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Nachhaltig leben: Gemüse und Blumen selbst ziehen aus Samen

Es macht Spaß, ist einfach, sorgt für viel mehr Sortenvielfalt und hat nebenbei pädagogischen Wert: Blumen und Gemüse selbst ziehen. So funktioniert es. (c) Thinkstockphotos

Wunder der Natur: Gemüse und Blumen einfach selbst ziehen

Im Garten und auf dem Balkon hat die grüne Saison noch Winterpause. Doch schon bald kann der Hobbygärtner mit der Anzucht der eigenen Blumen, Stauden und natürlich von Gemüse beginnen. Daher heißt es schon jetzt: Rechtzeitig planen, mit Samen eindecken und vorbereiten. Das macht Spaß, ermöglicht größere Sortenvielfalt, ist für Kinder lehrreich und rentiert sich manchmal auch finanziell.

Spätestens ab Mitte Februar kann mit der Anzucht für die neue Gartensaison begonnen werden. Petersilie auf der Fensterbank oder Geranien können sogar schon im Januar in die Anzuchterde. Auch Chilis und Paprika können in den nächsten Wochen in die Erde. Viele Hobbygärtner lieben die eigene Anzucht, da die Sortenvielfalt an Blumen- wie Gemüsesorten ungleich höher ist, als das Angebot im Gartencenter. Zwar ist dies mit ein wenig Aufwand verbunden, doch das Ergebnis, die anschließende Blütenpracht oder das eigene, teils ganz besondere Gemüse zu ernten entlohnt für die Arbeit der Anzucht.

Erde, Quelltöpfe und mehr vorbereiten

Hierbei Anzuchterde zu verwenden ist sehr ratsam, denn normale Blumenerde schimmelt schnell und ist vor allem zu nährstoffreich. Als Alternative für die Anzuchterde, die leider auch einen geringen Anteil Torf enthält: Reifen Kompost mit grobem Sand aus dem Baumarkt und Tongranulat (in einem Verhältnis 2:1:1) mischen und in der Mikrowelle oder dem Backofen (bei etwa 60Grad und über 20 Minuten) erhitzen. Der Grund: Keime oder Pilzsporen werden abgetötet.

Ebenfalls gut zur Pfanzenanzucht zu verwenden sind Quelltöpfe aus Kokosfasern. Die gepressten Scheiben einfach in lauwarmem Wasser quellen lassen und die Samen darauf geben. Je nachdem, ob die Pflanzen Dunkel- oder Lichtkeimer sind, müssen sie nur noch mit etwas Anzuchterde oder Sand abgedeckt werden. Auch hier gibt es Torfquelltöpfe. Diese sollten aber ebenfalls gemieden werden, denn der Torfabbau in Osteuropa – in Deutschland mittlerweile verboten, leider aber mit bis zu über 90 Prozent Bestandteil herkömmlicher Blumenerde – zerstört wertvolle Naturlandschaften und setzt Unmengen an gebundenem CO2 frei. Die Saattiefe ist dabei immer auf der Samenpackung angegeben. Eine Faustregel für Lichtkeimer indes ist: Mit so viel Erde bedecken wie der Samen groß ist. Ein Tipp für große Samen wie für Duftwicken oder Wunderbaum: Über Nacht in Wasser einweichen fördert die Keimfähigkeit. Weitere Alternativen als Pflanzgefäß: Aus Zeitungspapier mit einem ‚Potter‘ selbstgefertigte Töpfchen, siehe hier. Allerdings vertragen nicht alle Pflanzen dieses Behältnis und wachsen meist nur verkümmert heran. Zudem sind Pappschachteln von Hühnereiern gut für die Pflanzenanzucht geeignet.

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Benötigtes Material und Vorbereitung

Alles beginnt mit der Auswahl der gewünschten Pflanzen. Ruhig mal in Katalogen stöbern oder auf Fachportalen. Gerade bei Gemüse ist Bioqualität der herkömmlichen vorzuziehen, denn die Bio-Samen sind meist aus heimischer, gesunder und chemiefreier Zucht, das Ergebnis ist meist aromatischer und die Pflanze widerstandsfähiger. Zudem kann mit Samen in Bio-Qualität Gentechnikeinsatz völlig ausgeschlossen werden. Mehr zu Bio-Saatgut lesen Sie hier.

