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Bilder von Olympia 2012 in London: Grüne olympische Spiele

London: Die grünsten olympischen Spiele aller Zeiten?

Jetzt ist es soweit und die nächsten olympischen Spiele stehen in London an. Viele warten gespannt auf die Eröffnung und die sportlichen Hochleistungen, die dieses Mal nicht zu nachtschlafender Zeit vollbracht werden. Was viele nicht wissen: Das englische Olympia-Komitee setzt auf Umweltfreundlichkeit, Recycling und Ressourcenschonung. Zudem wurde an die Zukunft gedacht. Erleben wir die grünsten Spiele aller Zeiten?

Viele Medien kritisieren heute das Nachhaltigkeitskonzept des englischen Olympiakomitees. Die Spiele seien nicht müllfrei, ein geplantes Windrad zur Selbstversorgung mit Strom wurde geplant aber verworfen, sind nur ein paar Kritiken, die man in so mancher Onlineausgabe teils sehr renommierter Medien lesen kann. Besonders in Deutschland. Ist es das Sommerloch? Oder die stets nach Haaren in der Suppe suchende deutsche Journalie? Wer die Fakten und Zahlen der Olympischen Spiele in London mal genauer unter die Lupe nimmt, kann nur ein „Liker“ dieser Vorzeigespiele sein. Auch aus Umweltsicht.

Londons Olympia: Wider den Athener und Pekinger Gigantismus

  • Das gigantische Olympia-Stadion in London fasst 80.000 Menschen und ist umweltfreundlich gebaut. (c) Populous
  • Der Olympiapark wurde auf ehemaligen Fabrikgeländen gebaut. Die 2 Mio. Tonnen vergiftetes Erdreich wurde abgetagen und ein phantastischer, renaturierter Park entstand, ... (c) ODA_Anthony Charlton
  • ... dank der Renaturierung des Stadtteils, der den Londonern auch nach Olympia 2012 erhalten bleibt.
  • Das altehrwürdige Wembley-Stadion musste lediglich für die Spiele renoviert werden.
  • Das Velodrome ist ein Vorzeigebeispiel, nachhaltiger Architektur. Das ressourcenschonende, ultraleichte Dach ist aus FSC-zertifiziertem Holz und Recycling-Stahl. (c) ODA
  • Das Basketball-Stadion ist komplett recycelbar und wird nach den Spielen zurückgebaut. So werden Bauruinen wie in Athen oder Peking vermieden. (c) David Poultney at ODA/LOCOG
  • Die gigantische Schwimmhalle, die durch viele intelligente, umweltfreundliche Lösungen glänzt, hat Platz für 17.500 Zuschauer. (c) Steven Bates @ ODA
  • Tolle, noch dazu grüne Spiele können bei London 2012 in großartigen Stadien erwartet werden. (c) Justin Setterfield for LOCOG
  • Moderne trifft Tradition und Umweltbewusstsein: Das Olympiakomitee hat Respekt vor Umwelt und Natur. Von Anfang an. (c) LOCOG

Athen oder Peking haben es vorgemacht – viele Spielstätten sind heute Bauruinen, die keine Verwendung mehr finden. London dachte hier völlig anders und berücksichtigte schon zu Beginn der Planung vor sieben Jahren die Vergänglichkeit von Spielstätten der Superlative. Die Zeit nach Olympia sollte einen Mehrwert für die Londoner zurücklassen. Schon bei der Auswahl der Lage wurde dies berücksichtigt. Zwar gehört London zu den meist entwickelten Städten der Welt, aber auch hier gibt es städtebauliche Schandflecken  wie das „Stinky Stratford“ genannte Viertel, das von alten Fabriken und maroden Gebäuden geprägt war. Der Erdboden war vielerorts verseucht, durchtränkt von einem hochgiftigen Cocktail aus Benzin, Öl, Teer, Blei und Arsen.

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Natur und Sondermüll: Zwei Mio. Tonnen Erdreich entsorgt

Die Zahlen sind gigantisch: Auf einer 297 Fußballfelder großen Fläche wurden stattliche zwei Millionen Tonnen verseuchtes Erdreich ausgehoben, bevor der nahegelegene Fluss Lea ebenfalls renaturiert wurde und zu neuem Glanz erweckt worden. Denn 300.000 für Feuchtgebiete geeignete Pflanzen wurden entlang des River Lea gepflanzt und 2.000 einheimische, stattliche Bäume. Als Zugabe gab es ein modernes Radwegenetz für die Zeit nach den Abschlussfeierlichkeiten und als Mehrwert für die Stadtbewohner. So entstand ein Olympia-Park, der Seinesgleichen sucht in den Großstadtdschungeln dieser Welt. Wie nachhaltig hier gebaut wurde zeigt die Auszeichnung mit dem FSC-Siegel des Forest Steward Council, aufgrund der Verwendung von Bäumen aus einer nachhaltigen Forstwirtschaft zum Bau des Olympia-Parks.

