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Eco Design aus Köln
Nachhaltige Möbel

Kölner Möbeldesigner mit grünem Daumen

Unter dem Label NIRUK entwickelt die Kölner Produkt- und Kommunikationsdesignerin Nina Ruthe-Klein mit dem Produktdesigner David Antonin schöne Dinge des alltäglichen Lebens. Warum bei ihren Arbeiten das Thema Nachhaltigkeit selbstverständlich ist, erklärt sie im Interview.

Praktisch zusammensteckbare Kindersitze, beinlose Tische mit Spannriemen für Haus und Garten oder minimalistische Möbelentwürfe aus innovativen Kork/Beton-Verbundstoffen – die Kölner Designer von NIRUK sind überall dort am Werk, wo schöne Form und clevere Funktion auf ökologische und soziale Verantwortung trifft. Dass man die gestalterische Moderne dabei mitunter in alten Handwerkstraditionen und fast vergessenen Naturmaterialien sucht (und findet), ist Teil des eigenen Selbstverständnisses.

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Hallo Nina. Du machst ja schon seit einer ganzen Weile die Möbelwelt mit deinen Entwürfen unsicher. Wann hast du NIRUK gegründet und was hast du vorher gemacht?

LirumLarum Kinderstuhl von NIRUK

Funktionaler Eco Stuhl für die Kleinen

Naja, so lange auch noch nicht. Das erste Mal ist NIRUK, übrigens eine Abkürzung für NIna RUthe-Klein, 2011 mit dem LirumLarum-Kinderstuhl auf dem ‚Talents’-Areal der Ambiente-Messe in Frankfurt in Erscheinung getreten. Vorher habe ich Grafik- und Produktdesign studiert und zunächst gemeinsam mit einem Studienfreund in Köln ein Büro für Event – und Produktdesign gegründet, mit dem wir beispielsweise Klettergriffe für Globetrotter und Kameragehäuse entwickelt, Bühnen für große Festivals für elektronische Musik gebaut und auch eine Präsentationsfläche für die Deutschlandpremiere eines Star Wars-Films entworfen haben. Alles tolle Projekte, nur leben konnten wir leider nicht davon. Anschließend arbeitete ich als Art Direktorin in einer klassischen Werbeagentur für Kunden wie die VW Autostadt, was jedoch für mich nicht sonderlich erfüllend war. Nach einem Jahr habe ich die Bremse gezogen und mich selbstständig gemacht.

Und dann kam NIRUK ins Spiel?

Naja, nicht direkt - ich habe zehn Jahre meiner Selbstständigkeit hauptsächlich grafisch gearbeitet, da ich ja auch Familie habe. Nachdem die Präsentation auf der Ambiente so gut gelaufen war, beschloss ich, mich wieder verstärkt dem dreidimensionalen Design, der Beziehung zwischen Material, Form und Ausdruck zu widmen, was natürlich um einiges aufwendiger als meine Grafikarbeit ist. Man braucht Materialien, Werkzeuge und eine Werkstatt, um Prototypen zu bauen. 2013 hat dann David als Trainee bei mir angefangen, er studierte damals noch und unser erstes gemeinsames Projekt war der StammTisch, den wir 2014 auf der imm Cologne und den Passagen unter dem Label ‚made by NIRUK’ vorgestellt haben. Das war für mich dann auch der Startschuss des Design Studio NIRUK. Mittlerweile hat David sein Studium mit Auszeichnung abgeschlossen und wir arbeiten gemeinsam vor den Toren Kölns.

Eure Produkte zeichnen sich nicht nur durch ihre Funktionalität, sondern auch durch einen feinen Minimalismus aus. Wie lange tüftelt ihr durchschnittlich an einem Teil?

Danke für die Blumen. Wie lange wir an unseren Entwürfen arbeiten, ist ziemlich unterschiedlich. Mal dauert es von der Grundidee bis zur ersten Präsentation sechs Monate, wie zum Beispiel beim StammTisch, mal vergehen zwei oder mehr Jahre, weil der letzte Schliff noch fehlt oder wir nicht zufrieden sind.

StammTisch by NIRUK

Thema Nachhaltigkeit. Mit welchen Materialien arbeitet ihr?

Bei uns kommen vor allem natürliche Materialien zum Einsatz sowie Baustoffe, die für echte Langlebigkeit sorgen. Mit Corcrete, einem Mix aus Kork und Beton, haben wir nach zwei Jahren Entwicklungszeit zudem jetzt unser eigenes patentiertes Material am Start, mit dem wir aktuell am Green Product Award teilnehmen. Auf der Furniture Fair Stockholm konnten wir uns damit zu unserer Überraschung den Green Product Traders Award sichern.  Wir sind gespannt was noch kommt. 

Möbel aus nachhaltigen Materialien

Green Product Traders Award für nachhaltiges Material.

Eure Produkte sind 100 Prozent Made in Germany. Bezieht sich das nur auf die Produktion oder auch auf die Materialien?

Sowohl als auch. Der StammTisch aus Holz wird komplett in Deutschland in einer sozialen Einrichtung produziert und wir arbeiten dabei ausschließlich mit heimischen Hölzern. Die Metallvariante, die übrigens gerade mit dem German Design Award ausgezeichnet wurde, entsteht ebenfalls in lokalen Werkstätten und auch Corcrete soll komplett in Deutschland gefertigt werden. Wir haben da gerade den perfekten Partner gefunden. Den Kork gewinnen wir übrigens aus alten geschredderten Weinkorken.

StammTisch aus Holz

Lokale Werkstätten, regionales Material.

Wie wichtig sind Ökologie und soziales Engagement für das NIRUK Selbstverständnis? Sind das Themen, die euch schon länger umtreiben?

Das Thema Nachhaltigkeit sollte heute einfach eine Selbstverständlichkeit für jeden Designer sein. Ich arbeite ja noch als Dozentin für Formsprache an der Kölner Ecosign – Akademie für Gestaltung und versuche, meine Studenten dahingehend nicht nur zu sensibilisieren, sondern auch gangbare Alternativen aufzuzeigen, und natürlich spiegelt sich diese Haltung auch bei unseren NIRUK-Projekten wider. Die Materialien müssen verträglich sein und die Produktion fair gegenüber Mensch und Natur. Besonders interessant finden wir in diesem Zusammenhang die Rückbesinnung auf alte Naturmaterialien und Handwerkstraditionen und wir würden da gerne für eine Renaissance sorgen. Das ist sicherlich ambitioniert, aber als Designer gestalten wir unsere Umwelt und diesen Einfluss sollten wir unbedingt nutzen.

Was steht 2016 für NIRUK auf dem Plan?

Wir arbeiten mit Nachdruck an neuen Ideen und Produkten. 2016 wird auf jeden Fall ein spannendes Jahr. Lass dich einfach überraschen.

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Quelle: www.niruk.de Bild: www.niruk.de, Interview: Andreas Grüter