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Bauherrenberater: Unabhängiger Sachverständiger kann Kosten sparen

Als Bauherr auf Nummer sicher gehen: Unabhängiger Sachverständiger

„Machen Sie nicht den Bock zum Gärtner. Beauftragen Sie mit der Baukontrolle immer einen wirklich unabhängigen Sachverständigen", warnt Reimund Stewen, Vorstandsmitglied des Verbands Privater Bauherren (VPB). "Nur ein Unabhängiger hat auch ein Interesse daran, alle Mängel zu finden.“ Und diesen Rat sollte man wirklich beherzigen, denn laut DEKRA entstehen durchschnittlich mehr als 10.000 Euro Schäden am Neubau. Tendenz steigend.

Pro Haus wurden bei einer Untersuchung der DEKRA im Jahre 2008 durchschnittlich 32 Mängel pro Neubau festgestellt. Im Durschnitt wohl gemerkt. Das sind alleine 11 Mängel mehr, als noch 2007 und mit einer durchschnittlichen Beseitigungssumme von 10.287 Euro (2007 noch knapp 9.000 Euro), eine hübsches Sümmchen für die meist knapp kalkulierenden Bauherren. Gerade „Sachverständige, die in Kooperation mit Schlüsselfertiganbietern oder Franchiseunternehmern ihre Dienste anbieten, sind nicht unabhängig“, warnt Stewen weiter. Doch, solche Kooperationsmodelle gibt es seit einiger Zeit, beobachtet der VPB. Weil immer mehr Bauherren kritisch sind, mehr und mehr von Pfusch am Bau berichtet wird, nehmen sich immer mehr Häuslebauer einen unabhängigen Bausachverständigen. Diese Dienste wollen mehr und mehr Baufirmen nun an sich reißen und bieten sie als vermeintlich unabhängiger Sachverständiger und Baubegleiter an, so die Erfahrung des VPB.

Mancher Anbieter spielt dabei jedoch nicht mit offenen Karten, wer hinter den Gutachtern steht und es geht noch dreister. „Einzelne Anbieter haben dazu sogar eigens Vereinigungen gegründet, die den Anschein erwecken, mit unabhängigen Experten zu arbeiten. Das ist allerdings Augenwischerei", kritisiert der VPB-Sachverständige, "denn in der gleichen Vereinigung können sich oft auch Bauträger und Bauunternehmen zertifizieren lassen. Das heißt, die dort auftretenden Sachverständigen sind heute für die Bauträger und morgen für die Bauherren tätig. Da ist die Frage erlaubt: Wie unabhängig können solche Berater sein? Zumal sie oft jahrelang mit den selben Firmen zu tun haben, aber nur einmal mit jedem Bauherrn!"

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Das Problem ist daher heute mehr und mehr, woran kann der Bauherr erkennen, ob ein Sachverständiger wirklich unabhängig ist. "Das erfahren Bauherren zum Beispiel beim Lesen der Satzung des Vereins oder Verbands. Dort steht unter anderem, wer Mitglied werden darf. Sind dort Bauunternehmen und Schlüsselfertiganbieter zulässig, ist es mit der Unabhängigkeit nicht weit her." Zwar etwas umständlich, doch bei den zu erwartenden Kosten für die Schadensbeseitigung durch Pfusch – nochmal: Die genannten Zahlen sind Durchschnittswerte und können noch erheblich höher liegen – allemal die Zeit wert. Daher gilt beim Betrachten der Satzungen: "Bauherren sollten immer darauf achten, wem die Sachverständigen verpflichtet sind: Wirklich unabhängige arbeiten strikt firmen- und produktneutral. Sie verdienen ihr Geld mit ihrem fachlichen Know-how, nicht mit der Empfehlung von Firmen, Baustoffen und Materialien."

"Wer sein gutes Geld in eine Immobilie investiert, der sollte das Projekt sorgfältig vorbereiten und immer recherchieren, mit wem er es zu tun hat", empfiehlt Reimund Stewen. "Dazu gehört auch das Einholen von Referenzen. Der VPB hat zum Beispiel eine Referenzbörse für seine Mitglieder eingerichtet. Dort können sich angehende bei erfahrenen Bauherren über deren Erlebnisse informieren – gute wie schlechte Erfahrungen werden von Bauherr zu Bauherr direkt weitergegeben. Bauherren dürfen sich auch nicht blindlings auf Versprechungen oder gar Zertifikate verlassen. Sie sollten immer klären, wer dahinter steckt und welche Interessen er verfolgt." Übrigens, die Leistungen der unabhängigen Sachverständigen können ganz unterschiedlich sein. Sie reichen von der technischen Vertragsprüfung, die bereits vor Baubeginn etwaige Planungsmängel aufdeckt, kann die Begleitung zu Baubesuchsterminen beinhalten und bis zur letztlichen Bauabnahme vereinbart werden. Zwar differieren die Kosten für einen unabhängigen Bauherrenberater kräftig, meist liegt ein Komplettpaket unter einem Prozent des Kaufpreises, so eine Faustregel. Vereine sind hier mitunter günstiger.

Sich zu informieren lohnt sich, frei nach dem Motto „lerne von den Fehlern der anderen, dann musst Du sie nicht selbst machen“. Zudem gilt: Mit der Bauabnahme beginnt die Gewährleistungspflicht. Daher muss der Bauherr dem Bauträger nachweisen, dass er Pfusch am Bau betrieben hat. Und dies ist meist kein leichtes Unterfangen. Draufzahlen und der anschließende Ärger muss nicht sein. 2008 mussten alleine 1,4 Milliarden aufgewendet werden, um dem Pfusch am Bau zu beseitigen. Wohlgemerkt am Neubau.

Ganz aktuell vergibt der VPB und noch bis zum 30. Januar täglich 100 kostenlose Gutscheine für die Bauherrenberatung. Mehr Informationen hierzu und zur Bauherrenberatung erhalten Sie beim Verband Privater Bauherren, der viele regionale Büros unterhält.

Quellen: VPB, DEKRA, Focus.de, Text: Jürgen Rösemeier