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Ökologische Landwirtschaft in London Farm-Shop.

Guerilla Gardening 2.0: Öko-Landwirtschaft in einem Londoner Gebäude

Öko- oder Biolandwirtschaft ist nachhaltig. Doch, was ist noch nachhaltiger? Das überlegten sich drei Londoner, die ständig auf der Suche nach Möglichkeiten sind, die Welt um sich herum zu verbessern. Resultat: Der wohl einzigartigste Bauernhof mit Café in, um und auf einem leerstehenden Geschäftsgebäude. Und es sollen mehr werden.

Ökologische Landwirtschaft inmitten einer Millionenstadt? Ein Londoner Geschäftshaus wird zum Bauernhof

 

Ökologische Landwirtschaft in London. Bildergalerie Ökologische Landwirtschaft in einem leerstehenden Geschäftshaus. Bilder, die staunen lassen.

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London hat nahezu 4.800 Einwohner je Quadratkilometer. Im Vergleich dazu, finden sich nur 520 Einwohner pro km² im beschaulichen Buxtehude ein. Selbst das quirlige Berlin hat 1.000 Einwohner auf dieser Fläche weniger. Nicht zuletzt auch dadurch ist die englische Metropole mit seinen fast 8 Millionen Einwohnern eine richtig hektische Stadt. Nimmt man die umliegenden Trabantenstädte hinzu, so kommt die Statistik sogar auf 13,5 Millionen Einwohner. Zwar gibt es traditionelle Parks, die den Londonern als grüne Lunge dient und bei jeder Gelegenheit von den Bewohnern besucht wird. Doch an Landwirtschaft, erst recht in ökologischer Hinsicht, ist in der Großstadt nicht zu denken. Bis jetzt.

Das wohl weltweit einzigartige Projekt der drei Londoner Andrew Merritt, Paul Smyth und Sam Henderson nennt sich «Farm:shop». Ein traditioneller «Farm Shop» ist mit unserem deutschen Hofladen zu verglichen, also auch ehe im ländlichen Raum zu finden. Dort werden üblicherweise Eigenprodukte aus der (Öko-)Landwirtschaft verkauft, die dem Konsumenten nachhaltig die Sicherheit geben, dass er gesunde Lebensmittel erhält. So auch nun im Farm-Shop der Londoner Querdenker. Nur, dass die «Farm», der Bauernhof also, sich in einem leerstehenden Geschäftsgebäude im nördlichen Stadtteil Hackney befindet. Mit der Intention, die Welt um sich herum zu verbessern, gingen sie mit Ihrer Firma Something & Son LLP einen komplett ungewöhnlichen Weg. Von Vorteil für das ungewöhnliche Landwirtschafts-Projekt war es, dass der Stadtteil in einer Initiative gegen den dort herrschenden Leerstand von Gebäuden kämpft.

Öko-Landwirtschaft im Herzen der Großstadt

Schon seit einigen Jahren arbeiten die drei Engländer in einer mit der Kommanditgesellschaft vergleichbaren Geschäftspartnerschaft ohne Komplementär zusammen, um, wie sie selbst sagen: «Kunst, Wissenschaft und wirtschaftliches Denken zu kombinieren».  Nicht zuletzt aus diesem Grund, ist ein raum auch für Kunstausstellungen vorgesehen und sollen Privat- wie Geschäftsleute die außergewöhnlichen Räumlichkeiten mit dem grünen Ambiente mieten können.

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So wurde als eines der Projekte der drei Kreativen die «FARM:» 2010 ins Leben gerufen. Hiermit soll die Landwirtschaft in die Stadt gebracht werden. Mehr noch. Derzeit wird ein Netzwerk entwickelt, um die Hofläden und die ökologischen Landwirtschafts-Betriebe in anderen britischen Großstädten zu etablieren.

Bauernhof, Cafe und Quiche genießen: Alles im Londoner Farm-Shop.

Mut zu Neuem, oder einfach modernste Technik nutzen? Aus Eigenanbau wird im Café die Quiche.

Was wird konkret im Farm:shop geboten?

Es werden Salat, Gemüse und Kräuter im Haus gezogen, Hühner auf dem Flachdach gehalten, in einem Foliengewächshaus im Hinterhof weitere Pflanzen gezogen und angebaut sowie Fische in großen Fischbecken gezüchtet. Und das Beste ist: In einem eigenen Café direkt im Haus können Gäste das Selbstgezogene in Form von Quiches, Pies oder Salatteller sowie kleinen Gerichten genießen. Und dies zu moderaten Preisen für Londoner Verhältnisse. «Wir wollen austesten, wie viel wir in dieser ungewöhnlichen Form der Landwirtschaft überhaupt anbauen können», so die Macher des Farm:shop, um die Belastungsgrenzen der vorhanden Räumlichkeiten zu erkennen. Und letztlich ist das Ziel von Londoner Andrew Merritt, Paul Smyth und Sam Henderson, die Londoner Bevölkerung dahingehend und nachhaltig zu inspirieren, dass eigentlich jeder sein eigenes Essen anbauen kann, seine Medizin – Stichwort Naturmedizin – oder sogar Textilfasern.

Man darf gespannt sein, wann und wo andere dieser Landwirtschafts-Projekte in englische und vielleicht auch deutsche Metropolen mit Leerstand Einzug halten. Denn: Es muss ja nicht nur das alte Geschäftsgebäude sein. Viehhaltung auf dem begrünten Fabrikdach, Pflanzenzucht in leerstehenden Lagerhallen mit UV-Licht, gespeist von Photovoltaik – Vieles scheint möglich, für all diejenigen, die das Konzept umsetzen wollen. Obst und Gemüse vom eigenen Balkon ist sowieso schon längst bei vielen Deutschen angekommen… Fazit: Guerlilla Gardening 2.0.

Quellen: Something & Son, Farm:shop, Text: Jürgen Rösemeier