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Orfafa Klamotten Online Shop People Tree
Organic Fair Fashion

Abendkleider & Streetwear: Der Orfafa Organic Fair Fashion Online Shop verkauft faire Klamotten

Die 2013 gegründete Mode-Community für Organic Fair Fashion präsentiert in ihrem Shop nicht nur mehr als 8.000 ausgesuchte Teile für Frauen, Männer und Kids, sondern liefert auch noch jede Menge Facts und Background-Infos. Nachhaltigleben.de sprach mit Co-Gründerin Martina Jordan über Aufklärungsarbeiten und Stilfreiheiten. 

Nachhaltigleben.de: Hallo Martina. Stell dich und ORFAFA doch bitte kurz vor.

Martina Jordan: Wir sind Martina Jordan und Aline Wendscheck. Ich selbst bin 33 Jahre alt und  Mutter zweiter Töchter. Aline ist 35 Jahre alt und wird auch bald zum zweiten Mal Mutter. Wir kennen uns von unserem ersten Studienjahr. Wir haben gemeinsam in Frankfurt begonnen Romanistik zu studieren. Aline hat weitergemacht, ich bin weitergezogen nach Köln. Dort habe ich zwei Jahre an der Kölner Journalistenschule studiert und Nava kennen gelernt, die uns jetzt bei der Pressearbeit unterstützt. Dann bin ich noch einmal umgezogen und habe in Berlin Volkswirtschaftslehre studiert. Nach meinem Studium habe ich zuerst bei der ProCredit Bank gearbeitet. Sie verleiht Mikrokredite an Kleinunternehmen in Afrika, Lateinamerika und Osteuropa. Danach war ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geographie in Heidelberg. Aline ist Literaturwissenschaftlerin. Vor der ORFAFA Gründung 2013 hat sie im Bereich Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener und als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Family Literacy Projekt gearbeitet.

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Orfafa Martina Jordan

Martina Jordan und ihre Tochter ©Orfafa

Wann kamt ihr auf die Idee ORFAFA  zu gründen, wie kam der Name zustande und inwieweit spielte das Thema Nachhaltigkeit bereits eine Rolle in eurem Leben?

ORFAFA steht für organic fair fashion. Uns war es wichtig, dass der Name eine Bedeutung hat, aber dennoch eingängig und kurz ist. Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit waren für mich schon immer wichtige Themen. Mein Studienfach Volkswirtschafslehre habe ich zum Beispiel gewählt, um größere wirtschaftliche Zusammenhänge besser verstehen zu können. Der Bereich faire und umweltfreundliche Mode treibt mich also schon recht lange um. Ich kann mich gut erinnern, dass ich über die furchtbaren Arbeitsbedingungen in den Nähereien schon während meines Schulzeit durch die Kampagne für Saubere Kleidung erfahren habe. Damals blieb aber die Frage nach den Alternativen immer unbeantwortet. Das hat sich heute glücklicherweise geändert: Es gibt sehr viele umweltfreundliche und faire Modelabels. Leider ist das bei vielen Verbrauchern noch nicht angekommen. Viele Labels verkaufen ihre Mode nur in kleinen Konzeptstores oder über ihre Online-Shops. Ich bin fest davon überzeugt, dass viele Menschen nachhaltige Mode kaufen würden, wenn man es ihnen nur etwas einfacher machte. Genau das versuchen wir mit ORFAFA – organic fair fashion: Wir bündeln das zerstreute Online-Angebot an fairer Biomode auf einer Seite. Außerdem gibt es ein Magazin mit Hintergrundinformationen und News aus der Eco- & Fair-Fashion Szene sowie ein Forum, in dem sich User austauschen können.

Du wohnst in Brasilien, Aline in Deutschland - ist es bei diesen Distanzen nicht schwierig den Laden am Laufen zu halten?

Die Distanzen sind eigentlich kein großes Problem. Auch wenn wir in der selben Stadt wohnen würden, würden wir wahrscheinlich Home-Office machen und uns nicht jeden Tag sehen. Telefon und Skype sind wunderbare Kommunikationsmittel, da ist es eigentlich egal, ob man vom Prenzlauer Berg nach Willmersdorf telefoniert oder von Berlin nach Rio de Janeiro. Wir sind beide Mütter und strukturieren den Arbeitstag daher anders als die meisten Leute, die einen normalen Vollzeitjob im Büro haben. Wir arbeiten auch mal morgens, wenn die Kinder noch schlafen oder abends, wenn sie schon im Bett liegen. Die Arbeitswoche fängt bei uns also nicht am Montag an und endet am Freitag. Auch am Wochenende wird mal was gemacht, wenn die Oma mit den Kindern unterwegs ist. Wir kennen uns außerdem schon viele Jahre und wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können.

