestle Milchersatz Pulver kann Leben kosten
Babymilch-Skandal

Der Handel mit Menschenleben

Setzen, sechs! Nach dem Markencheck der ARD steht jetzt ein Lebensmittelgigant am Pranger, der sich selbst soziales Engagement attestiert, in Wahrheit aber zur eigenen Profitmaximierung weit mehr in Kauf nimmt als nur öffentliche Kritik.

Es sind schwere Vorwürfe, die der ARD-Markencheck in seiner Sendung vom 28. September gegen den Lebensmittelkonzern Nestlé erhebt. Geprüft wurden mehrere Aspekte, darunter auch die Fairness des Unternehmens. Und genau da stellten die Reporter die größten Mängel fest. Dass der Konzern die Privatisierung des Wassers in den ärmsten Regionen der Welt vorantreibt, ist kein Geheimnis und wird in der Öffentlichkeit teilweise heftig kritisiert.

Ein anderes Thema, das den meisten Menschen weniger geläufig sein dürfte, ist der Verkauf von Milchpulver als Muttermilchersatz in Afrika und Asien. Schon in den siebziger Jahren war das Schweizer Unternehmen in einen Skandal verwickelt, als jedes Jahr mehr als eine Million Babys starben, weil sie durch die Vermischung des Milchpulvers mit verunreinigtem Wasser Infektionen und Durchfall bekamen. Damals verkaufte Nestlé seine Produkte mit dem Hinweis, die Kinder würden sich mit deren Hilfe besser entwickeln als durch die Ernährung mit Muttermilch. Mütter bekamen kostenlose Proben – sogar in den Krankenhäusern wurden die Ersatzprodukte des Konzerns angepriesen.

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Erschreckende Erkenntnisse auf den Philippinen

Diese Ereignisse nahm die Weltgesundheitsorganisation damals zum Anlass, strenge Regeln zum Umgang mit Muttermilch und deren Ersatzprodukten festzulegen. Dazu gehörte das Verbot, Werbung für Milchprodukte zu machen, die speziell für Neugeborene gedacht waren. Außerdem wurden kostenlose Proben für Mütter ebenso verboten wie Werbegeschenke für Ärzte, Krankenschwestern etc.

Bei der Recherche auf den Philippinen förderte der Markencheck jetzt erschreckende Erkenntnisse zutage: Trotz der WHO-Regeln und strenger Gesetze füttern viele philippinische Frauen ihre Babys mit Flaschenmilch. Und obwohl Nestlé offiziell „nur“ ein Milchpulver für ältere Kinder bewirbt, berichten im Film viele Krankenschwestern von Produkt-und Werbegeschenken durch den Lebensmittelkonzern. Der weist alle Vorwürfe von sich, doch die Aussagen der Menschen vor Ort und die puren Fakten – auf den Philippinen stillen nicht einmal vierzig Prozent der Mütter ihre Kinder - lassen die Erklärungsversuche wenig glaubhaft erscheinen.

Besonders in Sachen Fairness fällt Nestlé beim ARD-Markencheck also glatt durch. Und auch in den übrigen Rubriken Preis, Geschmack und Gesundheitseffekt kann das Unternehmen nicht wirklich überzeugen. Welche Konsequenzen die erschütternden Ergebnisse haben,  bleibt abzuwarten.

Hier wurden die Produkte von Nestle getestet

Quellen: ARD, Bild: ARD, Text:  Ronja Kieffer