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Die Dokumentation ?Blackfish? stellt die Lebensbedingungen der Orcawale in SeaWorld als unzumutbar dar.
Tierschutz Freizeitpark

Waltrainerin bei Seaworld: Ein ehrlicher Erfahrungsbericht

Der Dokumentarfilm „Blackfish“ hat den Ruf von SeaWorld massiv geschädigt. Er entstand, nachdem die Killerwaltrainerin Dawn Brancheau durch ihren Orca Tilikum lebensgefährlich verletzt wurde. Der Film behauptet, dass die Wale durch ihre Lebensbedingungen in SeaWorld so aggressiv werden. Alles nur Propaganda? Ja, sagt Trainerin Kacie Kritner.

Schon in ihrer Kindheit besuchte Kacie Kritner regelmäßig den Meerespark SeaWorld in San Diego. Besonders die Shows der Delfine und der riesigen Killerwale, auch Schwertwale genannt oder Orcas genannt, faszinierten sie: Die Vorstellung, dass ein einzelner Mensch einen durchschnittlich 7 Meter langen, 4 Tonnen schweren Killerwal dazu bringt, in die Höhe zu springen oder auf eine bestimmte Art abzutauchen, das zog die 5-jährige Kacie so sehr in ihren Bann, dass sie schon als Teenagerin beschloss,  Waltrainerin zu werden. 7 Jahre lang trainierte sie bei SeaWorld die Killerwale. Mit der Veröffentlichung der Dokumentation „Blackfish“ im Jahr 2013 litt auch das Ansehen ihrer mit Bewunderung geachteten Tätigkeit als Killerwaltrainerin: Er stellt die Tiere als depressiv und gestresst dar und berichtet von der Gefangenname des Orcas Tilikum.

Ehemalige Mitarbeiter von SeaWorld berichten von der Misshandlung des Tieres und Wissenschaftler werden zur Entlarvung falscher Behauptungen durch SeaWorld herangezogen - beispielsweise die Aussage, dass die Tiere in Gefangenschaft gleich alt oder älter als Tiere in Freiheit werden. Der insgesamt 83 Minuten lange Dokumentarfilm erhielt eine extrem positive Resonanz und führte dazu, dass die Besucherzahlen in SeaWorld seither um beinahe 85% gesunken sind. Wie kommt es, dass Killerwaltrainer wie Kacie Kritner nach wie vor hinter dem Unternehmen stehen?

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Blackfish: Dokumentarfilm oder Propaganda?

Blackfish erzählt davon, wie der Killerwal Tilikum vor Island gefangen genommen wurde und anschließend zunächst im Sealand-Aquarium, später in SeaWorld in Orlando lebte – wo er heute wieder in verschiedenen Orca-Shows auftritt. Ehemalige Mitarbeiter von SeaWorld berichten in bewegenden Interviews davon, wie die Tiere durch ihre Gefangenschaft von generell friedlichen Zeitgenossen zu aggressiven Killern werden. Untermauert werden diese emotionalen Schilderungen durch informative und analytische Beiträge von Wissenschaftlern. Immer wieder zeigt der Film Originalaufnahmen von verschiedenen Vorfällen, die es zwischen den Killerwalen und ihren Trainern bereits gegeben hat – zu Anfang und zum Ende des Films sieht der Zuschauer eine Szene vom Unglückstag der Trainerin Dawn Brancheau. Die Szene endet schließlich bevor Tilikum sie unter Wasser zieht.

Ein aufwühlender und verstörender Bericht, der in Kalifornien inzwischen als exemplarisch für die in Gefangenschaft lebenden Orcas gesehen wird, weshalb ein neuer Gesetzesentwurf diskutiert wird, der die Show der Tiere verbieten soll. Kritiker von Blackfish bezeichnen das Gezeigte dagegen nicht als Dokumentation, sondern als reine Propaganda: Die im Film interviewten ehemaligen Mitarbeiter arbeiten entweder schon sehr lange nicht mehr bei SeaWorld oder haben während ihrer Arbeit kaum Erfahrung mit den Killerwalen gesammelt. Blackfish stelle zudem Tierrechtsaktivisten als Wissenschaftler dar und schildere den Tod von Dawn Brancheau unter erfundenen Umständen. Er sei nicht sachlich, sondern setze bewusst auf die emotionale Manipulation des Zuschauers. In diese Argumentation reiht sich auch die Schilderung der ehemaligen Killerwaltrainerin Kacie Kritner ein. 

Orcas als intelligente, mitfühlende Wesen

Während ihrer 7-jährigen Arbeit bei SeaWorld hat Kacie festgestellt, dass Orcawale in ihrer Entscheidung auch in Gefangenschaft frei sind: Sie tun nur dann etwas, wenn sie es auch wollen – so Kacie. Wie intelligent die Orcas sind, merkte sie während einer Übung, bei der sich das Tier auf der Bühne um 360° drehen soll: Ihr Orca, Tuar, drehte sich während der Übungen nie richtig. Weil sie wusste, dass er dazu sehr wohl in der Lage ist, konnte sie nicht verstehen, dass der Wal sich zurückhält. Ein Kollege empfohl ihr schließlich von der Bühne zu gehen während der Übung – und siehe da: Tuar drehte sich beim nächsten Versuch komplett um seine Achse. Kacie verstand, dass der Wal sich deswegen nicht ganz gedreht hatte, weil er sie nicht mit seiner Flosse dabei verletzen wollte.  Ein deutlicher Beweis für die Intelligenz und Empathie der Tiere. Trotz der negativen Schlagzeilen steht sie zu SeaWorld und glaubt an deren Einsatz für Tiere in Freiheit und jene in Betreuung.

Ein Herz für Wale – aber mit den richtigen Mitteln

Der Dokumentarfilm „Blackfish“ schafft es die Meeres-Themenparkkette SeaWorld bis heute zu ruinieren. Ein interessanter Ansatz, dessen Glaubwürdigkeit von Gegnern des Films bestritten wird.  Aber reicht die Kritik an dem Film aus, um die Aussage des Films zu entkräften?  Tierschützer sind sich einig, dass eine artgerechte Haltung für Wildtiere in Gefangenschaft nicht möglich ist. Genügt die positive Erfahrung anderer, um das Gegenteil zu behaupten? Es muss angenommen werden, dass sich nicht jedes Tier gleich verhält und verschiedene Tiere sich unter den selben Bedingungen unterschiedlich entwickeln können. Ein Aspekt, dem sich die Argumentation von „Blackfish“ nicht ausreichend widmet. Tierschutz – ja! Aber bitte objektiv und seriös.

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Bilder: depositphotos/kjorgen, Text: Kacie Kritner/ red