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Nicht alle chemischen Stoffe können aus dem Trinkwasser herausgefiltert werden.

Medikamente und Pestizide belasten Trinkwasser

Giftige Stoffe aus Medikamenten und Pestiziden sind schwierig aus dem Wasser zu filtern. Erfahren Sie hier, wie hoch die Belastung Ihres Trinkwassers ist und was Sie dagegen tun können.

Wichtige und nützliche Produkte, die für unser Leben unverzichtbar scheinen, haben manchmal unerwünschte Nebenwirkungen. Dies gilt ganz besonders für Arzneimittel und Pflanzenschutzmittel. So unterschiedlich diese Stoffe auch zu sein scheinen, haben sie doch einige Gemeinsamkeiten, die sie für die Umwelt und speziell das Wasser zu Problemstoffen machen: viele von ihnen sind im Wasser gut löslich (hydrophil) und sind langlebig (persistent) in der Umwelt. Sie können deshalb als Spurenstoffe gerade in Wasserkreisläufen sehr lange verharren.

Vom Arzneimittel-Schrank in die Gewässer

Arzneimittel sind unverzichtbar für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen. Etwa 3.000 unterschiedliche Wirkstoffe in über 9.000 Präparaten sind allein in Deutschland im human- und veterinärmedizinischen Bereich zugelassen. Derzeit werden jährlich schätzungsweise 30.000 Tonnen Arzneimittel umgesetzt.

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Weltweit werden Arzneimittelwirkstoffe in Oberflächengewässern im Bereich sehr geringer Konzentrationen zwischen wenigen Milliardstel bis zu Bruchteilen von Millionstel Gramm pro Liter – oder auch: Mikrogramm pro Liter (µg/l) – nachgewiesen. Zum Vergleich: Eine Zuckerkonzentration von einem Milliardstel Gramm pro Liter – oder auch: Nanogramm pro Liter (ng/l) – würden Sie erhalten, wenn Sie fünf Würfel Zucker im Berliner Wannsee auflösen.

Erst die ständige Verbesserung der Messmethoden machte es möglich, diese Spurenstoffe in Gewässern überhaupt aufzuspüren. Beispiele hierfür sind das Schmerz- und Rheumamittel Diclofenac, das für Epileptiker praktisch unersetzliche Carbamazepin oder die in besonders hoher Dosis einzunehmenden Röntgenkontrastmittel Iopromid und Amidotrizoesäure.

Nach getaner Arbeit verlassen Arzneimittel und ihre Abbauprodukte (Metabolite) unseren Körper auf natürliche Weise. Selbst unverbrauchte Tabletten und flüssige Arzneimittel belasten das Abwasser, falls wir sie «unbesorgt» aber falsch über Toilette oder Spüle statt richtig in der Apotheke, in der grauen Tonne (Restmüll) oder bei Schadstoffsammelstellen «entsorgen». Viele Arzneimittelwirkstoffe oder ihre Abbauprodukte passieren den «Filter Kläranlage» und gelangen so in die Oberflächengewässer.

Aus undichten Kanalrohren oder von Feldern, auf die mit Tierarzneimitteln belasteter Wirtschaftsdünger ausgebracht wird, können ebenfalls Arzneimittelspuren in das Grundwasser gelangen.

In Oberflächengewässern und im Grundwasser werden mittlerweile weit über 100 verschiedene Arzneimittelwirkstoffe nachgewiesen. Verglichen mit den im Handel zirkulierenden Mengen sind ihre Konzentrationen allerdings sehr gering.

Wie genau Arzneimittel-Wirkstoffe in die Umwelt gelangen, sehen Sie in der folgenden Grafik (Klicken Sie auf die Grafik, um sie zu vergrössern):

Wasserwochen_Medikamente_Grafik


Nicht alle chemischen Stoffe können aus dem Trinkwasser herausgefiltert werden.

Helfen Sie die Wasserqualität zu erhalten, indem Sie Medikamente fachgerecht entsorgen.

Nutzen Sie weder Spüle noch Toilette als Abfalleimer

Unverbrauchte oder abgelaufene Medikamente gehören genau so wenig in den Abfluss wie Farbreste oder andere wassergefährdende Chemikalien. Arzneimittelreste bitte immer in der Apotheke oder wie Chemikalien bei der Schadstoffsammelstelle (Recyclinghof) abgeben.

Pflanzen und Gewässer schützen - Ein Widerspruch?

Pflanzenschutzmittel und Biozidprodukte (PSMBP) sollen die Nutzpflanzen auf den Äckern vor Pilzbefall, Insektenfraß und pflanzlichen Konkurrenten (Unkräuter) schützen. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge würden ohne PSMBP die Ernteerträge für Weizen weltweit etwa 30 % geringer ausfallen. Aktuell sind ungefähr 250 PSMBP-Wirkstoffe in der Europäischen Union zugelassen.

Nach ihrer Verteilung auf den Äckern versickert ein Teil der PSMBP mit den Niederschlägen in das Grundwasser oder sie werden direkt von den Feldern in die Seen und Flüsse gespült. Im Boden, der wie ein Filter wirkt, werden die PSMBP weitgehend zurückgehalten und biologisch abgebaut, so dass längst nicht alles, was auf dem Acker landet, ins Grundwasser gelangt.

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Gesundheitlich sicher - Auch in Zukunft?

Nach wie vor bieten Arzneimittel- und PSMBP-Spuren, die in deutschen Trinkwässern gefunden werden, zwar keinerlei Anlass zu gesundheitlicher Besorgnis. Dazu sind ihre Konzentrationen viel zu gering. Sie zeigen uns aber indirekt, dass Wasser – per Naturgesetz – ein besonderer Stoff ist: wir können gar nicht anders, als ihn im Kreislauf zu nutzen. Auf diese Wahrheit spielt der Künstler Ben Wagin in seiner Installation Galerie Weltbaum II von 1989 in Berlin (S-Bahnhof Savignyplatz) an: «Wir trinken was Wir pinkeln».

Allerdings sind Arzneimittel- und PSMBP-Wirkstoffe – so groß ihr Nutzen im menschlichen Körper oder auf dem Acker auch sein mag – im Trinkwasser immer nutzlos. Auch wenn sie keine Gesundheitsgefahr darstellen, sind selbst Spuren davon im Trinkwasser, nicht zuletzt aus ästhetischen Überlegungen, unerwünscht. Auf keinen Fall dürfen sie sich dort auf gesundheitlich bedenkliche Konzentrationen hochschaukeln, von denen wir heute aber glücklicherweise noch weit entfernt sind. Der Grund: In der Vergangenheit ist zum Schutz der Gewässer vor Spurenstoffen schon einiges geschehen: zum Beispiel im Pflanzenschutzrecht, bei der Zulassung von Tier-Medikamenten, bei der Einrichtung von Trinkwasserschutzgebieten und der Verbesserung der Abbauleistung großer Kläranlagen.

Spurenstoffe aus dem Wasser wieder zu entfernen ist technisch und energetisch sehr aufwändig. Deshalb sind Maßnahmen seitens aller Beteiligten zur vorsorglichen Minderung der Einträge dieser Stoffe in die Umwelt weiterhin notwendig.

Hierzu können Sie einen wichtigen Beitrag leisten: Entsorgen Sie überschüssige Arzneimittel immer über die Apotheke oder über den Restmüll und nie über die Toilette oder das Waschbecken!






Quelle: Umweltbundesamt (Uba)