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WWF_Kirchgatter

© Percy Vogel / WWF

Elfenbein-Jagd

Kongobecken: ein Paradies gezeichnet von Elfenbein-Jagd

Das UNESCO-Weltnaturerbe Dzanga-Sangha ist nach dem Putsch in der Zentralafrikanischen Republik stärker bedroht als je zuvor. Wilderer nutzen die Anarchie und machen Jagd auf Elfenbein. Nun kam es zu einem schrecklichen Angriff, bei dem 26 Waldelefanten getötet wurden.

 „Nicht Dzanga-Sangha, oder?“ Seit Dezember 2012 war das die bange Frage, die Johannes Kirchgatter fast täglich stellte. Er fragte vor Ort nach, ob es schon etwas Neues gäbe. Kirchgatter ist Referent für das Kongobecken beim WWF Deutschland. „Nicht Dzanga-Sangha, oder?“, lautete auch die bange Frage bei seinen Kollegen im Berliner Büro. „Nein, bislang haben wir Glück gehabt“ – war die Antwort noch bis März diesen Jahres.

Doch was seit Jahrzenten von WWF Deutschland und der Landesregierung der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) geschützt wird, gleicht jetzt einem einzigen Schlachtfeld. Im Nationalpark Dzanga-Ndoki leben noch über 150 Waldelefanten und zahlreiche Berggorillas. Der Park ist Teil des länderübergreifenden Schutzgebietes „Trinationale de la Sangha“ und seit 2012 UNESCO-Weltnaturerbe.

Elefantenknochen

Elefantenknochen © naturepl.com

Während in vielen Nationen in ganz Afrika die Wilderei seit ein paar Jahren zunehmend eskaliert, galt das einzigartige Schutzgebiet Dzanga-Sangha bislang als sicher. „Die Programme, die wir aufgesetzt haben, zielten immer darauf ab, die lokale Bevölkerung in den Naturschutz einzubeziehen, zum Beispiel als EcoGuards. Der Park ist eine Einkommensquelle für die Leute. Bislang ging dieses Konzept auf. Wenn die Situation aber derart außer Kontrolle gerät, dann sind die besten Konzepte machtlos“, sagt Kirchgatter.

Eine Region außer Kontrolle?

Inzwischen ist die Zentralafrikanische Republik im Chaos versunken. Am 24. März 2013 hat die Séléka die Macht gewaltsam an sich gerissen. Banguí, die Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, wird vom neuen Präsidenten Michel Djotodia regiert. Über 200.000 Menschen sind auf der Flucht. Gerichtsgebäude und Gefängnisse sind zerstört – das Justizsystem ist außer Kraft. Jeder Tag ist durch Gewaltexzesse, Hinrichtungen, Plünderungen, Vergewaltigungen und Flüchtlingsströme geprägt.

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Elefantengemetzel

Elefantengemetzel in Dzanga Ra (ZAR) © WWF

Das, was Kirchgatter am meisten fürchtete, trat nun ein: „Eine Gruppe Wilderer hatte sich Zugang zum Dzanga-Ndoki-Nationalpark verschafft. Sie waren mit Kalaschnikows bewaffnet und gaben sich als Angehörige der Séléka aus. Niemand konnte sie aufhalten. Wir können derzeit nur Vermutungen anstellen. Wir denken, dass sie teilweise aus dem Chad kamen. Von einer Plattform aus haben sie Jagd auf die Elefanten gemacht. Unsere Mitarbeiter und die EcoGuards mussten flüchten. Wir haben insgesamt 26 Elefantenleichen gefunden. Allen waren die Stoßzähne entfernt worden.“ Der illegale Elfenbeinhandel trägt dazu bei, den Terrorismus in instabilen Regionen zu finanzieren.

Eine Rettung in Sicht?

Aufgrund des starken internationalen Drucks auch durch den WWF, hat die neue zentralafrikanische Regierung nun zugesagt, eine „Conjoint Mission“ nach Dzanga-Sangha zu entsenden – einen Konvoi mit bewaffneten Vertretern des Forstministeriums, der Präsidententruppe und des Nationalparks, begleitet von Spezialisten des WWF. Gemeinsam soll vor Ort die Kontrolle wieder hergestellt werden. Doch noch ist die gemeinsame „Conjoint Mission“ nur ein Lippenbekenntnis. Schwerbewaffnete Wildererbanden könnten jederzeit wieder einfallen.

  • "Dzanga-Sangha ist ein ganz besonderer Ort ? einer der außergewöhnlichsten auf der Erde", sagt Angelique Francesca Todd. Die Biologin leitet seit 2007 das WWF-Gorillaschutzprojekt in Dzanga-Sangha. (c) Angelique Todd / WWF
  • Die Waldbüffel, die auch Rote Waldbüffel genannt werden, sind kleiner als ihre Verwandten, die dunkel gefärbten Savannen-Büffel. Die Dzanga Bai ist ein bekannter Beobachtungsplatz für die Pflanzenfresser. (c) David Rouge / WWF
  • Dzanga-Sangha verdankt die erste Hälfte seines Namens einem Bach, der durch eine einzigartige Regenwaldlichtung fließt. Sie ist der Lebensmittelpunkt für Tiere aus den umliegenden Wäldern, wie den seltenen Waldelefanten. (c) Florian Niethammer/ WWF
  • Die massive Wilderei gilt als eine der größten Bedrohungen für den Bestand der Tiere. Insbesondere die Waldelefanten wurden stark dezimiert. (c) Kalpesh Latigra/ WWF
  • Weitere Bedrohungen für Dzanga-Sangha stellen die illegalen Holzeinschläge, Diamantenschürfer und zunehmender Nutzungsdruck durch Brandrodung. (c) Kalpesh Latigra/ WWF
  • Selbst auf den ersten Blick noch intakt scheinende Wälder sind durch massive Wilderei und kommerziellen Handel mit ?Bushmeat? (Wildtierfleisch) oft völlig leer gejagt. (c) Kalpesh Latigra/ WWF
  • Die Wilderei einzudämmen ist nicht einfach, da Bushmeat oftmals zur Sicherung der eigenen Existenz gejagt wird. Die Bevölkerung wächst und das Wildtierfleisch ist nicht selten die einzige Quelle für tierisches Eiweiß. (c) Florian Niethammer/ WWF
  • Für den WWF arbeitet neben Ilka Herbinger auch Johannes Kirchgatter (links) für die Projektregion Dzanga-Sangha. (c) Kalpesh Latigra/ WWF

Quelle: WWF / Text: Christina Jung