Die Entfernung ist also kein Problem. Langfristig brauchen wir aber Verstärkung, die Arbeitslast wird für uns langsam zu groß. Ich kann mir vorstellen, dass es bei neuen Mitarbeitern dann schon wichtig wird, dass sie vor Ort sind.

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Bio-Baumwolle allein reicht nicht

Nach welchen Kriterien wählt ihr die Labels aus, mit denen ihr zusammenarbeitet? Sind das ausschließlich ökologische oder beispielsweise auch vegan/vegetarische oder eben auch stilistische Labels? Entscheiden die Labels darüber, welche Styles sie bei euch anbieten oder sucht ihr die Angebote zusammen aus?

Die Labels müssen sowohl unseren ökologischen als auch unseren sozialen Kriterien entsprechen. Es reicht nicht, dass ein Label Biobaumwolle verwendet, aber in Bangladesch unter miesen Bedigungen nähen lässt. Wir möchten mit ORFAFA – organic fair fashion ein wirklich breites Angebot an fairer Biomode bieten und treffen daher bewußt keine Vorauswahl nach stilistischen Gesichtspunkten.

Orfafa Klamotten Online Shop people tree

Auch Öko-Mode kann schick sein ©People Tree

Stil ist etwas sehr persönliches und ich fühle mich nicht berechtigt ihn zu bewerten oder vorzusortieren. Ich freue mich darüber, wenn Leute mit ganz verschiedenem Hintergrund und mit verschiedenem Stil auf ORFAFA Mode finden, die ihnen gefällt.

Wie würdest du den durchschnittlichen ORFAFA-Kunden beschreiben?

Ich denke, es gibt ihn nicht. Es gibt bei uns Kleidung für Frauen, Männer, Kinder und Babys. Es gibt festliche Kleider und Streetwear. Es gibt Ökomode, die öko aussieht, aber auch coole Streetwear, festliche Kleider und Business-Mode. Wir versuchen ein möglichst breites Publikum anzusprechen: Mamas in Elternzeit sollen hier genauso etwas finden wie taffe Businessfrauen. Es gibt faire Biomode für coole Teens und für Yoga-Fans. 

Abendkleider, Schuhe & Streetwear

Ihr nutzt eure Website und die Facebook-Site längst nicht nur für Werbung in eigener Sache, sondern informiert auch über Greenpeace, Arbeiterrechte etc. - Wie wichtig ist diese Aufklärungsarbeit für das Projekt ORFAFA?

Mir ist das sehr wichtig. Ich wollte schon immer beruflich etwas tun, was die Welt ein bisschen besser macht. Bei ORFAFA – organic fair fashion geht es deshalb nicht nur um den Verkauf von (bio-fairer) Kleidung, sondern auch um die Veränderung der Modebranche allgemein. Dafür ist es wichtig, dass auch die großen Marken langfristig umsteigen und ihre Produktion fair und umweltfreundlich gestalten. Das werden sie aber nur tun, wenn die Konsumenten Druck ausüben. Unsere User interessieren sich für die Produktionsbedingungen in der Modebranche und ich denke, es gefällt ihnen, wenn sie von uns auch über Unterschriftenaktionen von Greenpeace und der Kampagne für Saubere Kleidung informiert werden.

Thema große Labels mit kleinen Eco-Sidecollections. Wie steht ihr dazu und würden solche Teile Eingang ins ORFAFA-Sortiment finden?

Uns reicht es nicht, wenn Labels nur ein paar Teile aus Bio-Baumwolle anbieten. Wir möchten keine Labels bewerben, die nur wenige nachhaltige Klamotten im Sortiment haben, um ihr Image aufzubessern. Unser Auswahlprozess hat deshalb zwei Etappen: Wir schauen uns zunächst das Label an und prüfen, ob die Kollektion  vorwiegend unsere Kriterien  erfüllt. Bevor wir die Produkte eines Labels in den Shop einstellen, werden sie noch einmal gefiltert: Nur die Kleidungsstücke oder Schuhe, die unseren Kriterien wirklich entsprechen werden dann im Produktkatalog gelistet.

Ist Eco-Fashion raus aus der Nische und falls nicht, was muss hier in Zukunft noch passieren?

Es gibt schon eine sehr große Auswahl. Wer will, findet sicher etwas, das dem eigenen Stil entspricht. Raus aus der Nische ist Eco-Fashion aber noch nicht, weil es die Mode selten in der Shoppingmeilen der Innenstadt zu kaufen gibt. Man muss schon in einen Konzeptstore gehen oder online danach suchen. Wir hoffen, dass wir den Konsumenten mit ORFAFA – organic fair fashion das Online-Shopping nach Eco-Fashion leichter machen. Je mehr Menschen bei diesen Labels kaufen, desto mehr können sie wachsen und so wird Eco-Fashion dann hoffentlich irgendwann Mainstream.

Ein schönes Schlußwort. Vielen Dank für das Interview. Mehr Infos gibt es unter www.orfafa.de.

Interview: Andreas Grüter