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Oberste Geschossdecke dämmen ist laut EnEV 2009 Pflicht und nachhaltig.

Was tun mit der Pflicht, die oberste Geschossdecke zu dämmen?

Laut der EnEV 2009, der deutschen Energieeinsparverordnung, ist die Dämmung der obersten Geschossdecke Pflicht. Dies gilt insbesondere, wenn sich unter den Dachschrägen keine beheizten Räume befinden und das Dach selbst nicht gedämmt ist. Was können Hausbesitzer tun, um den Vorgaben zu entsprechen und wann entfällt die Pflicht.

Arnold Drewer, ein Paderborner Unternehmer und Dämmungsspezialist nennt Zahlen: «Von den 50 Milliarden Euro, die in Deutschland jährlich für die Beheizung ausgegeben werden, können durch effiziente Dämmung mindestens 50 Prozent problemlos eingespart werden. Ein lohnender Markt für das deutsche Handwerk, und lohnend auch für die Bewohner und die Umwelt.»

Nicht zuletzt sind die hohen Kosten und die Klimabelastung ein Grund dafür, dass die Dämmung der obersten Geschossdecke ab sofort Pflicht ist. Dies gilt, wenn die Dachschrägen nicht gedämmt sind. Auch oder gerade wenn der Dachboden beispielsweise nur als Abstell- oder Wäschetrockenboden genutzt wird. Energietechnisch ist das auch gut so, sowohl für die Umwelt, als auch für den Hausbesitzer selbst. Denn: Mindestens 15 Liter Heizöl werden pro Quadratmeter und Jahr durch eine ungedämmte oberste Geschossdecke mehr verbraucht, als im Fall einer gedämmten obersten Geschossdecke.

Alternative zur Dämmung der obersten Geschossdecke: Dachschrägen-Dämmung

In der Praxis ist es aber genauso möglich und EnEV-konform, die Dachschrägen und die Giebelwände zu dämmen, um die Wärmeverluste durch das Dach zu minimieren. Doch, die Dachschräge zu dämmen bedeutet auch einen wesentlich höheren Kostenaufwand, da die zu dämmende Fläche, im Vergleich zur obersten Geschossdecke, etwa doppelt so groß. Zudem muss das Dach eine etwa doppelt so dicke Dämmung haben wie die oberste Geschossdecke, um den gleichen Energieeinsparungseffekt zu erzielen. Das heißt, dass eine doppelte Fläche in doppelter Dicke gedämmt werden muss und damit die 8-fache Dämmstoffmenge nötig ist.

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«Nur wenn das Dachgeschoss ausgebaut werden soll, ist eine Dachschrägen-Dämmung sinnvoll. Wer das Dachgeschoss nicht nutzen möchte, sollte die Geschossdecke dämmen», rät Haus & Grund Münster-Sprecher Alexander Wiech. Die Investitionskosten je Quadratmeter, so Haus & Grund Münster, unterscheiden sich erheblich. Bei Dachschrägen sei mit 120 bis 160 Euro pro Quadratmeter zu rechnen, bei der Geschossdecke mit rund 80 Euro. Der Staat fördere die Investitionen nur, wenn als Resultat der Maßnahme mehr Energie eingespart werde, als in der EnEV gefordert.

Dämm-Pflicht der obersten Geschossdecke

Eigentümer von Wohngebäuden sollten bis Ende 2011 dafür sorgen, dass die oberste Geschossdecke beheizter Räume so gedämmt ist, dass der U-Wert, das physikalische Maß für die Wärmedurchlässigkeit, der obersten Geschossdecke 0,24 Watt/(m²•K) nicht überschreitet. Doch, zum Vorteil vieler Hausbesitzer, gibt es auch Ausnahmen bei der Dämmpflicht der obersten Geschossdecke.

Ausnahmen bei Dämm-Pflicht der obersten Geschossdecke

  • Bereits vorhandene Dämmung: Wenn die oberste Geschossdecke oder das Dach bereits gedämmt ist, selbst wenn dies nicht der EnEV 2009 entspricht.
  • Langjähriger Besitz des Hauses: Wenn Ein- oder Zweifamilienhäuser vom Eigentümer bereits vor dem 1.2.2002 bezogen worden sind, dann entfällt die Dämmpflicht der obersten Geschossdecke. Doch Vorsicht: Wird das Haus irgendwann verkauft, müssen die neuen Eigentümer die Geschossdecke innerhalb von zwei Jahren dämmen. Ergo ist ein wirtschaftlicher Nachteil in Zukunft zu erwarten.
  • Dämmung sollte wirtschaftlich sein: Wenn die erforderlichen Aufwendungen durch die voraussichtlichen Einsparungen nicht innerhalb angemessener Frist erwirtschaftet werden können.
Oberste Geschossdecke dämmen oder Dach dämmen ist nachhaltig

Dämmung der obersten Geschossdecke oder Dachdämmung: Zelluloseflocken aus alten Zeitungen sind ideal und nachhaltig. Foto: © Fotolia

Vorteile der Geschossdecken-Dämmung auf einem Blick

  • Kosteneinsparung: Heizkosten lassen sich mit relativ geringem zeitlichen und finanziellen Aufwand einsparen. Es wird bei einer ungedämmten Betondecke mit 10 bis 15 Litern Heizöl-Mehrverbrauch gerechnet. Pro Quadratmeter. Sachgemäß gedämmt, rechnet sich das schnell. Dann geht der Verlust gegen Null.
  • Wohnklima: Es verbleibt mehr Wärme in den Wohnräumen und die wärmere Decke verbessert die thermische Behaglichkeit deutlich.
  • Wertsteigerung: Ein niedriger Heizenergieverbrauch, insbesondere wenn im Energieausweis bescheinigt, verschafft deutliche Vorteile bei Vermietung oder Verkauf einer Immobilie.
  • Umweltschutz: Die Dämmung verbessert den Klimaschutz, da mit dem Einsparen von Heizenergie gleichzeitig die Emission von CO2 und SO2 reduziert wird.

Nachhaltigkeits-Tipp: Oberste Geschossdecke mit Zelluloseflocken dämmen

Viele Altbauten haben einen Hohlraum in der obersten Geschossdecke, der nur zum Teil oder gar nicht mit verschiedenen Materialien aufgefüllt ist. Ideal ist der Einsatz von Zelluloseflocken als Dämmung der obersten Geschossdecke. Der Grund: Die aus Zeitungen recycelten Zelluloseflocken sind nicht nur umweltfreundlich und erzielen ausreichende Dämmeigenschaften. Aber es ist auch möglich, eine passende Konstruktion aus Spanplatten schnell und einfach zu installieren, um das Einblasen der Zelluloseflocken zu ermöglichen. Zelluloseflocken sind übrigens auch für die Dachdämmung geeignet.

Im Gegensatz zu künstlichen Dämmstoffen sind Zelluloseflocken auch noch ein idealer Schutz gegen sommerliche Hitze. Je nach Heizkosten hat sich diese Dämmung nach 5 bis 10 Jahren amortisiert. Mehr zu den nachhaltigen Vorteilen und der Leistungsfähigkeit ökologischer Dämmstoffe lesen Sie unter «Mit ökologischen Dämmstoffen nachhaltig dämmen».

Quelle:www.raum-analyse.de, www.modernisierungskampagne.de, Text: Jürgen Rösemeier