Bilder von Olympia 2012 in London: Grüne olympische Spiele

Den Olympia-Machern war es wichtig, dass den Londonern auch nach den olympischen Spielen was zurückbleibt. So wie dieses renaturierte Naherholungsgebiet.

Nachhaltigkeit in der Planung der Arenen

Neben dem eigentlichen Olympia-Stadion, dem gigantischen Velodrome und der Wassersport-Arena gibt es fünf weitere, neugebaute Arenen für die Spitzensportler aller Nationen.

Das Velodrome

Das gigantische Gebäude für die hoffentlich nicht gedopten Radsportler verschlang Unmengen an Holz. Das von den Briten ‚Pringle‘ genannte Gebäude - die hölzerne Dachkonstruktion erinnert in der Tat an die Chips aus der Dose - verschlang 5.000 m² Zedernholz. Und selbst die eigentliche Rennpiste wurde aus 56 Kilometer Holz gefertigt. Da auch hier der Nachhaltigkeits- und Umweltaspekt eine große Rolle spielte, ist das Holz aus zertifiziertem Anbau und die 17 Kilometer Stahlseile der Konstruktion aus Recycling-Materialien. Zudem gab es noch eine natürliche Ventilation, die eine Klimaanlage unnötig macht. Nebenbei ist die innovative Dachkonstruktion des Gebäudes nur halb so schwer wie jenes eines vergleichbar großen Gebäudes, das 6.000 Zuschauern Platz bietet.

Das Aquatics Centre

Gigantische 160.000 Tonnen Erde wurden bewegt, um die drei Olympiabecken zu bauen. Diese fanden in der Nachbarschaft direkt Verwendung und ersetzten das verseuchte Erdreich des Olympia-Parks. Die Stahlkonstruktion der 17.500 Zuschauer fassenden Arena kommt aus Wales und die 866.000 in Großbritannien gefertigten Fliesen für die Umkleide, die Räume und die Pools wurden emissionsarm per Zug geliefert.

Überhaupt hat das Olympia-Komitee auf niedrige Emissionen der gigantischen Materialmenge geachtet und sich verpflichtet, dass mindestens 50 Prozent aller benötigten Baumaterialien per Zug oder auf dem Wasserweg die Spielstätte erreichen.

Das Olympia-Stadion

Der Austragungsort der Eröffnungs- und Abschlussfeierlichkeiten, das Olympia-Stadion, besitzt die leichteste Konstruktion aller Olympiastadien, die je gebaut wurden. Um das Gewicht der 80.000 Zuschauer fassenden Arena so gering wie möglich zu halten, wurde nachhaltig produziertes PVC für die Außenhülle und die Dachkonstruktion verwendet. Das verringerte den Materialeinsatz der stützenden Stahlkonstruktion, die aus 2.500 Tonnen Recycling-Stahl errichtet wurde, der andernorts übrig war.

London: Ein grüner Olympia-Traum?

Das Fußballstadion bestand bereits, das legendäre Wembley-Stadion, ebenso die Spielflächen von Wimbledon. Andere, wie die Basketball-Arena sind komplett recycel- und rückbaubar. Bei den hierbei verwendeten Materialien wurde ganz bewusst darauf geachtet, dass diese gute Verwendung andernorts finden. Ganz nebenbei liegen die Sportstätten so nahe beieinander, dass schon jetzt von einer Olympiade der kurzen Wege gesprochen wird.

London setzt auch aus der Notwendigkeit heraus auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Mit Erfolg. Denn es wird wohl kaum eine Großstadt derzeit auf der Welt geben, die sich mit einem Plan, London 2012, das ehrgeizige Ziel setzte, die Luftverschmutzung um 15 Prozent zu reduzieren. Das Ziel ist schon jetzt erreicht mit Maßnahmen wie einer großen Hybrid-Bus-Flotte, oder einem neuen, völlig autofreien Stadtteil, Strand East.

Meckern kann man immer. Doch die Beispiele sprechen für sich und sind ein Zeichen dafür, dass selbst Groß- und Größtereignisse die Umwelt im Auge haben können. Wer es noch besser haben möchte, der sollte dafür plädieren, die Olympischen Spiele abzuschaffen, ein Event, dass für den friedlichen Wettstreit aller Völker schlechthin steht. Doch dann wäre auch der vielzitierte ‚olympische Gedanke‘ Geschichte.

Text: Jürgen Rösemeier