Nachhaltig leben: Wie Gemüse und Blumen selbst ziehen aus Samen

Zur Blumen- oder Gemüseanzucht benötigt der Hobby- und Balkongärtner nicht viel. (c) Thinkstockphotos

Ideal für die Anzucht des eigenen Gemüses und der Blumen wie Stauden sind Zimmergewächshäuser mit durchsichtigem Deckel. Neben der Lichtdurchlässigkeit haben diese den Vorteil, dass sie eine hohe Luftfeuchtigkeit halten, zum Vorteil des Keimens. Aber auch in mehr oder weniger große Tontöpfen kann die Anzucht der Blumen und Gemüse erfolgen. Ist dies gleichzeitig der spätere Pflanztopf, dann nur etwa das ober Drittel mit Anzuchterde, den Rest mit nährstoffreicher Blumenerde auffüllen. Nützlich sind zudem beschriftbare Pflanzenstecker, um später auch zu wissen, welche Pflänzchen aus welchen Töpfen kommen. Ideal: Kompostierbare Mundspatel aus Holz, die günstig in der Apotheke erhältlich sind (etwas über einem Euro/100Stck.).  

Da die Pflanztöpfe niemals austrocknen, aber auch nicht zu Nass sein sollen ist dosiertes Befeuchten gefragt. Eine Sprühflasche kann genutzt werden, wobei gerade beim Besprühen kleiner, ausgetriebener Pflanzen die winzigen Tropfen bereits ausreichen können, dass die feinen Triebe abknicken. Tipp: Eine große Spritze zum feinen Dosieren aus der Apotheke verwenden, bei größeren Anzuchten ist eine ausgediente Spülmittelflasche zum wohldosierten Gießen hilfreich.

Zudem nützlich: Ein Bleistift oder Pikierstab, um zu dicht ausgesäte Pflänzchen in neue Töpfe umzusiedeln.

Einfach zu ziehen oder etwas schwieriger

Viele Gemüsesorten sind genügsam, keimen gut und benötigen einen zugfreien Ort mit viel Licht und knapp 20 Grad Raumtemperatur. Wärmeliebende Pflanzen wie Tomaten, Paprika oder Auberginen haben es indes gerne ein paar Grad wärmer, um zu kräftigen schnell wachsenden Pflanzen heranzuwachsen. Die Anschaffung eine Heizmatte als Unterlage mit nur ein paar Watt Leistung kann sinnvoll sein.

Nahezu alle Sommerblüher keimen recht einfach. Selbst so manche mehrjährige Staude wie die beliebten Sonnenhüte, die Echinacea purpurea, keimen zuverlässig und je nach Anzuchtzeit und milden Herbsttemperaturen blühen sie sogar schon im ersten Jahr.  Auch ist es lohnenswert, besonders teure Exemplare wie das Hohe Eisenkraut, Verbena bonariensis, selbst zu ziehen, zumal auch sie sehr unkompliziert in der Anzucht ist. Schwieriger wird es mit Sorten wie den Storchschnabel, den es als Bodendecker oder hohe Staude in vielen Variationen gibt. Hier liest man in einschlägigen Foren, dass nur in jedem 10. Anzuchttopf ein sichtbares Ergebnis erzielt wird. Der Eigenversuch hat dies bestätigt. Auch Kaltkeimer sind schwieriger und aufwändiger zu ziehen und manche Sorten keimen erst wenn die Samen einige Zeit in der Kühltruhe oder dem Kühlschrank verbrachten.

Geld sparen lässt sich übrigens mit selbst gesammelten Samen. Das kann die Lieblingsblume aus dem Beet sein oder vom geliebten Kürbis. Einfach die Samen sammeln, trocknen lassen und beispielsweise in alten, beschrifteten Briefumschlägen sammeln.

Doch nicht alle Blumen- und Gemüsesorten können schon ab Februar in die Erde. Während das schöne Mittagsgold, Löwenmäulchen, Lupinen oder Stockrosen, Artischocken, Auberginen, Tomaten oder Blumenkohl die Aussaat im Februar lieben, kommen andere etwas später. Hierzu gehören Radicchio, Kapuzinerkresse, Studentenblumen, Ziersalbei und Ziertabak oder Spinnenblumen und Kosmeen, die im März ausgesät werden sollen. Wichtig zu beachten: Die Samen sollten nicht bei wärmeren Temperaturen keimen, als für die jeweilige Sorte angegeben. Dies und zu wenig Licht lässt sie schnell in die Höhe schießen, abknicken und absterben. Alternative zu schlechten Lichtverhältnissen: Wachstumslampen aus dem Fachhandel.

Text: Jürgen Rösemeier