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Lichthaus: Umweltfreundlich und nachhaltig bauen mit Recycling-Materialien

Von Urvätern lernen: Experimentell und umweltfreundlich bauen

Meme Meadows heißt ein experimentelles Haus des japanischen Architekturbüros Kengo Kuma Associates, das althergebrachtes Wissen in eine zukunftsfähige Architektur integrieren will. Das Projekt wird derzeit auf der japanischen Nordinsel Honshu durchgeführt, auf der es, ähnlich wie in unseren Breitengraden, bitterkalt werden kann. Wie mit Recycling und einfachsten Techniken ein Leben mit der Natur möglich ist.

Es ist lichtdurchflutet und soll ein Leben im gesunden Tag-Nacht-Rhythmus ermöglichen wie kein anderes Haus. Das Meme Meadows des japanischen Architekturbüros Kengo Kuma Associates ist ein Versuch, neueste Techniken und Erkenntnisse mit altem Wissen aus vergangenen Jahrhunderten zu einer kongenialen Symbiose zusammen zu führen.

Dabei ist die Basis denkbar einfach. Schon vor Jahrhunderten gab es letztlich zwei verschiedene Baustile in Japan. Die Bauerkenntnisse des Volksstammes der Ainu waren der Ideengeber für einen völlig neuen Baustil. Das in Japan „Chise“-Haus genannte Gebäude ist ursprünglich ein Haus aus Gras oder Bambus. Diese natürlichen Materialien wurden schon vor Urzeiten für die Wände und das Dach verwendet, gaben Wohnhäusern im kalten Norden Japans ihre besondere Charakteristik. Was aber noch wichtiger war: Die Verwendung dieser Baumaterialien in der entsprechenden Dichte diente schon damals der natürlichen Isolation vor Kälte. Dieses Prinzip wurde in Form von zwei Membranen aus Glasfieber-Stoffen, die mit recycelten PET-Flaschen gefüllt werden im Meme Meadows-Experimentierhaus übernommen.

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Dies isoliere optimal und habe zwei weitere Effekte: Das Innere des Hauses wird erhellt, deren Bewohner könnten dadurch in einem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus leben. Man steht auf, sobald es hell wird und geht zu Bett, wenn die Dunkelheit dem Haus die Beleuchtung nimmt. Daher wurde für dieses Experiment komplett auf eine künstliche Beleuchtung verzichtet und nur für das Aufzeigen der Lichtdurchlässigkeit und Darstellung der Konstruktion Licht für die Fotoaufnahmen eingesetzt. Eine Idee, über die man nachdenken kann, wird heute doch immer wieder von Lichtverschmutzung gesprochen, die die Menschen krank machen kann und viele Tiere irritiert.

Der weitere Effekt sei eine natürliche Luftkonvektion durch die diffusionsoffene, also atmende oder luftdurchlässige Außenhülle - im Gegensatz zu unserer herkömmlichen Wärmedämmung -, die von einer Holzkonstruktion aus japanischer Lärche gestützt wird. Die innere Membran ist zudem abnehmbar, um beispielsweise die Innenaufteilung des Hauses zu verändern und im Experimentstadium die Isolationsschicht zu untersuchen und gegebenenfalls zu ändern.

Lichthaus: Umweltfreundlich und nachhaltig bauen mit Recycling-Materialien

Schlicht, mit einem Hauch von Eleganz kommt das Experimentalhaus der japanischen Architekten daher und lädt mit seiner natürlichen Lichtstimmung zum Verweilen ein. (c) Kengo Kuma Associates.

Ein weiteres Merkmal der alten Bauten ist es, dass sie nicht direkt auf dem Erdboden errichtet wurden, sondern auf einer Zwischenschicht aus Rohrkolben. Dies hatte gleich zwei Vorteile: Die Feuchtigkeit wurde von den damals einfachen Bauten abgehalten und eine natürliche Ventilation war gegeben. Auch diese einfache aber effektive Idee wurde im Experimentalhaus von Kengo Kuma Architects übernommen. Generell ist der Isolationswert eines Hauses für die Architekten nicht mehr wie seit dem 20. Jahrhundert – und heute noch üblich - dadurch bestimmt, wie dick die Isolierung ist. „Wir wollen erreichen, dass Gebäude mittels einem dynamischen Umwelt-Engineering in Zukunft errichtet werden. Es soll das alte Verständnis von Architektur ablösen“, so die Architekten.

Schließlich zeichnete die alten „Chise“-Häuser aus, dass in ihrem Zentrum eine Feuerstelle war. Diese erwärmte das darunterliegende Erdreich, was wiederum den Effekt einer Fußbodenheizung mit Strahlungswärme hatte. Auch dieser Ansatz wurde für das Experimentalhaus Meme Meadows übernommen. In Tests wurde belegt, dass man selbst im Winter mehrere Tage sich im Haus aufhalten könne, ohne zu heizen. Das aufgeheizte Erdreich wäre ausreichend warm.

Das Haus mit etwa 80 m² Grundfläche ist mit zahlreichen Sensoren versehen, die Informationen über die Wärmeleitfähigkeit der Bauteile sowie seismische Daten erhebt. Denn nicht zuletzt ist die Erdbebensicherheit in Japan ein mitentscheidendes Baukriterium. Meme Meadows, eines von mittlerweile vielen Beispielen für eine umweltfreundliche, nachhaltige Architektur.

Quelle und Copyright alle Bilder: Kengo Kuma Associates, Text: Jürgen Rösemeier

Lichthaus: Umweltfreundlich und nachhaltig bauen mit Recycling-Materialien

Das Lichthaus ist ein Beispiel für ein völlig neues Architekturverständnis. (c) Kengo Kuma Associates.

Lichthaus: Umweltfreundlich und nachhaltig bauen mit Recycling-Materialien

Leben im Rhythmus der Natur: Dank der lichtdurchläßigen Konstruktion könnte auf künstliche Beleuchtung verzichtet werden. (c) Kengo Kuma Associates.

Lichthaus: Umweltfreundlich und nachhaltig bauen mit Recycling-Materialien

Eine zentrale Feuerstelle sorgt wie vor Jahrhunderten für wohlige Wärme. Der Clou: Der Boden wärmt sich mit der Zeit auf und man erzielt damit den Effekt einer Fußbodenheizung, die mehrere Tage Wärme abgibt. (c) Kengo Kuma Associates.

Lichthaus: Umweltfreundlich und nachhaltig bauen mit Recycling-Materialien

Heimische, japanische Lärche bildet das Grundgerüst für das experimentelle Lichthaus. (c) Kengo Kuma Associates.

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Die atmungsaktive Innen- und Außenhaut sorgt für ein gesundes Raumklima. (c) Kengo Kuma Associates.

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Lichtdurchflutet und in offener Bauweise erstellt, erinnert das Lichthaus an eine Mischung aus einer Jurte und einem Loft. (c) Kengo Kuma Associates.