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Terence Valentin, Christopher Kaiser-Bunbury und James Mougal
Erneuerung Ökosystem

TU Darmstadt gibt Ökosystem Nachhilfe auf den Seychellen

Viele exotische Pflanzen verdrängen einheimische Arten und stören damit das empfindliche Ökosystem. Durch Restauration wird versucht, das ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen. Studien der TU Darmstadt belegen nun, dass sich Flora und Fauna mit Unterstützung teilweise wieder in ihren Urzustand zurückversetzen können. 

In einer großangelegten Feldstudie auf den Seychellen konnten Forscher der TU Darmstadt neue Einblicke gewinnen, wie sich das Entfernen exotischer Pflanzenarten auf das Ökosystem auswirkt. Bei der Restauration von Ökosystemen hat man bislang einfach alle exotischen Pflanzen entfernt, die sich zu dominant ausgebreitet hatten und alleinig die Reaktion der umgebenden Pflanzenwelt beobachtet. Dr. Christopher Kaiser-Bunbury aus der Arbeitsgruppe Ecological Networks am Fachbereich Biologie der TU Darmstadt erklärt dazu: "Bisher wussten wir aber nicht, ob und wie solche Eingriffe in die Vegetation sich auf die Bestäuber und damit auf wichtige Prozesse im Ökosystem auswirken."

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Der Gecko, ein einheimischer Bestäuber auf der Insel Mahé, besucht eine einheimische Pflanze

Der Gecko, ein einheimischer Bestäuber auf der Insel Mahé, besucht eine einheimische Pflanze.

Exakt diesen Fragen widmete sich jetzt das Forschungsprojekt. In einem abgesteckten Areal auf vier Inselbergen der Seychellen rodete man alle exotischen Pflanzenarten wie beispielsweise Zimt, Eukalyptus oder die Prune de France, so dass nur die ursprünglich heimische Vegetation übrig blieb. Auf vier weiteren Inselbergen ließ man zum Vergleich die Pflanzenwelt in ihrem derzeitigen Zustand. Über einen Zeitraum von acht Monaten zählte und katalogisierte Kaiser-Bunbury und sein Team die tierischen Bestäuber und beobachtete die Pflanzen. Nach Abschluss der Experimente wurde festgestellt, dass tierische Bestäubungsprozesse produktiver werden und das Pflanzen-Bestäuber-Netzwerk nach kurzer Zeit an Robustheit gewinnt. Die positiven Ergebnisse  sprechen dafür, dass die Wiederherstellung der hiesigen Vegetation zu "funktional diversen und robusteren Pflanzen-Tier-Netzwerken führt" und dadurch Schäden im Ökosystem teilweise umkehrbar seien. Die schnellen Effekte weisen erstmalig auf ein "ökologisches Gedächtnis" hin, wodurch sich die Natur in relativ kurzer Zeit durch Restaurierung erholen kann.

Fleischfressende Kannenpflanze

Die auf Mahé einheimische, fleischfressende Kannenpflanze braucht Tiere als Bestäuber ihrer Blüten und als Nahrung, die in den Kelchen verdaut wird.

Quelle: TU Darmstadt, Bild: TU Darmstadt/Sabrina van de Velde, Christopher Kaiser-Bunbury, Text: Tine Esser