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Die Farben der Ukraine sind blau und gelb, doch dieses Feld weht unter anderer Flagge © Ilya (CC BY-SA 2.0)
Landgrabbing in Europa

Landgrabbing in Osteuropa: Das Geschäft mit Ackerland

Begriffe wie Landgrabbing und Landkonzentration verbindet man eigentlich mit Ländern des globalen Südens. Aber auch in Osteuropa wird die Jagd nach Ackerland zu einem stetig wachsenden Problem. In Ungarn, Serbien, der Ukraine oder Rumänien werden bereits riesige Landflächen von internationalen Akteuren verwaltet, führt das Food First Information and Action Network an.

Die EU-Beitritte von Rumänien und Ungarn brachten eine Öffnung des dortigen Landmarkts für Investoren aus dem Ausland mit sich. Durch fehlende staatliche Unterstützungen für kleine und mittelgroße Bauern war dies zugleich eine Freikarte für Land Grabbing und erhöhte Konzentration von Landbesitzen. Die Verschiebung der Besitzverhältnisse führte zu großen Veränderungen der regionalen Landwirtschaft.

Beinahe die Hälfte aller europäischen Agrar-Betriebe sind kleine Bauernhöfe, welche aber nur etwa zwei Prozent der landwirtschaftlichen Flächen nutzen. Dahingegen kontrollieren Großgrundbesitzer  fünfzig Prozent der Nutzflächen und erhalten zudem innerhalb der EU-Agrarpolitik Förderungen durch öffentliche Gelder. So erfolgt eine Förderung der industriellen Landwirtschaft samt Anbau von Monokulturen, während kleinbäuerliche Betriebe aus der Landwirtschaft verdrängt werden.  Auch in Europa ist der Landzugang eine Frage des Menschenrechts, da Teile der Bevölkerung diesen für die Bestreitung ihrer Lebensgrundlagen benötigen.

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Verlust von Grund und Boden

Rumänien ist ein Brennpunkt dieser problematischen Entwicklungen. Ungefähr 8,5 Prozent - 700.000 Hektar - aller rumänischen Agrar-Flächen sollen bereits im Besitz transnationaler Firmen sein. Das angeeignete Land wird neben Landwirtschafts-Zwecken für Holz- und Energiegewinnung oder Tourismus genutzt, was eine exzessive Abholzung der rumänischen Wälder mit sich bringt. Vor allem Monokulturen, intensiv bewirtschaftet und für den den Export bestimmt, sind das Ziel der Großgrundbesitzer. Die lokalen Bewohner profitieren kaum von den Erträgen. So müssen rund 70 Prozent aller Nahrungsmittel in Rumänien importiert werden, während die Agrar-Konzerne die niedrigen Arbeitslöhne und Landpreise vor Ort ausnutzen. Daneben stehen Millionen von Kleinbauern vor dem Verschwinden, da sie mit ihren Produkten der Konkurrenz nicht standhalten können und gezwungen sind ihre Böden zu verkaufen. Um nicht zu verarmen, sehen viele ihre einzige Möglichkeit im Auswandern und man findet sie als Erntehelfer in anderen europäischen Staaten wieder.

Ebenso in Serbien ist ein Wettlauf um Ackerland entbrannt ist, das zur lukrativen Zone für Agrar-Investoren aus dem Westen wird – auf Kosten der lokalen Bevölkerung. Und, auch deutsche Firmen sind auf „Einkaufstour“ in Osteuropa. Nach Informationen der ungarischen Regierung sind etwa 1-1,5 Millionen Hektar des dortigen Nutzlandes unter der Kontrolle von ausländischen Investoren aus Österreich, Deutschland, Dänemark, den Niederlanden oder Großbrittanien. Folgen sind soziale Spannungen in den ländlichen Gebieten, die bäuerliche Bevölkerung reduziert sich ständig und überaltert zusehends. Die Selbstversorgung mit Lebensmitteln vermindert sich laufend.

In Deutschland bald ein ähnliches Bild wie in Osteuropa © marfis75, Martin Fisch (CC BY-SA 2.0)

In Deutschland bald ein ähnliches Bild wie in Osteuropa © marfis75, Martin Fisch (CC BY 2.0)

Land Grabbing in Deutschland

Landkonzentrationen können auch in Deutschland beobachtet werden. So halbierte sich in der Zeit von 1991 bis 2012 die Anzahl der Bauern und nur 1,6 % der Bevölkerung arbeiten heute in der Landwirtschaft. Wohingegen die Nachfrage nach Land durch nicht regionale Investoren auch ohne landwirtschaftlichen Hintergrund ansteigt, so das Amsterdamer Transnational Institute. Die Verdrängung von kleinbäuerlichen Betrieben ist nicht nur ein menschenrechtliches Problem. Auch nachhaltige Produktionsweisen von gesunden Nahrungsmitteln werden durch Land Grabbing eingeschränkt.

Quellen: Food First Information And Action Network, www.fian.at, www.tni.org, Titelbild: © Ilya (CC BY-SA 2.0)
Text: Kathrin Heiler