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Statt zäher Politik Veränderungen von unten: Die Transition Towns

Was machen wir, wenn uns das Erdöl ausgeht? Unzählige Lebensbereiche wären betroffen. Wie würden wir uns fortbewegen? Was bedeutet das für den Transport lebensnotwendiger Nahrungsmittel? Welche Auswirkungen hätten Konflikte auf unser Zusammenleben? Diese Fragen stellt die Transition-Town-Bewegung, denn sie geht davon aus, dass wir unseren bisherigen Lebensstil dringend überdenken müssen.

Gärtnern in der Gemeinschaft

Gärtnern in der Gemeinschaft

Quelle: Leeanne Timony

Unsere Städte sind vom Erdöl abhängig. Die meisten Lebensmittel, die wir kaufen, werden weite Strecken transportiert. Wenn wir uns bewegen, benutzen wir häufig das Auto. Die Ölheizung läuft auch nicht ohne Öl. Kaum ein Bereich im Alltag ist unberührt von fossilen Rohstoffen, die wir nutzen, damit wir auf hohem Niveau leben können. Doch unsere Gesellschaft steht vor großen Herausforderungen: Niemand weiß genau, wie sich der Klimawandel auswirken wird. Wir befinden uns im Bereich des Ölfördermaximums, das bedeutet, Rohöl wird knapp und damit immer teurer. Die Transition-Town-Bewegung nimmt sich dieser Herausforderungen an.

„Eine wichtige Erkenntnis ist, dass es dafür eine stärkere Regionalisierung braucht. Kleinere Netzwerke, mehr Nachbarschaften, mehr Wechselwirkungen, das steigert die Widerstandsfähigkeit und lässt uns in Krisen flexibel bleiben.“, sagt Andrea Philipp, sie ist Mitbegründerin der Transition-Town Gruppe in Freiburg.

Vorläufer oder Gründer der Bewegung ist der Ire Rob Hopkins. Seit 2006 bilden sich immer mehr lokale Gruppen in verschiedenen Städten auf der ganzen Welt. International gibt es inzwischen über 1000 Initiativen in 35 Ländern.  

Übersetzen kann man die Transition-Towns in „Städte im Wandel“ oder „Kultur- und Energiewende-Städte“.

Allein im deutschsprachigen Raum gibt es momentan um die 100 Initiativen.

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Wie kann sich eine Stadt auf den Klimawandel und auf ausgehendes Erdöl vorbereiten?

Meist beginnen Initiativen damit, Informationen zu verbreiten, Filme zu zeigen und Gemeinschaftsprojekte zu organisieren. Zum Beispiel Gemeinschaftsgärten. Sie wollen die Städte unabhängig vom globalen Finanzsystem machen und experimentieren mit Regionalwährungen.

Am Ende kann so etwas wie ein Masterplan stehen. Die englische Stadt Bristol hat es vorgemacht. „In Bristol hat man einen Peak Oil Bericht erstellt um zu untersuchen, wie stark und in welchen Bereichen die Stadt von Erdöl abhängig ist. Man hat sich alle Bereiche angeschaut, die mit der Versorgung der Bürger und Bürgerinnen zu tun haben. Krankenhäuser, Geschäfte, Kulturelles. Dann hat man Szenarien erstellt und gefragt, was würde passieren, wenn kein Erdöl mehr da wäre. Und daraus wurde dann ein Plan erstellt.“, erklärt Andrea Philipp.

Die Bewegung bezeichnet sich selber als eine Bewegung mit Kopf, Herz und Hand. "Kopf heißt, auf rationaler Ebene zu verstehen, was Peak Oil und was der Klimawandel bedeuten. Das Herz steht für das Individuelle, das Emotionale. Zum Beispiel mit der Frage: Wie muss ich mein Denken und mein Weltbild ändern. Und das letzte sind dann die Hände, das konkrete Umsetzen, Anpacken.“ 

Einen Bezug zu den Produkten zu bekommen, die wir tagtäglich benutzen, mehr Dinge wieder selber zu machen: Die Idee der Transition Towns gibt sich eher konsumkritisch. Ein Schlagwort lautet „Reskilling“. Es geht darum zu lernen, die Bedürfnisse eigenständig zu befriedigen. Das ist auch etwas, das man belächeln könne, sagt Andrea Philipp während sie Tätigkeiten aufzählt, wie Wolle zu spinnen und Pullover zu stricken. Aber durch die Arbeit mit den eigenen Händen kommen Menschen zu einem neuen Bewusstsein:

„Viele Leute, die jetzt angefangen haben, einen Gemüsegarten anzulegen, sagen, es hat etwas Befreiendes, in der Erde zu graben. Und wenn ich wieder anfange zu stricken, habe ich das Gefühl, ich kann selber etwas produzieren. Ich bin nicht nur etwas Wert, wenn man mich vor einen Computer setzt und ich herumtippe. Ich schaffe etwas mit meinen eigenen Händen, das ist ein unglaublich befriedigendes Gefühl.“  

Text: Danijela Milosevic

Mehr Infos:

http://www.transitionnetwork.org/

http://www.transition-initiativen.de/