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Kunst am Bau oder Baukunst

Kunst am Bau oder Baukunst: Spannungsbrücke aus heimischem Holz!

Eine Augenweide, eine architektonische Meisterleistung, die harmonisch in die Natur integriert wird. Die Spannbandbrücke des Berliner Architekturbüros ANNABAU in Arbeitsgemeinschaft mit der Ingenieurgesellschaft Schüssler-Plan ist ein begehbares Kunstwerk und wird dem Ort Tirschenreuth im Oberpfälzischen eine ganz besondere Aura verleihen.

Diese Spannbandbrücke würde wahrscheinlich in jeder Landschaft ein wundervolles Panorama erzeugen ©Hanns Joosten, ANNABAU

Diese Spannbandbrücke würde wahrscheinlich in jeder Landschaft ein wundervolles Panorama erzeugen ©Hanns Joosten, ANNABAU

Eleganz und Baukunst vereint die Spannbandbrücke, die wie eine Skulptur über dem Wasser thront. Sie verbindet die Altstadt mit dem Gelände rund um den Fischhof, wo die Gartenschau 2013 ihre Heimat findet und der ehemalige Sommersitz der Waldsassener Äbte war. Das Motto der Landesgartenschau lautet „Natur in Tirschenreuth 2013“ und so stehen natürliche Baumaterialien im Fokus. Die begehbare Brücke von ANNABAU wurde deshalb aus Holz konstruiert. Holzbrücken  sind nicht nur optisch eine Besonderheit. Sie zeichnen sich durch eine extrem lange Lebensdauer aus, sind nachhaltig und umweltfreundlich.

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Eine stabile und flexible Sache. Aus Holz mit besonderem Charme ©Hanns Joosten, ANNABAU

Eine stabile und flexible Sache. Aus Holz mit besonderem Charme ©Hanns Joosten, ANNABAU

Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft

Für die Brücke wurde ausschließlich Holz aus heimischen Wäldern verwendet. Bei der begehbaren Brücke wurden 480 Holzbohlen und 960 Brüstungshölzer verwendet. Architekt Moritz Schloten und Landschaftsarchitektin Sofia Petersson sehen in ihrem Kunstwerk einen direkten Bezug von dem Naturstoff Holz zur regionalen Architektur und wollen damit die Bedeutung des Holzes und seine Verbindung zur Stadt Tirschenreuth ins Bewusstsein rücken.

Schwingungstests mit Schulklassen

Die 85 Meter lange Spannbandbrücke ist europaweit einzigartig, da es sich bei dem Projekt um ein „weiches System“ mit Holzboden und nicht stabilisierendem Beton handelt. Rund 1,3 Millionen Euro kostete die Brücke. Nach Tests zum Schwingungsverhalten mussten nachträglich Schwingungstilger eingebaut werden, die nochmals etwa 70.000 Euro teuer waren. Durch die neuartige Konstruktion lagen keine Erfahrungswerte zum Schwingungsverhalten vor, so dass Nutzungstests mit Schulklasse die nachträgliche Ausbesserung notwendig machten. Die bis zu 750 Kilogramm schweren Schwingungstilger werden an die Unterseite der Brücke montiert. Blattfedern mit Spezialöl und Gummideckeln bremsen die Bewegungen der Brücke. 

Text: Peter Rensch
Bilder: Hanns Joosten, ANNABAU